Migrationspolitik

Projekte: Forschung & Praxis

Zukunft für Geflüchtete in ländlichen Regionen Deutschlands – Lokale Integrationspolitik und deren Unterstützung durch Land, Bund und EU

gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des Bundesprogramms ländliche Entwicklung (BuLE)

Laufzeit: Januar 2018 bis Dezember 2020

Projektteam (SUH): Prof. Dr. Hannes Schammann, Christin Younso, Taskia Schwerdtfeger

Migrations- und Integrationsforschung in Deutschland war bislang überwiegend auf Großstädte ausgerichtet. Durch die Flüchtlingsentwicklung seit 2014 sehen sich jedoch auch Kleinstädte und Dörfer in ländlichen Räumen verstärkt mit Flüchtlingshilfe- und Integrationsaufgaben konfrontiert. Dabei variieren die Reaktionen von kurzfristig orientierter Nothilfe bis hin zu langfristig angelegter Integrationspolitik. Von einigen Kommunen und Landkreisen in ländlichen Regionen wird die flüchtlingsbedingte Zuwanderung nicht ausschließlich als humanitäre Aufgabe, sondern auch als Entwicklungschance im Kontext von Abwanderung, Alterung und Fachkräftemangel gesehen. Empirisch fundierte Antworten auf die Frage, unter welchen Voraussetzungen und wie humanitäres Engagement und ländliche Entwicklung erfolgreich verbunden werden können und wie dies von Politik und Zivilgesellschaft positiv beeinflusst werden kann, fehlen jedoch bislang. Das Verbundprojekt„Zukunft für Geflüchtete in ländlichen Regionen Deutschlands“ wird diese Forschungsfrageintensiv und vergleichend in ländlichen Landkreisen in den Bundesländern Bayern, Hessen, Niedersachsen und Sachsen untersuchen. Dabei werden vier zentrale Integrationsdimensionen unterschieden: Integrationspotenziale ländlicher Räume in Deutschland (Teilprojekt (TP) 1), die Sichtweise der Geflüchteten (TP 2), die lokale Integrationspolitik und deren Unterstützung durch Land, Bund und EU (TP 3) und schließlich die Rolle des zivilgesellschaftlichen Engagements und der Einstellung der Aufnahmegesellschaft (TP 4). 

Insgesamt sind neben den sekundärstatistischen Analysen 336 Interviews im Rahmen von mündlichen Befragungen, zwei schriftliche Befragungen mit einem erwarteten Rücklauf von über 1.000 Befragten sowie 8-16 Fokusgruppengespräche mit etwa 150 Beteiligten geplant. Die einzelnen Teilprojekte bauen dabei teilweise aufeinander auf bzw. greifen ineinander.

Teilprojekt 3 - Lokale Integrationspolitik und deren Unterstützung durch Land, Bund und EU

Teilprojekt 3 verfolgt das Ziel, den Beitrag politischer Maßnahmen zur Steigerung der Teilhabechancen von Geflüchteten und zur Entwicklung ländlicher Räume herauszuarbeiten. Dies umfasst die Entstehung und den Inhalt lokaler Integrationskonzepte bzw. -indizes ebenso wie die Nutzung von Spielräumen im Verwaltungshandeln, die Aufgabenverteilung auf kommunaler Ebene und die Frage nach prägenden Akteuren oder Einzelpersönlichkeiten. Hinzu kommen mögliche Verschränkungen mit anderen Politikfeldern (insb. ländliche Entwicklungspolitik) sowie die Frage nach der Passgenauigkeit von übergeordneten policies, also von rechtlichen Regelungen und Fördermaßnahmen der Länder, des Bundes und der Europäischen Union. Ein weiterer Baustein, der zum Verständnis von lokaler Integrationspolitik beiträgt, ist die Frage nach den Möglichkeiten von politischer Partizipation Geflüchteter in den Untersuchungskommunen. Welche integrationspolitischen Maßnahmen haben Einfluss auf die Gestaltung politischer Partizipation von Geflüchteten? Welche unterschiedlichen oder ähnlichen Erscheinungsformen politischer Teilhabe lassen sich in den ländlichen Regionen nachweisen?

