Hannah Mitera

Hannah Mitera

Wissenschaftskommunikation erklärt

In unserem Projekt dreht sich alles um das Thema Wissenschaftskommunikation. So sprechen in der aktuellen Reihe „Stimmen zur Wissenschaftskommunikation“ verschiedene Akteur:innen darüber, was gute Wissenschaftskommunikation für sie ausmacht und welche Faktoren sie mitbringen sollte. Dazu zählen zum Beispiel Zielgruppenorientierung, Transparenz oder die Wiederholung komplexer Inhalte. Der Begriff der Wissenschaftskommunikation selbst bleibt dabei jedoch, wie so oft, abstrakt. Um eine bessere Orientierung zu bieten und Verständnis für den Begriff zu schaffen, möchte ich diesen anhand verschiedener Beispiele charakterisieren.

Zunächst ist dabei zu bestimmen, was alles zu Wissenschaftskommunikation zählt. Ein wissenschaftliches Paper zu einer Studie? Ein Vortrag auf einer Fachtagung? Ein Blogbeitrag auf der Webseite einer Wissenschaftlerin? Ein Erklärvideo auf YouTube? Ein Imagefilm eines Instituts? Ein Science Slam in einer Bar? Ein Stand zu einer Projektvorstellung in einem Einkaufszentrum? Ein einordnender Kommentar eines Journalisten auf Twitter? Eine Diskussion über neue Erfindungen beim Abendessen?

Theoretisch handelt es sich bei all diesen Beispielen um Wissenschaftskommunikation, denn dieses Feld umfasst die Forschung der gesamten Kommunikation zur Wissenschaft. Dies gilt unabhängig davon, welche Personen an der Kommunikation beteiligt sind und unter welchen Rahmenbedingungen sie stattfindet. Die Beispiele zeigen nur einige Möglichkeiten von Wissenschaftskommunikation; deutlich wird aber, dass die Kommunikation auf verschiedenen Ebenen stattfinden kann. Zunächst besteht die Möglichkeit, über das System der Wissenschaft zu kommunizieren. Dies wäre beispielsweise über ein Erklärvideo auf YouTube möglich, das den Prozess der Aufstellung und Überprüfung von Hypothesen in der Wissenschaft erklärt und zeigt, wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert und Erkenntnisse generiert werden. So kann das Wissenschaftssystem als solches verständlich präsentiert werden. Auf detaillierterer Ebene könnten etwa in einem Imagefilm die Leistungen und Aufgaben eines Instituts dargestellt werden. Dieser kann zur Legitimation der Einrichtung dienen, indem ihr Zweck und Nutzen für die Gesamtbevölkerung dargestellt werden. Häufig findet Wissenschaftskommunikation aber auch auf einer noch konkreteren Ebene statt, beispielsweise über einen individuellen Blog, auf dem über den Forschungsstand und aktuelle Zwischenergebnisse eines Forschungsprojektes informiert wird. So können einzelne Wissenschaftler:innen wissenschaftsferneren Personen ihre tägliche Arbeit näherbringen und abstrakte Abläufe an einem konkreten Beispiel erklären, um Transparenz und Verständnis zu schaffen.

Neben den unterschiedlichen Ebenen, auf denen Wissenschaftskommunikation stattfinden kann, können mit ihr auch verschiedene Funktionen erfüllt werden, die ebenfalls anhand der genannten Beispiele deutlich werden. So dient das Erklärvideo eher dem allgemeinen Aufklären über wissenschaftliche Prozesse, während der Imagefilm die Einrichtung legitimiert und zur Vertrauensgewinnung eingesetzt werden kann. Über Blogeinträge kann das jeweilige Forschungsthema wiederum stärker in das gesellschaftliche Bewusstsein gerückt werden. Darüber hinaus werden Lösungen für aktuelle Probleme entwickelt und kommuniziert. Eine weitere Funktion von Wissenschaftskommunikation ist der Austausch von Konzepten und Erfahrungen, wie er zum Beispiel auf Fach- oder Bürger:innentagungen stattfindet. Über Info-Stände an öffentlich zugänglichen Orten kann ein niedrigschwelliger Zugang zu wissenschaftlichen Quellen vermittelt werden; Diskussionen auf Twitter können eingesetzt werden, um Interessierte zu vernetzen und bereits bestehende Potenziale auszuschöpfen. Zuletzt können kreative Formate wie etwa ein Science Slam die Funktion erfüllen, Nachwuchs für die Wissenschaft zu interessieren, der in weiterführenden Programmen gefördert werden kann.

Einzelne Formate können natürlich auch mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen, dennoch sind die unterschiedlichen Formate für verschiedene Zwecke nicht gleichermaßen geeignet. Das beste Format für ein bestimmtes Ziel hängt auch davon ab, welche Zielgruppe erreicht werden soll. Je nach Ebene, Funktion und Zielgruppe unterscheidet sich Wissenschaftskommunikation also, sodass eine allumfassende Definition schwierig ist. Für die Bevölkerung entstehen durch die vielfältigen Umsetzungsmöglichkeiten von Wissenschaftskommunikation gleichzeitig aber auch viele mögliche Berührungspunkte. Interessierte können sich daher das Format aussuchen, das ihnen Wissenschaft in der gewünschten Form präsentiert und den Kanal auswählen, der am meisten den eigenen Bedürfnissen entspricht. Welche Kanäle dazu in Frage kommen und was dabei beachtet werden muss, stellen wir zeitnah auf unserem Blog vor.

Weitere Informationen:

Bonfadelli, H., Fähnrich, B., Lüthje, C., Milde, J., Rhomberg, M. & Schäfer, M. (2017). Das Forschungsfeld Wissenschaftskommunikation. In H. Bonfadelli, B. Fähnrich, C. Lüthje, J. Milde, M. Rhomberg & M. Schäfer (Hrsg.), Forschungsfeld Wissenschaftskommunikation (S. 3–14). Wiesbaden: Springer VS.

Dernbach, B., Kleiner, C. & Münder, H. (2012). Einleitung: Die drei Ebenen der Wissenschaftskommunikation. In B. Dernbach, C. Kleinert & H. Münder (Hrsg.), Handbuch Wissenschaftskommunikation (S. 1–15). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Krause, H. (2016). Was ist Wissenschaftskommunikation? Zugriff am 27.10.2021 auf https://blogs.helmholtz.de/augenspiegel/2016/03/was-ist-wissenschaftskommunikation/

Schäfer, M., Kristiansen, S. & Bonfadelli, H. (2015). Wissenschaftskommunikation im Wandel: Relevanz, Entwicklung und Herausforderungen des Forschungsfeldes. In M. Schäfer, S. Kristiansen & H. Bonfadelli (Hrsg.), Wissenschaftskommunikation im Wandel (S. 10–43). Köln: Herbert von Halem.

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