Universität Hildesheim - Meldungen - Universität Hildesheim - Zentrale Studienberatung - Anker-Peers https://www.uni-hildesheim.de/ Meldungen der Universität Hildesheim - Universität Hildesheim - Zentrale Studienberatung - Anker-Peers de-de Stiftung Universität Hildesheim Sun, 15 Dec 2019 13:52:01 +0100 Sun, 15 Dec 2019 13:52:01 +0100 TYPO3 EXT:news news-9104 Mon, 10 Nov 2014 12:48:00 +0100 Care Leaver: Erwachsen werden ohne Eltern Dass Jugendliche nicht in der Herkunftsfamilie leben, ist selten ein Thema auf dem Campus. Viele junge Menschen die im Heim, in der Pflegefamilie und Wohngruppe aufwachsen, erhalten kaum Unterstützung beim Übergang in das Erwachsenenleben, Hilfen enden abrupt. Das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik baut mit Studierenden ein Netzwerk auf und erforscht die Bildungsbiografien der jungen Leute. Eine Forschergruppe der Universität Hildesheim geht der Frage nach, was aus Kindern und Jugendlichen wird, die im Heim, in der Pflegefamilie und in betreuten Wohngruppen aufwachsen und diese Erziehungshilfen verlassen. Dabei verfolgen sie auch Übergänge in Hochschulen. Die jungen Leute können in ihrer Bildungslaufbahn nur bedingt auf familiäre Unterstützung zurückgreifen. Von ihnen wird früh viel erwartet, etwa ein selbstständiges Leben im eigenen Wohnraum mit 18 Jahren. Die Hilfen enden abrupt. Ein Drittel der jungen Erwachsenen besuchen zum Zeitpunkt der Beendigung der Hilfe weder eine Schule noch machen sie eine Ausbildung. Ein Team um Professor Wolfgang Schröer untersucht in mehreren Projekten Bildungswege der Care Leaver, also junger Menschen, die außerhalb ihres Elternhauses aufgewachsen sind.

So wurden umfangreichere Daten über die Lebenswege von Care Leavern in Deutschland und gelungene Übergangsmodelle in anderen Ländern erfasst und wie Organisationen den Übergang in das Erwachsenenleben begleiten. Mit Studierenden wurden biografische Interviews geführt – wie verlief ihr Weg in die Uni? In einer Studie mit rund 250 Jugendlichen, die derzeit in Jugendhilfeeinrichtungen leben, untersuchen die Forscher, welche Unterstützung die befragten 16-Jährigen auf ihrem Bildungsweg erhalten und welche Erwartungen an sie gestellt werden. Derzeit entsteht ein Arbeitsbuch, das sich an Fachleute in der Kinder- und Jugendhilfe wendet.

Gemeinsam mit Betroffenen haben die Sozialpädagogen seit 2012 das bundesweite Netzwerk „Care Leavers in Deutschland" aufgebaut. Mittlerweile wurde ein Verein gegründet. Die jungen Erwachsenen entwickeln Informationsmaterial, einen Flyer, drehen einen Film und geben Tipps – zum Beispiel, wie man einen Bafög-Antrag stellen kann, ohne die Einkommensnachweise der Eltern vorlegen zu müssen.

Auch die Aktivitäten in Niedersachsen sollen regional weiterentwickelt werden. Gemeinsam mit sechs weiteren Hochschulen aus Hildesheim, Emden, Holzminden, Oldenburg und Vechta wollen die Sozialpädagogen auf die Lebenssituation von Studierenden mit Jugendhilfeerfahrung aufmerksam machen und sie auf den Weg zu höheren Bildungsabschlüssen unterstützen. „Junge Menschen, die in der stationären Jugendhilfe aufgewachsen sind, sind wesentlich seltener als ihre Peers an Hochschulen anzutreffen. Care Leaver müssen den Übergang in Selbständigkeit früher, schneller und in der Regel ohne familiäre Unterstützung bewältigen", so die Sozialpädagogin Katharina Mangold. Mit dem Projekt „Care Leaver an Hochschulen in Niedersachsen“ begegnet die Hildesheimer Arbeitsgruppe dieser Chancenungleichheit. Das Niedersächsische Wissenschaftsministerium fördert das Projekt im Rahmen des Programms „Wege ins Studium öffnen“. Dabei gehe es nicht allein um harte und finanzielle Faktoren, sondern darum, „sich bewusst zu machen, was es für unterschiedliche Lebenslagen an unserer Uni gibt", so Mangold.

