Vielstimmig: Die Welt der Töne

Freitag, 21. November 2014 um 20:04 Uhr

Wir sollten kulturelle Vielfalt in der musikalischen Bildung ernst nehmen. In Wohnzimmern, Stadtteilen und Schulen gibt es mehr Klänge als Klavier, Gitarre und Flöte. Warum weiß die Gesellschaft die musikalische Vielfalt nicht mehr zu schätzen? Musik kann Menschen aus unterschiedlichen Ländern verbinden – wie das geht, lernen Lehrer, Erzieher und Musiker an der Hildesheimer Universität. Die Stiftung Niedersachsen unterstützt das Programm. Beim Tag der Hausmusik zeigen Studierende, was in der Vielfalt steckt, kombinieren zum Beispiel Geige und Santur.

Nicht nur sprachlich, auch musikalisch tut sich Einiges auf unseren Schulhöfen. Die musikalische Vielfalt werde bisher aber zu wenig beachtet, sagt Dr. Gesa Schönermark von der Stiftung Niedersachsen. „Mit der und durch die Musik können wir viele Brücken bauen und Chancen eröffnen. Daher werden wir Menschen fördern, die neue Wege gehen", so Schönermark.

Die Stiftung Niedersachsen unterstützt mit 100.000 Euro den zweiten Jahrgang des berufsbegleitenden Studienprogramms am Center for World Music an der Universität Hildesheim: In dem auf zwei Jahre angelegten Weiterbildungsstudiengang lernen je Jahrgang etwa 30 Berufstätige, wie sie die musikalische Vielfalt in ihrer Arbeit in Schulen, Kitas, Stadtteilen und Jugendzentren aufgreifen können. Sie lernen, wie sie eine Grundhaltung fördern können, die geprägt ist vom Respekt jeder Musik gegenüber. Einige der 20- bis 60-jährigen Studenten haben türkische, iranische, marokkanische und russische Wurzeln.

„Man kann auch musikalisch mehrsprachig leben", sagt der Musikethnologe Professor Raimund Vogels. Unter den Studierenden sind Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen, Musiker, Tontechniker und Polizisten. Sie lernen im Studium ein Instrument zu spielen, das nicht aus dem eigenen Kulturkreis stammt. So arbeitet sich eine 56-Jährige Bratschistin in Tonalitäten und Rhythmen der persischen Kniegeige, Kamancheh, ein und ein 53-jähriger Musikschulleiter aus Stade spielt seit dem Studium das türkische Zupfinstrument Baglama. „Musik ist eine emotionale Kraft – sie kann Verständigung fördern aber auch trennend wirken und wird in Konflikten eingesetzt. Musik läuft nicht nur nebenher", sagt Vogels. Der Kanon in Schulen sei „auf europäische Instrumente und wenige Werke reduziert". Das Studienprogramm soll dies ändern, Multiplikatoren ausbilden und interkulturelle Musikprojekte vor Ort entwickeln.

Tag der Hausmusik

Am Samstag, 22. November 2014, feiert Niedersachsen den Tag der Hausmusik. Die Landesmusikakademie Niedersachsen und der Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung" der Stiftungsuniversität Hildesheim gestalten diesen Tag interkulturell und laden Interessierte in die Villa Seeliger in Wolfenbüttel ein. Von 12:00 Uhr bis 17:00 Uhr gibt es Konzerte, Gespräche und Führungen. Die erklingende Hausmusik ist kulturell vielfältig und reicht von türkischen über persische bis zu westafrikanischen Klängen. Zuhörer können wenig bekannte Instrumente und deren typischen Einsatz kennenlernen. Wer seine Stimme oder sein Lieblingsinstrument im Gepäck mitbringt, ist für einen spontanen hausmusikalischen Beitrag herzlich willkommen. Der Tag ist Teil der landesweiten Aktion „Heimvorteil" von Musikland Niedersachen (www.heimvorteil-niedersachsen.de).

Lesetipp: Handlungsempfehlungen zu Musik, Vielfalt und Integration

Fachleute haben Handlungsempfehlungen erarbeitet, wie die Musikpolitik in Deutschland stärker als bisher an der UNESCO Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen ausgerichtet werden sollte. Die Experten fordern unter anderem, die Lehramtsausbildung um interkulturelle Schwerpunkte als verpflichtende Bestandteile zu erweitern und die Musiklehrerausbildung um das Erlernen einer „fremden“ musikkulturellen Sprache zu ergänzen. In allen Feldern des Musiklebens sind Haltungen erforderlich, „die von Respekt jeder Musik gegenüber geprägt sind“.

„Musik.Vielfalt.Integration – Zeit zu handeln“ (PDF)


Die Musikpolitik in Deutschland sollte stärker als bisher auf die UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt reagieren. Fachleute unter anderem der Universität Hildesheim haben Handlungsempfehlungen erarbeitet. Lehramtsstudenten im Fach Musik sollten eine „fremde“ musikkulturelle Sprache erlernen. Im Center for World Music ist das Alltag: Musikwelt-Studierende arbeiten sich in unbekannte Rhythmen und Tonalitäten von Ba?lama, Balalaika und Mbira ein. Fotos: musikwelt

Die Musikpolitik in Deutschland sollte stärker als bisher auf die UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt reagieren. Fachleute unter anderem der Universität Hildesheim haben Handlungsempfehlungen erarbeitet. Lehramtsstudenten im Fach Musik sollten eine Die Musikpolitik in Deutschland sollte stärker als bisher auf die UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt reagieren. Fachleute unter anderem der Universität Hildesheim haben Handlungsempfehlungen erarbeitet. Lehramtsstudenten im Fach Musik sollten eine „fremde“ musikkulturelle Sprache erlernen. Im Center for World Music ist das Alltag: Musikwelt-Studierende arbeiten sich in unbekannte Rhythmen und Tonalitäten von Ba?lama, Balalaika und Mbira ein. Fotos: musikwelt

Die Musikpolitik in Deutschland sollte stärker als bisher auf die UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt reagieren. Fachleute unter anderem der Universität Hildesheim haben Handlungsempfehlungen erarbeitet. Lehramtsstudenten im Fach Musik sollten eine „fremde“ musikkulturelle Sprache erlernen. Im Center for World Music ist das Alltag: Musikwelt-Studierende arbeiten sich in unbekannte Rhythmen und Tonalitäten von Ba?lama, Balalaika und Mbira ein. Fotos: musikwelt