Antrittsvorlesung von Frau PD Dr. Anke Graneß im Rahmen ihrer Habilitation

Freitag, 10. Juni 2022 um 15:00 Uhr

- Fachbereich 2: Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation -

Wo? Kulturcampus Domäne Marienburg, Aula, Raum 50/302

Wann? ab 15:00 Uhr

Thema: Philosophie zwischen Dekolonisierung und Wissenschaftsfreiheit

Referent*in: PD Dr. Anke Graneß

Info: Philosophie als Disziplin fängt gerade erst an, sich den Herausforderungen einer zunehmend globalisierten Welt und der damit verbundenen unvermeidlichen und schwierigen Aufgabe einer Dekolonisierung zu stellen – und tut sich sichtbar schwer damit. Denn in der Kritik steht nicht nur der Ausschluss von philosophischen Traditionen aus anderen Regionen der Welt aus der Geschichte der Philosophie ebenso wie den Debatten der Gegenwart, sondern ganz grundsätzlich die mit philosophischen Theorien verbundenen Ansprüche auf Wahrheit und universelle Gültigkeit. Damit bedeutet eine Dekolonisierung der Philosophie und ihrer Geschichte nicht einfach eine Erweiterung um Theorien und Konzepte aus anderen Regionen, sondern geht an den Kern des philosophischen Geschäfts: die Überprüfung des epistemischen Rahmens der philosophischen Tätigkeit und ihrer Produkte auf tief verankerte Zentrismen, Rassismen und Sexismus. Kann dann Philosophie heute noch unbeschwert mit einem Staunen beginnen – ohne sich um die eigene Verankerung in Machtstrukturen zu kümmern? Darf man sich heute noch ausschließlich mit europäischen oder nordamerikanischen (männlichen) Philosophen beschäftigen? Kann heute mit einem Anspruch auf Wissenschaftsfreiheit Kant gelehrt werden, ohne über dessen Sexismus zu sprechen? Und nicht zuletzt: Wer darf an der Erforschung und Interpretation von (außereuropäischen) philosophischen Traditionen und Konzepten teilnehmen? Im Mittelpunkt des Vortrags stehen Machtstrukturen und Asymmetrien in philosophischen Diskursen und akademischen Institutionen – und damit wissenschaftsethische Fragen einer Dekolonisierung der Akademie.