Franziska Schmidt

Franziska Schmidt

#4 Stimmen zur Wissenschaftskommunikation

In unserem vierten Video der Reihe „Stimmen zur Wissenschaftskommunikation“ kommen gleich zwei Stimmen zu Wort: Dr. Lisa Rhein ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Germanistische Linguistik der Technischen Universität Darmstadt und Dr. Sina Lautenschläger ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fakultät für Humanwissenschaften im Bereich Germanistik an der Universität Magdeburg tätig. Beide forschen aktuell in dem Projekt „Zwischen Elfenbeinturm und rauer See – zum prekären Verhältnis zwischen Wissenschaft und Politik und seiner Mediatisierung am Beispiel der Corona-Krise“.

Die beiden Wissenschaftlerinnen beziehen sich in ihrem Video insbesondere auf Aspekte ihrer im Rahmen des Projektes durchgeführten linguistischen Studie, in der anhand massenmedial präsenter Wissenschaftler:innen wie Christian Drosten, Melanie Brinkmann und Hendrik Streeck überindividuelle sprachliche Muster aufgedeckt werden, die sich mit den Leitlinien guter Wissenschaftskommunikation decken.

Sina Lautenschläger hebt hervor, dass bei der Zielgruppenorientierung nicht nur die jeweilige Zielgruppe, sondern auch die medienlogischen Bedürfnisse der Journalist:innen und Moderator:innen eine Rolle spielen. Kommunizierende Forschende müssen sich also in ihrem Diskurs an die entsprechende kommunikative Situation anpassen, um spezifische Erwartungen erfüllen zu können. Ein Beispiel sind Polit-Talkshows, in denen neben der fachlichen Positionierung auch die Meinung als Privatperson von Interesse ist. „Man muss also nicht nur die Zielgruppe als solche bedenken, sondern auch reflektieren, mit und über wen man diese Zielgruppe eigentlich erreicht“.

Wichtig ist also, die Rollenkonstellation zu beachten, da die kommunikativen Ziele der Kommunikationspartner:innen von den eigenen abweichen können. Zu diesem Zwecke sollte zunächst eine Auseinandersetzung mit der eigenen sprachlichen Positionierung stattfinden, um zu verstehen, welche Unterschiede in der Wirkung sprachlicher Äußerungen bestehen – beispielsweise, wenn eine Positionierung aus virologischer oder persönlicher Sicht stattfindet.

Aber auch para- und nonverbale Elemente spielen eine Rolle bei der Kommunikation. So nennt Lisa Rhein insbesondere Sachlichkeit, kontrollierte Gestik und Mimik sowie eine ruhige, aufrechte Sitzposition als relevante Faktoren, um Expertenschaft und Autorität zu konstruieren und somit Vertrauenswürdigkeit zu erzeugen. Psychologischen Studien zufolge beruht Vertrauen auf den drei Säulen Expertise, Integrität und Wohlwollen, die sich ebenfalls in der Kommunikation zum Ausdruck bringen lassen. Bedeutend ist dafür auch ein konstruktiver, offener Umgang mit Nichtwissen innerhalb der Wissenschaft, der Transparenz schafft und das Vertrauen stärken kann.

Die im Rahmen des Projektes untersuchten Virolog:innen stellen ihre epistemische Autorität auf verschiedene Weise her: So weisen die untersuchten Wissenschaftler:innen sowohl auf die Prinzipien und Werte des wissenschaftlichen Arbeitens sowie auf die Prozesshaftigkeit von Forschung hin. Weiterhin findet häufig eine Verortung in einem Kollektiv oder System wie beispielsweise in einer Fachgruppe statt. „Ungeklärt sind die Fragen: Was soll kommuniziert werden, […] in welcher Kommunikationsform, in welchen Medien kann und muss die Wissensvermittlung geschehen und welcher Komplexitätsgrad muss eingehalten werden“. Beantworten lassen sich diese Fragen nur individuell und mit Blick auf die Zielgruppe – denn deren Empathie, also Bereitschaft und Fähigkeit, sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen, spielt für eine gelungene Kommunikation eine wichtige Rolle.

Unsere Videoreihe wird in regelmäßigen Abständen veröffentlicht. Eine Übersicht der Videos ist im Reiter Wissenschaftskommunikation zu finden. Reinschauen und mitdiskutieren – Wissenschaft funktioniert nur im Dialog!

Publikationen im Rahmen des Projektes:

Lautenschläger, Sina; Rhein, Lisa (2022, in Dr.): Kommunikative (Fehl)Leistungen: (In)Transparenz in Wissenschaft und Politik. Erscheint in: Klimczak, Peter; Newiak, Denis (Hrsg.): Corona und die „anderen“ Wissenschaften. Interdisziplinäre Lehren aus der Pandemie. Springer Vieweg, Reihe ars digitalis.

Lautenschläger, Sina; Rhein, Lisa (2022, in Dr.): Der geordnete Rückzug. Sprachliche Grenzziehungen von Virolog*innen in Polit-Talkshows. In: Zeitschrift für Angewandte Linguistik, 1/2022.

Lautenschläger, Sina; Rhein, Lisa (2022, in Vorbereitung): Wissenschaftskommunikation im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Medien: zur Aushandlung von Gesprächsnormen in Pressekonferenzen und Polit-Talkshows. In: Fachsprache. Journal of Professional and Scientific Communication. Erscheint voraussichtlich in Heft 1-2/2022.

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