Franziska Schmidt

Franziska Schmidt

Open Science & Krisenkommunikation: Tagungsbeiträge als Podcast

Was für ein Erfolg für unseren Zukunftsdiskurs WInCO: Vier Beiträge unserer InFoCoP-Tagung wurden am vergangenen Wochenende vom Deutschlandfunk Nova im Podcast Hörsaal ausgestrahlt und sind nun in zwei Podcast-Folgen öffentlich zugänglich.

In der Folge Offenere Wissenschaft durch die Pandemie vom 02.10.2021 hören wir zunächst Claudia Frick zu den Herausforderungen von Open Science: Welche Probleme und welche Chancen gehen mit der Tatsache einher, dass interne Wissenschaftsprozesse insbesondere im Rahmen der Coronapandemie extern sichtbar werden und geworden sind? Was muss beachtet werden, wenn Wissenschaft offener wird? Krisen beeinflussen unseren Bedarf sowie den Umgang mit und die Kommunikation von Informationen. Als Beispiel nennt die Professorin der TH Köln die Veröffentlichung von Preprints in den Medien – einem wissenschaftsinternen Kommunikat, das für viele Diskussionen gesorgt hat, weil seine Bedeutung zwar unter Wissenschaftler:innen, nicht jedoch innerhalb der Zivilgesellschaft bekannt ist/war. Fazit: Es gibt noch viel zu tun, denn gute Wissenschaftskommunikation findet im Dialog und unter Partizipation statt.

Die Open-Access-Folien von Claudia Frick zu ihrem Vortrag „Wenn interne Wissenschaftskommunikation extern sichtbar wird – Herausforderungen und Potenziale“ gibt es hier: https://zenodo.org/record/5048299#.YVsV4JpByUk

Während Claudia Frick vor allem die Perspektive der Wissenschaft beleuchtet, setzt Stefan Dreisiebner in seinem Vortrag zum Informationsverhalten in der Krise den Fokus auf die Rezipierenden von Wissenschaftskommunikation. In diesem zweiten Teil der Podcast-Folge erläutert der Grazer Informationswissenschaftler anhand einer Studie, dass Krisen wie die Coronapandemie ein verstärktes Bedürfnis nach Informationen und damit auch einen erhöhten Konsum von informationsvermittelnden Medien auslösen, die intensive Informationsvermittlung aber auch ein Gefühl des Information Overload auslösen kann. Er legt außerdem dar, dass klassische Medien zwar vermehrt zur Informationsbeschaffung genutzt wurden; gleichzeitig hat jedoch auch die Verbreitung von Falschinformationen zugenommen – ein Phänomen, das durch den Begriff „Infodemie“ beschrieben werden kann. Kriterien für die Informationsauswahl waren u. a. die Verlässlichkeit der Informationen und die journalistische Qualität. Die Analyse des veränderten Medienverhaltens liefert wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Wissenschaftskommunikation.

Die Studie von Stefan Dreisiebner, Sophie März und Thomas Mandl mit dem Titel „Informationsverhalten während Krisen. Mediennutzung, Zufriedenheit mit der Informationsversorgung und Umgang mit Fake News während der Covid-19-Pandemie im deutschsprachigen Raum“ ist wurde sowohl auf Englisch (https://arxiv.org/abs/2007.13833) als auch auf Deutsch (https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/iwp-2020-2135/pdf) veröffentlicht.

In der Folge Hypothese: Fake News fördern die Ausbreitung von Covid-19 vom 03.10.2021 wird eine andere Gefahr der Coronapandemie in den Fokus gerückt: Fehlinformationen und Verschwörungstheorien. Tim A. Majchrzak von der Universitetet i Agder in Norwegen bringt es auf den Punkt: „Es verbreitet sich nicht nur ein Virus weiter, sondern es verbreiten sich auch Informationen weiter.“ Er unterscheidet dabei zwischen Desinformation (intentionale Verbreitung) und Fehlinformation (Verbreitung durch Unwissen, Ignoranz o. Ä.) und weist auf die Gefahren hin, die damit einhergehen: Ängste, Unzufriedenheit, fehlerhafte Ausführung oder Ignoranz der medizinischen Empfehlungen. Auf Basis der Arbeit professioneller Factchecker soll die Studie dabei helfen zu verstehen, wie und über welche Konten Fehlinformationen in den sozialen Medien (insb. Twitter) verbreitet werden.

Der Link zu der explorativen Studie „An Exploratory Study of COVID-19 Misinformation on Twitter“ von Tim A. Majchrzak, Gautam Kishore Shahi und Anne Dirkson ist folgender: https://arxiv.org/abs/2005.05710

Im zweiten Teil der Folge referiert Katharina Christ über ihre Work-in-Progress-Erkenntnisse zu Verschwörungsmythen, die in Form von Videos verbreitet werden. Die Medienwissenschaftlerin der Universität Trier, die aktuell an ihrer Dissertation arbeitet, beschäftigt sich in ihrer Analyse insbesondere mit Glaubwürdigkeitsmarkern wie der Selbstdarstellung von ‚Expert:innen‘, der Anlehnung an Wortwahl, Routinen, Bilder etc. aus klassischen Medien, der Netzwerkdarstellung sowie multimodaler Muster. Ihr Video-Korpus umfasst sowohl typische YouTube-Videos im Talking-Head- und Screencast-Format als auch das Nachrichten- und Interview-Format klassischer Medien. Die Mixed-Methods-Studie wird durch eine Wirkungsstudie (standardisierter Online-Fragebogen, Video-Ausschnitte, Leitfadeninterviews, Debriefing) ergänzt, in der unter anderem Items zur Mediennutzung, Vertrauen in Medien und Verschwörungsmentalität abgefragt wurde.

#Wisskomm at its finest: Reinhören lohnt sich!

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