Jahreshauptversammlung 2017: Uni-Gesellschaft fördert Uni mit Geld und Preisen

Wiebke Hiemesch stellt den Mitgliedern ihr Forschungsprojekt „ Kindheit im KZ“ vor. (Fotos: tH)
Dr. Rainer Hermeling: „Warum ist eigentlich heute alles digital?“

(tH) „Die Bürgergesellschaft unterstützt ihre Universität“. Mit diesem Ziel haben sich rund 300 Hildesheimerinnen und Hildesheimer in der Universitätsgesellschaft zusammengeschlossen. Bei der Jahreshauptversammlung berichtete Vorsitzender Dr. Rainer Hermeling, was im Einzelnen getan wurde.

Über 13.000 Euro flossen in wissenschaftliche oder künstlerische Projekte. Mit je 1.000 Euro waren die Preise der Universitätsgesellschaft dotiert, mit denen Prof. Dr. Kristian Folta-Schoofs sowie Jan Hellwig und Willfried Beck ausgezeichnet wurden. Sie hatten sich in besonderer Weise für Bildung und Wissenschaft in der Region Hildesheim engagiert. Eine, deren Bachelor-Arbeit die Universitätsgesellschaft prämierte und deren Forschungsvorhaben sie förderte, die inzwischen promovierte Wiebke Hiemesch, schilderte den Mitgliedern, wie sie mit ihrer Hilfe ihre Dissertation „Kinder im Konzentrationslager Ravensbrück“ zum Abschluss bringen konnte.

Für das nächste Geschäftsjahr stehen ähnlich hohe Förderansätze im Wirtschaftsplan. Außerdem zeichnet die Universitätsgesellschaft wieder die beste Bachelor- und Master-Arbeit sowie die beste Dissertation aus. Mit Blick auf das Jahr 2018 bereitet der Vorstand die Feier des 40-jährigen Bestehens der Universitätsgesellschaft und des 15-jährigen Bestehens der Stiftung Universität Hildesheim vor.

Deren Präsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich berichtete über die positive Entwicklung der Hochschule, die mit konstant 1.500 Neuaufnahmen zu Beginn des Wintersemesters etwa 8.500 Studierende haben wird. Für sie engagieren sich rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 85 Professorinnen und Professoren. Friedrich beklagte die vielen befristeten Arbeitsverhältnisse. Sie entstünden durch eine chronische Unterfinanzierung der Universität durch das Land. Auf der anderen Seite stimmte das Land dem Vorhaben der Universität zu, am Liebfrauenkirchplatz für 18 Millionen Euro eine neue Mensa zu bauen. 2020 soll sie eröffnet werden. Das Schulmuseum soll – mit finanzieller Unterstützung der Volksbank Hildesheim-Lehrte-Pattensen – 2018 vom Kulturcampus in die Volkshochschule umziehen.

Sehr erfolgreich entwickele sich das Institut für Psychologie mit inzwischen acht Professoren, „ebenso vielen wie in Braunschweig und Göttingen“. Stark nachgefragt werden auch die Studiengänge der angewandten Informatik und die Studienvariante Data Analytics, „eine Riesenchance für Arbeitsplätze in der Region“.

Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung beantwortete Dr. Rainer Hermeling in einer öffentlichen Vortragsveranstaltung die Frage „Warum ist eigentlich heute alles digital?“ Er zeigte, wie durch den Technologiesprung und Übergang von der Elektronikröhre zum Halbleiterschaltelement eine rasante Entwicklung zu einer kostengünstigen Massenfertigung von Elektroniksystemen möglich wurde. Die drastische Verkleinerung der elektronischen Bauelemente und vor allem die schnell fortschreitende Integration einer Vielzahl von Schaltelementen in einem Gehäuse löste eine nahezu lawinenartige technische Innovation aus. Etwa alle 18 Monate verdoppelte sich die Leistung der Mikroelektronik. Inzwischen enthalten Smartphones beispielsweise unvorstellbare 200 Milliarden Schaltzellen – im Vergleich zu „nur“ etwa 86 Milliarden Neuronen des menschlichen Gehirns; einer der Gründe für die so erfolgreich fortschreitende technische Informationsverarbeitung.

Hermeling erwartet im nächsten Jahrzehnt eine „Metamorphose der Menschheit“ infolge der Technologiesteigerung zur „Cyberkybernetik“, was nichts weniger bedeute als eine revolutionäre Veränderung der Mensch-Maschine-Verhältnisse. Die Beherrschung der digitalen Technologien beantworte die Frage „Wem gehört die Zukunft unserer Welt“.

Die Sorge Hermelings, dass die Moral der Menschheit langsamer wachse als ihre Fähigkeit zur technischen Informationsverarbeitung, leitete zu einer regen Diskussion seines Referates über.