Aus diesem Forschungsvorhaben ergeben sich somit folgende drei Arbeitspakete:

- Arbeitspaket 3.1: Aufarbeitung des internationalen Forschungsstandes zu Integrations- und Flüchtlingspolitik auf lokaler Ebene;

- Arbeitspaket 3.2: Qualitative Untersuchung von politischer Steuerung, Verwaltungshandeln und Kooperationsstrukturen in den ausgewählten Regionen;

- Arbeitspaket 3.3: Untersuchung der Relevanz, Akzeptanz und Wirkung von Fördermaßnahmen (Land, Bund, EU) in den ausgewählten Regionen;

Die Forschungsprojektgruppe der Universität Hildesheim ist zuständig für die Untersuchungseinheiten (Landkreise) im Bundesland Hessen. Weitere Untersuchungseinheiten liegen in den Bundesländern Bayern, Niedersachsen und Sachsen. Diese werden jeweils von einem anderen Projektpartner*in des Verbundprojektes betreut.

Zu den Aufgaben des Teilprojekt 3 gehören: die Auswahl der Untersuchungseinheiten in Hessen, die Organisation und Durchführung der empirischen Erhebungen in Hessen und die Funktion Ansprechpartner*in für Kooperationspartner*innen in den Kommunen vor Ort zu sein.

 

Zwei Welten? Integrationspolitik in Stadt und Land

gefördert durch die Robert-Bosch-Stiftung

Laufzeit: September 2017 bis September 2019

Projektteam (SUH): Prof. Dr. Hannes Schammann, Sandra Müller, Sonja Reinhold

Wie unterscheiden sich integrationspolitische Strukturen in Stadt und Land? Wie lassen sich Unterschiede in der institutionellen Struktur von Integrationspolitik erklären? Lässt sich seit der erhöhten Zuwanderung in den Jahren 2015 und 2016 ein institutioneller Wandel erkennen? Was können städtische und ländliche Kommunen mit Blick auf ihre Integrationspolitik voneinander lernen? Diesen Forschungsfragen widmen sich Wissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) unter der Leitung von Prof. Dr. Petra Bendel (Erlangen) und Prof. Dr. Hannes Schammann (Hildesheim). Eine qualitative Analyse integrationspolitischer Strukturen von rund einhundert Kommunen im gesamten Bundesgebiet ermöglicht es, Fragen hinsichtlich der Institutionalisierung kommunaler Integrationspolitik mit dem Fokus auf spezifische Stadt-Land-Themen zu beantworten. Das Projekt strebt insbesondere einen Vergleich von strukturschwachen und strukturstarken Kommunen in ländlichen wie in städtischen Gebieten an.

 

When Mayors Make Migration Policy

The Impact of Transnational Cities’ Networks on EU Migration Policies

gefördert durch die Stiftung Mercator

Projektteam (SUH): Prof. Dr. Hannes Schammann, Christiane Heimann

This innovative academic project evaluates the impact of transnational cities’ networks on European migration policies and develops guidelines in cooperation with politicians and practitioners to strengthen their work in the European multi-level governance system. To this end, the activities of formal and informal transnational cities’ networks are examined. A special focus is placed on the EUROCITIES network, from which the movement of Solidarity Cities originated. This movement aims at demonstrating cities’ political leadership in light of integration and relocation challenges within the European Union. Besides, the EUROCITIES build the Council of European Municipalities and Regions, which is the European umbrella organisation of municipal associations in the member states. This study analyses both network activities and strategies of individual network members, such as Athens (Greece), Barcelona (Spain), Essen (Germany), Gdansk (Poland), Ghent (Belgium), Leeds (United Kingdom), Ljubljana (Slovenia) and Palermo (Italy). A mixed-methods approach is applied, combining the analysis of policy documents and expert interviews. The latter include interviews with experts of the EUROCITIES network as well as the local and the EU level. The guiding research question of this study is: How can local bottom-up agenda setting address the current migration governance crisis of the European Union in a transnational way? Hence, the aim of the project is threefold. Firstly, it offers insights into the strategies the different cities pursue and the transnational relations they use in accordance to their interests. Secondly, it evaluates the mechanisms initiated by the municipal associations with regard to their specific target. Thirdly, guidelines are developed in cooperation with politicians and practitioners and published in policy briefs, which are presented in a final meeting in Brussels. Due to the current brisance of this topic, its highly innovative perspective on the making of EU migration policies and the lack of research in this area, this project will set a milestone in understanding the role and power of municipal associations in a newly unfolding sphere of European multi-level migration governance.