Hochschulöffentliche Informationsveranstaltung

Sara Milde und Katharina Mangold vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim laden zur Informationsveranstaltung ein. Dr. Eric van Santen (DJI München) spricht mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Hochschulen, Jugendhilfe und Studierenden über die Lebenssituation von Care Leaver an Hochschulen. Die Diskussion „Bildungserfolgreiche Jugendliche in stationären Hilfen zur Erziehung? – Das gibt's doch nicht!“ findet am 10. November 2014 um 16.15 Uhr im Hörsaal 3 am Hauptcampus der Universität Hildesheim statt. Insbesondere junge Menschen mit Jugendhilfeerfahrung – aber auch alle anderen Interessierten – sind herzlich eingeladen.

Unterstützung: Studienberatung und Stipendienberatung ansprechen

Betroffene und am Thema Interessierte können sich an Katharina Mangold wenden (mangoldk[at]uni-hildesheim.de). Die Studienberatung unterstützt in der Orientierungsphase und berät Studieninteressierte, Studierende gehen in Jugendzentren und informieren Schülerinnen und Schüler über Wege an die Hochschule und Unterstützungsmöglichkeiten. Dabei gehe es nicht darum, immer mehr junge Leute an die Hochschulen zu holen, sondern aufzuzeigen, dass ein Studium ein möglicher, denkbarer Weg ist, sagt Studienberater Martin Scholz. Die Stipendienberatung der Universität gibt einen Überblick über Stipendienprogramme und hilft bei der Antragstellung weiter. Markus Langer von der Stipendienberatung ermutigt junge Leute, sich um ein Stipendium zu bewerben. Der Sozialfonds springt zudem in unerwarteten Notlagen ein.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozial- und Organisationspädagogik ZSB Anker Peers Sozialfonds
news-8924 Tue, 14 Oct 2014 15:47:00 +0200 „Ein Studium ist mehr als der Weg in das Berufsleben“ 1660 Bachelor- und 578 Masterstudierende starten in ihr Studium. Die Einführungswoche begann an diesem Montag mit einer Feierstunde. Damit studieren erstmals über 7000 Studierende an der Stiftungsuniversität Hildesheim. Das Studium werde zu stark unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet. Doch aus Wissenschaft und Universität gehe mehr hervor, als ein Passierschein in das Berufsleben, verdeutlicht Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich. Zwei Beispiele führen das an diesem Vormittag eindrucksvoll vor Augen. Eine junge Frau betritt die Bühne im Audimax –  dem größten Hörsaal der Universität – und berichtet, was zu ihrem Studienalltag gehört: Die Studentin Charlotte Klages möchte Flüchtlinge und Studierende zusammenbringen und hat gemeinsam mit weiteren Hildesheimern eine lokale Initiative auf die Beine gestellt, um Flüchtlingen in der Nachbarschaft das Ankommen in Hildesheim zu erleichtern, etwa durch Sprachkurse, Sportangebote und Theaterworkshops. Dass die Welt in Aufruhr ist, spüren auch Hochschulen: Auf dem Campus etwa wurden Schriftzüge mit Spray vermerkt – „Free Kobane“. „Jeder von uns erkennt diesen Hilfeschrei. Aber es gibt andere Formen, sich zu solidarisieren und Menschen in Not zu unterstützen, etwa indem Sie in solchen Flüchtlingsinitiativen mitwirken“, sagt Friedrich.

Maher Tyfour ist der zweite junge Mann, der an diesem Vormittag zeigt, dass an Universitäten kulturelle, akademische und menschliche Beziehungen wachsen. „Wir sind ganz stolz darauf, dass Sie bei uns studieren“, so der Universitätspräsident. Der Doktorand aus Syrien erhält in diesem Jahr den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für herausragende ausländische Studierende. „Dank der Unterstützung durch den DAAD habe ich die mir ursprünglich fremde deutsche Sprache lieb gewonnen. Ihre Melodie zwingt mich in gewisser Weise, mehr über diese Sprache zu erfahren. Hier habe ich eine Familie gefunden, einen sicheren Ort für mein Leben in der Fremde, die Erfahrungen am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation sind sehr wertvoll“, sagt Maher Tyfour. Nach dem Bachelor in Syrien und dem Master an der Universität Göttingen promoviert der gebürtige Syrer seit 2013 bei Prof. Dr. Christiane Maaß an der Universität Hildesheim über Ästhetik in Hörfilmen. Auf einer internationalen Anrede-Tagung unter Leitung von Prof. Dr. Bettina Kluge konnte er als einer der wenigen arabischsprachigen Teilnehmer auf den syrischen Dialekt aufmerksam machen. Er untersucht, wie Autoritätspersonen öffentlich angeredet werden und hat eine Studie vorgestellt, wie Menschen in sozialen Netzwerken sich an den syrischen Präsidenten richten. Maher Tyfour engagiert sich bei Informationsveranstaltungen für Schülerinnen und Schüler und sieht sich aufgrund der eigenen Vita auch als Ansprechpartner für Studieninteressierte mit Migrationshintergrund.

