Franziska Schmidt

Franziska Schmidt

Ein Hoch auf die WissKomm – Wissenschaftskommunikation hoch drei

Was für ein Erfolg für die #WissKomm: Die VolkswagenStiftung fördert vier Zentren für Wissenschaftskommunikationsforschung mit ingesamt 15 Mio. Euro. Die Konsortien, deren Antrag auf die Ausschreibung „Wissenschaftskommunikation hoch drei – Zentren für Wissenschaftskommunikationsforschung“ bewilligt wurde, sind München, Kiel, Tübingen sowie der Verbund Dortmund, Essen, Bonn. Der mathematische Bezug im Titel der Ausschreibung spielt auf die Qualität von Wissenschaftskommunikation an, deren Relevanz besonders in der Corona-Pandemie deutlich geworden ist: So sollen für Forschungsfragen der Wissenschaftskommunikation (mindestens) drei verschiedene Perspektiven beleuchtet werden, um die Qualität von Wissenschaftskommunikation zu „potenzieren“.

 

Der Hintergrund ist klar: Zum einen hat Wissenschaft die Verantwortung, ihre Befunde der Öffentlichkeit – insbesondere in Krisenzeiten – zugänglich zu machen und verständlich aufzubereiten, zum anderen werden – wie auch Claudia Frick von der TH Köln auf unserer InFoCoP-Tagung deutlich machte – interne wissenschaftliche Kommunikationsprozesse immer häufiger auch extern sichtbar. Häufig wird dabei Wissen vorausgesetzt, das von der Wissenschaft nicht transparent kommuniziert wurde; darunter zum Beispiel die Dynamik und Relevanz von widersprüchlichen Ergebnissen und Streit-Diskursen. Folglich lassen sich in der Coronakrise unter anderem mangelndes Vertrauen in die Wissenschaft, sinkende Mediennutzung durch Informationsüberflutung und beunruhigende Vorgänge in Bezug auf Falschinformationen und Verschwörungstheorien beobachten.

 

Um nun den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft in all seinen Facetten und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie das Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken, sollen die Wirkung von Wissenschaftskommunikation an den vier auserwählten Standorten in Deutschland tiefgründiger erforscht und im Austausch mit den Zielgruppen wissenschaftsbasierte Qualitätsstandards erstellt werden. Der Förderzeitraum beträgt dabei zunächst fünf Jahre und kann um maximal drei Jahre verlängert werden. Voraussetzung für die Bewilligung war die Zusage einer Hochschule, die neu etablierten Zentren auch über den Förderzeitraum hinaus dauerhaft zu unterstützen und so eine langfristige Auseinandersetzung mit dem Thema zu gewährleisten. Die vier bewilligten Projekte konzentrieren sich dabei auf unterschiedliche Schwerpunkte:

 

In dem Münchener Konsortium „Communicating Planetary Health: The Munich Science Communication Lab“ soll die Zusammenarbeit von Expert:innen aus den Bereichen der Gesundheits- und Klimaforschung gefördert werden, um innovative Modelle für Wissenschaftskommunikation in Bezug auf global relevante Herausforderungen zu entwickeln. Im hohen Norden liegt der Fokus auf der visuellen Wissenschaftskommunikation: „Evolving Visualizations for Evolving Health – The Kiel Science Communication Network“ vereint Know-how aus den Gesundheitswissenschaften und der Medizin mit Medien- und Informationsdesign, um Visualisierungen zu erproben, die das Informationsbedürfnis verschiedener Zielgruppen erfüllen. Im „Rhine-Ruhr Centre for Science Communication Research“ geht es vor allem um die bereits erwähnten internen Prozesse des Wissenschaftssystems selbst: Wie gelingt die Vermittlung über die Rolle der Forschenden, der wissenschaftlichen Prozesse und des wissenschaftlichen Publizierens, damit sich die Öffentlichkeit aktiver in den Diskurs einbringen kann? Im vierten Zentrum, dem Tübinger „Center for Rhetorical Science Communication Research on Artificial Intelligence“, wird der Fokus auf dem Spannungsfeld von Faszination und Skepsis in Bezug auf Künstliche Intelligenz sowie der Auseinandersetzung mit den gegensätzlichen Interessen und Emotionen aus rhetorischer Perspektive liegen.

 

Wir freuen uns sehr, dass das Thema Wissenschaftskommunikation neben kleineren Projekten wie unserem WInCO-Projekt auch im größeren Rahmen Aufmerksamkeit zunehmend erhält und hoffen, dass dies erst der Anfang ist – denn gute, zukunftsorientiere Wissenschaftskommunikation ist ein wichtiger Baustein für einen informierten, langfristigen Austausch aller Beteiligten auf Augenhöhe.

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