Feministische Kritik

Feministische Kritik situiert sich im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis, zwischen akademischen und aktivistischen, lokalen und globalen Praxen, zwischen Forschung und Alltag, zwischen institutionellen Bedingungen und Sachthemen. Dabei gehört es zu ihrem Selbstanspruch, die Spannungen zwischen den Polen weder zu beruhigen noch aufzulösen oder durch dichotome Festschreibungen zu umgehen, sondern sie durch ein Aufzeigen der im Spannungsfeld wirksamen Widersprüche aufrecht zu erhalten.

1) Spannungsfeld lokale und globale Praxen: Die Kritik an globalen Herrschaftsverhältnissen steht in einer Spannung zur Beschreibung diverser Ungerechtigkeitserfahrungen, die meist an der Schwelle des Wahrnehmbaren zum Nicht-mehr-Wahrnehmbaren stehen. Wie können Beschreibungen subtiler werden ohne dabei den Blick für Machtverhältnisse zu verlieren? Hierfür muss feministische Beschreibungskunst von verkörperter und atmosphärischer Ungerechtigkeit mit den kritischen Einsichten der postcolonial studies über die Wirksamkeit von globalen Machtkreisläufen verbunden werden. 

2) Spannungsfeld Theorie und Praxis: An der Figur der melancholischen Kritik lässt sich zeigen, wie mit der spezifischen Praxisgebundenheit feministischer Theoriebildung auch bestimmte Anforderungen an die Form der Kritik selbst einhergehen: Damit Melancholie überhaupt einen erkenntnisproduktiven Topos feministischer Kritik zu konstituieren vermag, bedarf es eines epistemischen Ungehorsams und einer Modellierung von Kritik als Praxis, in der Parteilichkeit nicht als ein gegenläufiges, sondern konstitutives Moment von Wahrheit aufgefasst wird.

3) Spannungsfeld institutionelle Bedingungen: Feministische Kritik steht in einem Spannungsverhältnis zu ihren eigenen Institutionalisierungsprozessen. Dies gilt insbesondere für die disziplinierende Macht akademischer Habitusformen. Darüber hinaus werden in feministischen Textproduktionen oft übliche Darstellungsformen unterlaufen oder kritisch variiert. Deshalb werden Praxisformen des Lehrens, Schreibens, Diskutierens und Vortragens kritisch analysiert, in ihren Wirkungen beschrieben und Varianten erprobt.

Mit der internationalen Vortragsreihe „Feminismen: Persönliche Erfahrung und globale Machtkreisläufe“ im Sommersemester 2017 hat das Forschungsfeld „Feministische Kritik“ seine Arbeit aufgenommen und setzt diese in Form von Seminaren, Lektüregruppen, Vortragsveranstaltungen und Tagungen fort. So wird die zweite, transdisziplinäre  Jahrestagung des ZfG im September 2018 unter dem Titel „Figuren feministischer Kritik“ stattfinden. 

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