Zur Wissenschaft gehört Internationalität – es ist nicht mehr der eine Gelehrte, der mit der Welt korrespondiert. Mithilfe von Unterstützungsprogrammen können Lehrende und Studierende andere Länder kennen lernen, dies sei „eine Bereicherung in kultureller und akademischer Hinsicht“. „Die Universität Hildesheim legt viel Wert auf Betreuung. Wir wollen sicherstellen, dass Sie nicht eine Matrikelnummer sind, sondern individuelle Ansprache erfahren. Sie sollen im Studium Freiräume erhalten, um Ihre Persönlichkeit zu bilden, dazu gehören auch Auslandsaufenthalte. Das Team des International Office hilft Ihnen dabei, alle Klippen zu umschiffen und berät bei der Planung und Finanzierung“, wendet sich Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich an die Studienanfängerinnen und Studienanfänger. Während der Immatrikulationsfeier sprachen auch Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer sowie Studierende vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und Studierendenparlament (StuPa). „Wenn wir etwas verbessern wollen, brauchen wir euch, es geht nicht ohne Mitwirkung“, so die Studenten Andre Vespermann und Julius Schwerthelm. Für stimmungsvolle Musik sorgte die Uni-Big-Band unter der Leitung von Johannes Rosenberger. Zum Wintersemester 2014/15 nehmen 1660 Bachelor- und 578 Masterstudierende ihr Studium an der Universität Hildesheim auf (ohne Weiterbildungsmaster). Dies sind vorläufige Zahlen, Einschreibungen für die Bachelorstudiengänge „Wirtschaftsinformatik" sowie „Informationsmanagement und Informationstechnologie" sind noch bis zum 20. Oktober 2014 möglich.

Zum Abschluss der Feierstunde leitete Martin Scholz die Einführungswoche ein (Erstsemesterbroschüre PDF): Eine Woche lang erkunden die Studienanfänger zunächst die Universität, bevor die Vorlesungen beginnen. 80 Studierende aus höheren Semestern helfen beim Studieneinstieg. „Eins nach dem anderen", rät die Studienberaterin Dinda Fatah den Erstsemestern. Bewerben, umziehen, sich umsehen auf dem Campus – der Übergang ins Studium ist eine aufregende Lebensphase. Die Tutorinnen und Tutoren aus allen Fachbereichen begleiten die Erstsemester und helfen etwa bei der Stundenplangestaltung und beim Zurechtfinden auf dem Campus. In der Einführungswoche stellen sich auf dem von Studierenden organisierten „Markt der Möglichkeiten" studentische Initiativen, Einrichtungen der Uni und Organisationen aus der Stadt vor.

Nach und nach können Studierende die Angebote in Hildesheim entdecken, etwa die Schreibberatung. Ob eine Hausarbeit oder ein Referat: Das Lesen und Verfassen von wissenschaftlichen Texten gehört zu den Kernaufgaben im Studium. Das Lese- und Schreibzentrum unterstützt Studienanfänger aller Fächer dabei, Schreibprozesse zu reflektieren. Die Bibliothek bietet fachbezogene Führungen und Schulungen zur effektiven Informationsrecherche an. Studierende mit Kindern erhalten Einblicke in die Kinderbetreuung „Flexi“. Einen Überblick über Stipendienprogramme der Universität Hildesheim – für besondere Leistungen und gesellschaftliches Engagement – gibt es bei der Stipendienberatung. Im Wintersemester wird sich auch räumlich etwas verändern: Im Neubau am Universitätsplatz 1 – so die neue Adresse – entstehen ein Hörsaal, Seminar- und Arbeitsräume für Studierende.

