Rückblick Ideenschmiede #1: Methodischer Austausch

Die Hildesheimer Diversitäts- und Migrationsforschung wird  nicht nur durch eine große Bandbreite an Disziplinen getragen, damit einher geht auch ein großer Pool an Methodenkompetenz. Neben den klassischen quantitativen und qualitativen Zugängen arbeiten Hildesheimer Forschende auch mit experimentellen, partizipativen und künstlerischen Forschungsdesigns. 

Im Rahmen einer Ideenschmiede hat das ZBI am 2. September 2025 zu einem Methodischen Austausch eingeladen. Im Anschluss an ein akademisches Speeddating zu den Forschungsschwerpunkten und methodischen Präferenzen der Anwesenden folgte eine angeregte Diskussion zu unterschiedlichen Forschungsparadigmen. Anhand eines Inputs zu empirisch-analytischer Forschung, die auf Grundlage von Individualdaten nach Repräsentativität und Generalisierbarkeit der Forschungsbefunde strebt, erörterten die Teilnehmenden grundsätzliche Herausforderungen der Fragebogengestaltung und damit verbundenen Kategorienbildung, insbesondere im Bildungsmonitoring. Wie lassen sich individuelle Merkmale, die auf eine Migrationsbiographie verweisen, sinnvoll erheben, welche Vor- und Nachteile sind mit der Bildung von Gruppen etwa durch die Eigenschaft eines „Migrationshintergrunds“, der Staatsangehörigkeit oder des Geburtslandes der Eltern verbunden? Und vor allem: welche Effekte ergeben sich aus diesen so festgelegten Gruppenzugehörigkeiten für die Bildungsteilhabe? Welche Bruttoeffekte ergeben sich gegebenenfalls aus soziostrukturellen, ökonomischen oder sprachbezogenen Effekten, wie kommen diese zustande und inwiefern lassen sich Diskriminierungseffekte identifizieren?

Abseits dieser methodologischen und konzeptionellen Fragen stand auch ein Praxis-orientierter Aspekt im Fokus des Austauschs: die Rolle von Sprache in Interviewsituationen. Während es in der Erstellung und Übersetzung von Fragebögen ein Repertoire von Best Practice gibt, kann sich in der qualitativen Forschung der Zugang zu Interviewpartner*innen bzw. kompetenten Sprachmittler*innen als Herausforderung darstellen. Aus sprachwissenschaftlicher Forschung ist die aktive Rolle von Dolmetschenden bekannt. Die Erfahrungen der Hildesheimer Wissenschaftler*innen zeigt jedoch, dass sich teilweise fehlende Professionalität oder Kenntnisse in bestimmten Forschungsfeldern, aber auch die Intervention und Färbung des Gesagten durch  Übersetzer*innen als problematisch darstellen können. Die Teilnehmenden berichteten zudem von unterschiedlichen Reaktionen der Interviewten auf die Sprachmittlung in teilweise sehr persönlichen Interviewthemen. Inwiefern der Einsatz von Künstlicher Intelligenz für die Übersetzung in Interviewsituationen ein  gangbarer Weg (besonders mit Blick auf den Datenschutz) wäre, bildete den Abschluss der Diskussion.

An diesen methodischen Austausch, gerade hinsichtlich der Rolle von Sprache, schließt nahtlos die zweite ZBI-Ideenschmiede an: Sie behandelt Mehrsprachigkeit als Querschnittthema.

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