Feministische Wissenschaftskritik über den Weg des Körpers

Dienstag, 21. September 2021 um 10:38 Uhr

Ein praktischer Workshop mit Sunny Graff

29.11.-30.11.2021 in der Aula der Domäne

Wie hängen Geschlecht, Wissenschaft und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten zusammen?

 

Skizze des Workshops

  1. Anliegen

Wie hängen Geschlecht, Wissenschaft und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten zusammen? Und wie haben sich gesellschaftliche und akademische Machtstrukturen in die Körper von Wissenschaftlerinnen bereits eingeschrieben? Dies sind die beiden Leitfragen, die im Zentrum des geplanten Workshops mit der Kampfkünstlerin Sunny Graff stehen werden.

In der Wissenschaft ist es nach wie vor so, dass Frauen aus unterschiedlichen Gründen und auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen, also Doktorandinnen – Postdocs – Professorinnen, an Grenzen stoßen. So individuell diese Grenzen auch sein mögen, sie sind auch struktureller Natur und damit oft nicht sichtbar. Ihnen liegen Machtverhältnisse und Machtaufteilungen zugrunde, die die Handlungsmöglichkeiten für Frauen in der Wissenschaft einschränken. Diese sind häufig der Grund dafür, dass Frauen ihren wissenschaftlichen Weg abbrechen. Typische Situationen, in denen sich die Wirksamkeit solcher Machtaufteilungen zeigen, sind zum Beispiel:

  • Das Arbeiten in prekären und befristeten Anstellungsverhältnissen
  • Wissenschaftliche Fachkulturen, die ein ausgrenzendes, kompetitives Redeverhalten begünstigen
  • Verhandlungen über Gehälter
  • Verteidigungen oder Bewerbungssituationen
  • Konkurrenz um Forschungsmittel und Forschungsausstattung
  • Vereinbarkeit von wissenschaftlichen Arbeitszeiten mit Familienplanung
  • Ausübung von Autorität
  • Verhandlungen über Forschungsmittel, Ausstattung (finanziell, personell, materiell) einer Professur

All diese unterschiedlichen Gründe stellen uns vor die Herausforderung, feministische Strategien für das wissenschaftliche Leben und Überleben auszubilden. Dies macht es nötig, individuelle Situationen auf ihre Schnittmengen hin zu untersuchen und ein feministisches Gegen-Wissen zu bilden. Dafür reicht es nicht, nur auf der theoretischen Ebene zu bleiben. Denn die Verhaftungen in den Machtverhältnissen eines akademischen Betriebs sind auch „verkörpert“ und über die Anordnung und Verfertigung einer Körperlichkeit verknüpft.

  1. Die Durchführung

Im geplanten Workshop werden wir das Problem in seiner praktisch-theoretischen Verwobenheit thematisieren, indem wir durch die Arbeit über den Körper mögliche Antworten auf und Wissen zu den oben genannten Fragen hervor- und in einen kritischen Dialog mit den Erfahrungen der anderen Workshopteilnehmer*innen bringen. Dadurch kann der Nexus zwischen unseren Möglichkeiten und Formen der Theorieproduktion mit dem vermachteten weiblichen Körper aufgewiesen werden: Wir sind unsere eigenen Ausgangspunkte und wir nehmen an, dass wir der Ort sind, an dem die Ressourcen eines eigenen feministischen Wissens liegen.

Unter der Anleitung der feministischen Selbstverteidigungslehrerin, anti-rassistischen Empowermentlehrerin und Kampfkünstlerin Sunny Graff werden wir

  1. Körperlich arbeiten: Techniken und Übungen aus der Kampfkunst und der feministischen Selbstverteidigung erlernen und ausprobieren. Diese können die uns eingeschriebenen Machtverhältnisse ans Licht bringen. Außerdem bringen sie uns in eine Auseinandersetzung mit unseren inneren Verboten. Daraus kann ein kritisches Wissen über den eigenen Körper entstehen, wodurch wir unsere inneren Potentiale erkennen.
  2. Erfahrung und Wissen ins Verhältnis setzen: Wir werden Erfahrungen im Workshop und aus unserem akademischen Lebensalltag und damit Wissen austauschen, so dass wir im Anschluss an und in Auseinandersetzung mit den körperlichen Übungen ein theoretisch-praktisches bzw. theoretisch-körperliches Wissen bilden, unsere Grenzen erkennen und dadurch transformieren können.

Die Trainerin:

Sunny Graff ist ausgebildete Juristin (vgl. Sunny Graff: Battered Women, Dead Husbands: A Comparative Study of Justification and Excuse in American and West German Law, 10 Loy. L.A. Int'l & Comp. L. Rev. 1 (1988)) und gründete 1985 in Frankfurt den Verein „Frauen in Bewegung“, um die Idee der Selbstverteidigung für Frauen zu fördern (https://fraueninbewegung.de/), vgl. auch Sunny Graff: Mit mir nicht! 3. Auflage. Orlanda Verlag, Berlin 2004. Ihre Arbeit sowie der von ihr gegründete Verein wurden vielfach ausgezeichnet.
 

Veranstalterinnen:

Der Workshop wird von der Arbeitsgruppe „Feministische Kritik“ des Zentrums für Geschlechterforschung der Universität Hildesheim, die derzeit im Institut für Philosophie angesiedelt ist ( https://www.uni-hildesheim.de/zfg/profil/forschungsschwerpunkte/feministische-kritik/) in Zusammenarbeit mit dem Gleichstellungsbüro der Universität Hildesheim veranstaltet.

 

Termin:

Montag, 29.11.2021 von 13.00-17.00 Uhr

Dienstag, 30.11.2021 von 09.00-14.00 Uhr

Anmeldung bis 30.10.2021 bei Ben Steppath (steppath@uni-hildesheim.de)

 

Der Workshop richtet sich an Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, Lehrbeauftragte, Professorinnen der Universität Hildesheim (ca. 15 Teilnehmerinnen möglich)

Nähere Infos unter: https://www.uni-hildesheim.de/media/fb2/philosophie/AK_Feministische_Kritik/Feministische_Wissenschaftskritik_ueber_den_Weg_des_Koerpers-November_2021.pdf