Gleichalt und Anker im Alltag

Studierende unterstützen Studierende: Die „Anker-Peers" bieten kostenlose und vertrauliche Beratung an. Für Studienanfänger werden die studentischen Berater so zu „Ankern" im Uni-Alltag. Sie kennen Unterstützungsprogramme und können darauf verweisen, etwa auf Bafög- und psychosoziale Beratung, Hilfe bei Prüfungsangst oder beim wissenschaftlichen Arbeiten. Die geschulten Teams gehen auch in Schulen und Jugendzentren und beschreiben dort den Studienalltag. „Der geringe Altersunterschied und die Tatsache, dass wir selbst Studierende sind, helfen, um offen über das Thema Studium sprechen zu können", sagt Studentin Lisa Bödecker.

Ausländische Studierende im Wintersemester 2014/15

Insgesamt beginnen mehr als 215 ausländische Studierende (86 Vollzeitstudierende und 129 Programmstudierende, Stand 08.10.2014) ein Studium an der Universität Hildesheim. Das Zulassungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Insgesamt studieren im Wintersemester 2014/15 derzeit 433 ausländische Studierende aus 65 Herkunftsländern. Die „Programmstudierenden“ kommen aus 22 Ländern: Argentinien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Japan, Kolumbien, Litauen, Mexiko, Polen, Russland, Serbien, Spanien, Südkorea, Syrien, Türkei und USA. Die Die Herkunftsländer der meisten „Vollzeitstudierenden“ sind: 1. Türkei, 2. Russische Föderation, 3. Griechenland, 4. Polen 5. Schweiz und  6. Ukraine. Insgesamt bestehen über 200 internationale Kooperationen mit Hochschulen in 50 Ländern. Im Wintersemester 2014/15 kommen 6 Studierende aus China (Hefei, Anqing und Hangzhou), 5 Kontaktstipendiaten aus Mexiko, 4 Studierende aus den USA, 4 Studierende aus Russland und je 1 Studentin bzw. Student aus Argentinien, Japan, Kolumbien und Südkorea (Stand: 8. Oktober 2014).

Fotogalerie vom Studienstart im Wintersemester 2014/15, Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Brief der Niedersächsischen Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajić an Erstsemester

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache Musik und Musikwissenschaft Fachbereich 2 International Office ZSB Anker Peers
news-8543 Mon, 14 Jul 2014 08:40:00 +0200 Weichen stellen: Entscheidungsstress Loslassen oder auf Nummer sicher gehen? Viele Eltern haben in den letzten Wochen ihre Kinder bei der Studienwahl unterstützt. Das spüren auch Studienberater in ihrem Arbeitsalltag an der Universität. Eine Entscheidung abnehmen, sollten Eltern nicht, sagt Studienberater Martin Scholz im Interview. Unsicherheit bei der ersten Entscheidung, wo es persönlich und beruflich hingehen soll, ist ganz normal. Es gibt ein großes „Drücken und Drängen" von außen, etwa durch Entwicklungen wie kürzere Schulzeit und Anforderungen von Eltern. Herr Scholz, setzen sich eigentlich viele Jugendliche erst kurz vor dem Stichtag – der Bewerbungsfrist am 15. Juli – mit der Studien- und Berufswahl auseinander? Was erleben Sie im Beratungsalltag?

Der überwiegende Teil der Studieninteressierten befasst sich ab dem Frühjahr konkreter mit der Studienwahl. Viele sind zwar fest entschlossen, dass sie studieren wollen und oft steht auch die grobe Richtung fest, aber welchen konkreten Studiengang sie wählen, entscheiden sie häufig erst zum Zeitpunkt der Bewerbung. Das führt bei einigen zu Entscheidungsstress. Wir wünschen uns eine frühzeitige und profunde Beschäftigung mit diesen weichenstellenden Entscheidungen – gleichwohl ist es verständlich, dass bei Schülerinnen und Schülern im letzten Schuljahr die Zeit von Klausuren und dem Abitur dominiert ist. Umso schwieriger ist es für alle Beteiligten, wenn sich diese Zeit dann bis weit in die Bewerbungsphase hinein ausdehnt, wie in diesem Jahr hier in Niedersachsen.

Kommt es häufiger vor, dass Eltern in den Beratungsprozess „reinreden", in der Studienberatung anrufen? Und was raten Sie – eher loslassen, eher reingrätschen und auf Nummer sicher gehen?

