Audio und Video
Gespräche über Männlichkeit
Ein Podcast von und mit Prof. Dr. Toni Tholen
Zunehmend reflektieren immer mehr Männer öffentlich über ihre eigenen Beobachtungen in Bezug auf Wandel und Persistenz von Männlichkeit in der Gesellschaft - auch in der Literatur. An sich ist das Thema nicht neu. Nachdenken über Männlichkeit hat eine lange feministische Tradition, an die die gegenwärtige Männlichkeitenforschung ebenso wie zeitgenössische Autoren anknüpfen, die diese um männliche* Perspektiven ergänzt.
Der Literaturwissenschaftler und Männlichkeitsforscher Prof. Dr. Toni Tholen kommt mit schreibenden Männern ins Gespräch über ihre Bücher, aber auch über eigene Erfahrungen und gesellschaftlich-kulturelle Beobachtungen, die sie als geschlechtersensibilisierte Männer machen. Seit Herbst 2023 findet in Kooperation mit dem Literaturhaus St. Jakobi Hildesheim die Reihe „Gespräche über Männlichkeit“ statt. Zu Gast waren bisher Fikri Anıl Altıntaş, Christian Dittloff, Christan Baron und Linus Giese. Die Gespräche können auf dieser Seite nachgehört werden.
Im Gespräch mit Fikri Anıl Altıntaş
Das erste Gespräch führte Toni Tholen mit dem Autor Fikri Anıl Altıntaş unter anderem über dessen Buch "Im Morgen wächst ein Birnbaum".
Altıntaş ist 1992 in Wetzlar geboren, studierte Politikwissenschaften, Ethnologie und Osteuropastudien in Tübingen, Istanbul und Berlin und arbeitet als politischer Bildner und freier Autor. Er schreibt unter anderem für der Freitag, taz und PINKSTINKS Germany. In seinen Texten, Vorträgen und Workshops, u.a. für den Gropius Bau und das ZDF, beschäftigt er sich mit Männlichkeit und Rollenbildern, Privilegien und der (De)-Konstruktion von nicht-weißen, muslimisch gelesenen Männlichkeiten in Deutschland. Auf Instagram schreibt er unter @_faanil über Rollenbilder, bricht mit Sehgewohnheiten und ist ehrenamtlich als HeForShe Deutschland Botschafter von UN Women Deutschland aktiv.
Im “Gespräch über Männlichkeit” im Literaturhaus war er mit seinem Debüt „Im Morgen wächst ein Birnbaum“ (btb-Verlag) zu Gast und erinnerte sich an sein Aufwachsen in einer hessischen Kleinstadt als Sohn türkischer Eltern. Radikal ehrlich blickt er auf sich und seine Familiengeschichte zurück, um die Gegenwart besser zu verstehen.
Die Veranstaltung im Literaturhaus St. Jakobi finden Sie hier.
Foto Altıntaş: Benjamin Zibner
Foto Tholen: Stiftung Universität Hildesheim
Im Gespräch mit Christian Dittloff
Das zweite Gespräch führte Toni Tholen mit Christian Dittloff über dessen Buch "Prägung. Nachdenken über Männlichkeit". Darin verbindet Dittloff eigene Erfahrungen, Reflexionen über persönliche Vorbilder und Popkultur sowie philosophische Betrachtungen zu einem literarischen Spiel der Selbsterkundung. In einer inneren Archäologie untersucht er seine Kindheit und Jugend auf patriarchale Bruchstücke und versucht, diese aufzulösen. Der Text ist ein innerer Denkmalsturz gewaltvoller Vorbilder – vom Klassenbully über den Rockstar bis zum genialen Künstler – und zugleich ein kraftvolles Manifest, sich ein Leben lang verändern zu wollen.
Die Veranstaltung im Literaturhaus St. Jakobi finden Sie hier.
Foto Dittloff: Rebecca Kraemer
Foto Tholen: Stiftung Universität Hildesheim
Im Gespräch mit Christian Baron
In ihrer vierten Ausgabe behandeln die Gespräche über Männlichkeit das Thema Klasse. Dieses Thema ist zentral im Werk von Christian Baron. In seinem kürzlich verfilmten Debüt „Ein Mann seiner Klasse“ (Classen) beschreibt er das Aufwachsen in Armut, geprägt durch den trinkenden und prügelnden Vater. Die kindlichen Erinnerungen werden durch die klassismuskritischen Einordnungen des Erwachsenen ergänzt und so zum emanzipatorischen Momentum für den eigenen Blick auf den Vater. Sein zweiter Roman „Schön ist die Nacht“ behandelt die gesellschaftliche Verortung der beiden männlichen Protagonisten im Deutschland der 70er Jahre. Auch hier ist Klasse ein zentrales Thema.
Als Autor und Journalist liegt Barons Stärke in der Beschreibung, ohne sie ihrer Mehrdimensionalität zu berauben. Ein behutsamer und gnädiger Blick, der die Taten seiner Protagonisten aber nie verschleiert.
Die Veranstaltung im Literaturhaus St. Jakobi finden Sie hier.
Foto Baron: Hans Scherhaufer
Foto Tholen: Stiftung Universität Hildesheim
Im Gespräch mit Linus Giese
Linus Giese hat seine Transition zum Mann literarisch aufbereitet. Sein Debüt „Ich bin Linus“ (Rowohlt) hat ihn über Nacht als queeren Autoren bekannt gemacht.
Zuletzt hat er für den Kjona-Verlag einen der „Briefe an die kommende Generation“ geschrieben. Unter dem Titel „Lieber Jonas oder der Wunsch nach Selbstbestimmung“ schreibt der Journalist, Übersetzer und Buchhändler an einen Jungen, der ihm im echten Leben nur kurz begegnet ist. Inspiriert von seinen Fragen, berichtet Giese vom Zauber, das erste Mal den eigenen, selbstgewählten Namen zu hören. Und davon, wie er nach seinem Outing erstmal unbedingt der männlichste Mann aller Männer werden wollte.
Die Veranstaltung im Literaturhaus St. Jakobi finden Sie hier.
Foto Giese: Sophia Emmerich
Foto Tholen: Stiftung Universität Hildesheim
-
Professor Dr. Toni TholenLübecker Str. 3, 31141 HildesheimBC.LN.2.14Mo, 14.30 - 15.30 Uhr+49 5121 883 30112
-
Zentrum für Geschlechterforschung