Eltern sollten ihre Kinder stärken und unterstützen, ohne sie dabei zu dominieren. Die angehenden Studierenden müssen die Entscheidung selbst treffen, sicher sind sie dankbar für „mentale“ Begleitung, aber eben nicht für übertragene „elternrelvante" Entscheidungskriterien. Gespräche mit Studieninteressierten wie Eltern im Beratungsalltag zeigen: Bei ihnen besteht mindestens der Wunsch, dass die Studienentscheidung auch in der Familie harmonisch aufgenommen wird und Unterstützung findet. Die Unsicherheit bei der ersten autonomen Bildungsentscheidung ist ganz normal. Unterstützung ist daher gut und notwendig, aber bitte keine Entscheidung abnehmen, das führt selten zum Erfolg.

Sie haben gemeinsam mit Studierenden das Anker-Peers-Programm aufgebaut. Die für die Beratung geschulten Studierenden gehen in Jugendzentren, Schulen und Stadtteile, um über den Uni-Alltag zu berichten (erste Bilanz). Dabei wollen sie auch Schüler erreichen, die als erste in ihrer Familie den Weg zur Universität einschlagen. Wie sind da die Erfahrungen, erreichen Sie Jugendliche zu einem Zeitpunkt, zu dem die Studien- und Berufswahl noch stattfinden kann?

Ja, unbedingt, dies ist ja gerade der Kern unseres Angebotes. Die Anker-Peers erreichen junge Menschen in der Zeit deutlich vor der Studienentscheidung. Sie stellen einen ersten sehr niederschwelligen Kontakt her und wollen potentielle Ratsuchende an die Universität mit all ihren beratenden und unterstützenden Institutionen heranführen, die von außen nicht immer eindeutig sichtbar sind. Dazu haben wir Studierende höherer Semester in beratungsrelevanten Kompetenzen geschult und einen theaterpädagogischen Workshop entwickelt. Im Workshop kommen sie in lockerer Atmosphäre mit den jungen Leuten ins Gespräch, etwa über die Motivation zum Studium. Dabei sprechen sie alle Studieninteressierten an, also auch diejenigen, die bislang nicht auf dem Weg zum Abitur waren oder für die das Studium nie eine Option war, ganz gleich welche Schullaufbahn sie bislang durchlaufen haben. Die Anker-Peers sind mit ihrem Workshop und Vortragsangebot in unterschiedlichen Schulformen unterwegs, bieten Veranstaltungen auch abseits der üblichen Lernorte an, wie im zum Beispiel im Berufsinformationszentrum und in Freizeitheimen. Und sie sind in der Uni direkt erreichbar, haben einen eigenen Beratungsraum am Hauptcampus. Das Beratungsangebot profitiert von der Nähe der Studierenden zu den Ratsuchenden, etwa was das Alter oder Bildungsbiografien betrifft.

Mit der Öffnung der Hochschulen sollen weitere Personen erreicht werden, etwa Menschen ohne Abitur, mit Meister – wie sind Ihre Erfahrungen? Tauchen viele Fragen in der Studienberatung auf?

Das ist ja eine extrem heterogene Zielgruppe und der Bedarf an Information und individueller Beratung ist enorm. So haben zum Beispiel Meister schon seit langer Zeit eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung – wie das im Amtsdeutsch heißt. Die Öffnung der Universitäten und Hochschulen in wesentlich weitreichenderem Maße, zum Beispiel über berufliche Vorbildung, besteht erst seit Sommer 2010.

Es kommen seitdem viele Menschen zu uns, die erfahren haben, dass man auch ohne Abitur und nur auf der Basis von Berufsausbildung und Erfahrung studieren kann und jetzt Unterstützung benötigen, um ihre „Studienidee" zu konkretisieren und in den „Realitätscheck" zu gehen. Die Gespräche drehen sich dann um grundlegende Fragen nach Studienmotivation, Zieldefinition (Was will ich mit einem Studium erreichen?). Es geht häufig um die Hochschulzugangsberechtigung, die Studienform – Teilzeit oder Vollzeitstudium – und Finanzierungsmöglichkeiten. Eine weitere Gruppe sind Menschen, mit einem Studienabschluss eine neue Qualifikationsstufe oder gleich ein neues Berufsfeld erschließen wollen. In der Beratung geht es zum Beispiel um die Anforderungen des Studiums und  Veränderungen im Alltag: Wie hoch ist der Arbeitsaufwand? Wie kriege ich Job, auch Familie und Studium unter einen Hut? Schaffe ich das überhaupt und was ist, wenn nicht? Viele Menschen sorgen sich aufgrund der zusätzlichen Belastungen. Andere hingegen geben zu Gunsten der Studienaufnahme eine relativ sichere berufliche Existenz auf oder schränken sie massiv ein, für sie ist das Studium eine Art „Bildungsinvestition mit Renditeerwartung".

Versuche, hier eine Zielgruppe zu definieren und für diese gemeinsame Informationen auf Landesebene zentralisiert anzubieten, funktionieren nicht. Weshalb diese Studieninteressierten mit ihren individuellen Belangen sich direkt an die jeweiligen Hochschulen wenden, und das ist aufgrund der Unterschiede auch gut so. Vielen ist ein gutes Stück geholfen, wenn die „Blackbox" Universität erfahrbar wird. Dafür haben wir verschiedene Angebote entwickelt, wie die Infotage „Abi! ...und dann?" – die wir übrigens umbenennen werden, da sich viele Studieninteressierte, die ohne Abitur an die Uni kommen, aufgrund des Titels gar nicht angesprochen fühlen. Oder das Schnupperstudium zum Ausprobieren, wir nennen es „Studium Live". Unsere Anker-Peers sind schnell und unkompliziert ansprechbar und können aus erster Hand vom Studienalltag und den Anforderungen berichten. Wir haben grundlegende Informationen umfassend aufbereitet, auch im Web. Besteht erst mal Klarheit über die eigene Bildungsbiographie und wie diese mit Blick auf den Hochschulzugang bewertet ist, wird die Informationsrecherche wesentlich einfacher und man kann die folgenden Beratungsgespräche zielgerichtet führen.

Was häufig auffällt: Die Ratsuchenden weisen zumeist ein sehr hohes Maß an Motivation und Zielstrebigkeit auf, was auf dem Weg zu einem erfolgreichen Studium durchaus hilfreich sein kann.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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Pressemeldungen ZSB Anker Peers Sozial- und Organisationspädagogik
news-7883 Thu, 20 Mar 2014 15:21:00 +0100 Wege ins Studium: Studierende sind Anker im Uni-Alltag Seit einem Jahr gibt es die Anker-Peers – nun ziehen sie eine erste Bilanz. Die Studierenden der Universität Hildesheim beraten vor und während des Studiums. Sie gehen in Schulen, Freizeitheime und Stadtteile, um über den Uni-Alltag zu berichten. Dabei erreichen sie auch Schülerinnen und Schüler, die als erste in ihrer Familie den Weg zur Universität einschlagen. Die studentischen Beraterinnen und Berater kennen die Unterstützungsprogramme – von Bafög- und psychosozialer Beratung bis hin zu Hilfe bei Prüfungsangst oder wissenschaftlichem Arbeiten. Ihr Pluspunkt: Sie sind etwa gleichalt wie die Ratsuchenden und noch nah dran am Studienalltag. So sollen Vorbehalte, eine Beratung wahrzunehmen, sinken. Gleichaltrige werden für Studienanfänger außerdem zu „Anker“ im Uni-Alltag. Sie haben einen eigenen Beratungsraum am Hauptcampus und bieten offene Sprechstunden an, mittlerweile zweimal für jeweils zwei Stunden in der Woche und nach Vereinbarung.

Die studentischen Teams gehen auch in Schulen und Jugendzentren, um die Hemmschwellen zu senken. Etwa zehn Besuche stehen pro Semester in der Region Hildesheim an. Aus ihrer Sicht beschreiben die Studierenden den Alltag an der Uni. Damit sollen Jugendliche in der Region Hildesheim frühzeitig bei der Studienwahl unterstützt werden – vor allem jene, die mit dem Bewerbungsverfahren sowie dem Studienalltag noch nicht vertraut sind und keine Geschwister oder Eltern haben, die aus dem Uni-Alltag berichten können, sagt Martin Scholz von der Zentralen Studienberatung der Universität Hildesheim. Die Rückmeldungen fielen sehr positiv aus, „vor allem da über die Anker-Peers eine zentrale studentische Anlaufstation in der Universität existiert“.

Martin Scholz verdeutlicht: „Das niederschwellige Beratungsangebot richtet sich bewusst an alle Studieninteressierten und alle Studierenden.“ Somit vermeide die Uni eine Selektion oder gar Defizitorientierung in der Form von „nur für beruflich qualifizierte Studierende“ oder „nur für Studierende mit Migrationshintergrund“.

Nachdem zunächst acht Studierende als „Anker-Peers“ im Sommer 2013 starteten ist das Team mittlerweile auf zwölf angewachsen. Sie arbeiten als studentische Hilfskräfte und können sich die Schulungen und Tätigkeit als Studienleistungen in allen Studiengängen der Uni Hildesheim anrechnen lassen. Informationsflyer, eine Zusammenarbeit mit dem lokalen Sender Radio Tonkuhle, ein Internetauftritt und Aktionen wir „Rent a Peer“ entstanden. „Dabei können sich Erstsemester einen Anker-Peer ‚leihen‘, sei es um sich an der Uni zurechtzufinden oder um den eigenen Stundenplan zu erstellen, erklärt Martin Scholz. Statt trockener Informationsveranstaltungen bieten die studentischen Berater in Zusammenarbeit mit dem theaterpädagogischen Zentrum Workshops an, um auf spielerischer Weise mit den Jugendlichen über das Studieren an einer Universität ins Gespräch zu kommen. „Die Workshops kommen gut an, da es hier mehr um Motivation und Ermöglichung geht als um Informationen zu einem bestimmten Studienangebot. Eine Teilnehmerin sagte jüngst begeistert: Es ging nur um mich und wie ich zu einem Studium komme und gar nicht so sehr um die Uni“, so Scholz.

Alle studentischen Berater werden regelmäßig geschult, verdeutlicht Scholz. „Sie kennen ihre Grenzen der Beratung. Zunächst klären sie das Anliegen des Ratsuchenden, oft können sie aus eigenen Erfahrungen berichten.“

Julia Bertuleit, Studentin der Sozial- und Organisationspädagogik, ist seit Beginn dabei und ging selbst „nicht krisenfrei“ durch das Studium. „Ich hatte den Gedanken, das Studium abzubrechen. Dass es allgemeine und psychische Beratung an der Universität gibt, habe ich gewusst – aber ich war nicht bereit diese anzunehmen. Ich weiß selber wie es ist, wenn Eltern mit der eigenen Lebenswelt wenig zu tun haben und hier kein Austausch stattfinden kann“, sagt Bertuleit, die als erste in ihrer Familie ein Studium aufnahm. Gerade für junge Menschen, deren Freunde nicht studieren, sei es notwendig, eine Anlaufstelle aufsuchen zu können, die über das Studium informiert und bei der man „Fragen jeglicher Art stellen kann“.

Das Projekt „Uni-APP – das Anker-Peers-Programm“ wurde mit 115.000 Euro vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium gefördert. Seit Anfang 2014 finanziert die Universität die Anker-Peers weiter, so dass die Studienberatung das Programm fortsetzen kann. Nun soll das Angebot externer Veranstaltungen intensiviert werden. Denn wer das Studieren gar nicht als Option für sich sieht und kennt, der wird auch nicht in die Universität kommen, um sich zu informieren, so Studienberater Martin Scholz. „Deswegen wollen wir diese Personen außerhalb der Universität aufsuchen. Aber auch die Öffentlichkeitsarbeit zur Bekanntmachung des Angebotes müssen wir verstärken.“

Studierende und Schüler können Kontakt zu den studentischen Beratern aufnehmen (telefonisch 05121.883-92222, Internetseite der Anker-Peers). Persönlich kann man sie während der Sprechzeiten im Anker-Zentrum (Uni-Hauptcampus H012) erreichen.

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Pressemeldungen Sozial- und Organisationspädagogik Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 ZSB Anker Peers
news-5464 Tue, 09 Oct 2012 18:10:00 +0200 Unterstützungsanker in der Uni: Studierende beraten Studierende Da ist einerseits der Raum, ziemlich gewöhnlich, mit Telefon und Büroausstattung. Und da sind die Studierenden – die „Anker-Peers“. Auf sie wird es ankommen. Die Universität Hildesheim baut ein „Anker-Zentrum“ auf: In jedem Studiengang soll ab 2013 ein studentisches Team Studieninteressierte und Studienanfänger beraten. Schon in den Schulen werden sie Kontakt aufnehmen. Ihr Vorteil: Sie sind etwa gleichalt und können auf Augenhöhe kommunizieren. Nur etwa ein Viertel aller Kinder aus Familien ohne akademische Familientradition schaffen den Sprung an die Hochschule. Traue ich mir ein Studium zu, was muss ich leisten? Wie funktioniert eigentlich eine Universität? Wo liegen meine Stärken? Wie soll ich das Studium finanzieren? Diese Ungewissheiten, sagt Anna-Elise Weiß, tauchen besonders bei Studierenden aus bildungsfernen Elternhäusern auf. „Woher sollen sie auch etwas über die Uni wissen, wenn Eltern und Geschwister kaum von universitären Erfahrungen berichten können?“ Die Studienberaterin der Universität Hildesheim leitet seit Herbst 2012 gemeinsam mit Ulrike Oehme das Projekt „Uni-APP – das Anker-Peers-Programm“. Ihr Ziel: eine höhere und erfolgreiche Bildungsbeteiligung der „Studierenden der ersten Generation“. Also jener, die als erste in ihrer Familie den Schritt in die akademische Ausbildung wagen. Nur etwa ein Viertel aller Kinder aus Familien ohne akademische Familientradition schaffen den Sprung an die Hochschule Dabei unterstreicht das Projektteam: „Wir sprechen mit unserem Beratungsangebot alle Schülerinnen und Schüler an und setzen auf ihre Stärken.“

An guten Beratungsangeboten an Unis und in Berufsbildungszentren mangelt es nicht, sagt Weiß. „Aber diejenigen, die die Beratung besonders benötigen, erreichen die Unterstützungsangebote kaum.“ Woran das liegt? „Die Hemmschwelle beim Zugang zur professionellen Beratung im Komplex Hochschule scheint sehr hoch“, ergänzt Oehme. 

Die Universität Hildesheim baut deshalb ab sofort ein „Anker-Zentrum“ auf. Da ist einerseits der Raum in der Uni. Mit Telefon, Internet und Büroausstattung.

Und da sind die Studierenden – auf sie wird es wesentlich ankommen. Denn sie werden im Sommersemester 2013 in der Studienwahlphase als „Experten“ in die Schulen ausschwärmen. Ihr Pluspunkt gegenüber bestehenden Angeboten zur Studien- und Berufsorientierung? „Sie sind etwa gleichalt, haben den Studieneinstieg gerade selbst erlebt und können auf Augenhöhe Kontakt aufnehmen. Dabei klären sie erste Fragen, die im Zusammenhang mit dem Studium auftreten“, sagt Oehme. Für komplexere Anliegen vermitteln die studentischen Berater an bestehende Beratungsinstitutionen weiter. Zum Beispiel an die Zentrale Studienberatung, und weisen auf die Info-Woche „Abi!…und dann?“, das Schnupper-Studium, Ansprechpartner für Studienfinanzierung und Stipendien hin. Nach der Studieneingangsphase werden sie zu „Ankern“ im Uni-Alltag.

Das Projekt „Uni-APP“ startet mit acht Studierenden als „Anker-Peers“ im Fachbereich 1 Erziehungs- und Sozialwissenschaften. Sie arbeiten als studentische Hilfskräfte und können sich die Schulungen und Tätigkeit als Studienleistungen anrechnen lassen. In den nächsten Wochen entwickeln die Studierenden einen Flyer, ein Logo und eine Internetseite. „Sie werden ihre eigene Sprache dafür finden. Unsere Studierenden wissen am besten, welche Fragen zum Ende der Schulzeit und am  Anfang des Studiums wichtig sind“, sagen Weiß und Oehme und sind gespannt auf die Ideen der Studierenden. Im Sommersemester 2013 kommen weitere acht „Anker-Peers“ hinzu.

Diese universitäre Infrastruktur ist bundesweit etwas Besonderes; ein Team aus ausgebildeten Studierenden baut eine Unterstützungsstruktur für Studieninteressierte und Studienanfänger auf, eben ihre Peergroup. Alle studentischen Berater werden regelmäßig geschult. Denn das sei „der Knackpunkt“, so Anna-Elise Weiß. „Sie müssen ihre Grenzen der Beratung kennen, empathisch sein, Gespräche führen und Fragen stellen können“, beschreibt sie die Anforderungen. „Vor allem müssen die studentischen Berater ein Verständnis von Beratung und Unterstützung erlangen. Nur so können sie als Anker für die Ratsuchenden wirken.“

Das Projekt Uni-APP wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. Das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik und die Zentrale Studienberatung entwickeln es gemeinsam.

Jetzt bewerben und Anker-Peer werden!

Studierende aus dem Fachbereich I können sich noch bis zum 15. Oktober als Anker-Peers bewerben. Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne an Anna-Elise Weiß und Ulrike Oehme von der Zentralen Studienberatung.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozial- und Organisationspädagogik Gleichstellungsbüro ZSB Anker Peers