Auf einen Tee mit Professor Dr. Martin Schreiner

Auf einen Tee mit Professor Dr. Martin Schreiner – Ein Vorgespräch zur diesjährigen Weihnachtsvorlesung

Begrüßt einen Professor Dr. Martin Schreiner in seinem Büro, kocht er sofort Wasser auf, fragt, welche Sorte Tee man heute trinken möchte, und entschuldigt sich zugleich für die nicht funktionierende Heizung im W-Gebäude. Auf vier habe er sie gestellt, aber sie komme nicht so recht an gegen den Frost der vergangenen Nacht. Schreiner zündet eine Kerze an, schwärmt von seinem neuen Sencha, setzt den Tee auf und stellt einen Timer. Wir setzen uns gegenüber an den runden Tisch in der Mitte des Büros.  Gemütlich ist es hier und durchwohnt, mit Regalen an jeder Wand, Büchern, die sich auf Tischen und Stühlen stapeln, mit tiefen Fenstern und viel Holz, Pflanzen und Bildern an den Wänden.

„Die kommende ist meine letzte Weihnachtsvorlesung“, beginnt Schreiner, während wir beide den Sencha würdigen: erdig und doch frisch, so gar nicht weihnachtlich, schwer und würzig. Initiiert wurde die Vorlesung von Schreiner 2011. „Das ist neben dem Science-Slam eines meiner Babys“, ergänzt er. Verschiedene Redner*innen aus diversen Fachbereichen haben in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, im letzten Jahr Maike Gunsilius zum Thema „Ein Kind! Bilder und Erzählungen von Kindheit in Theater und Gesellschaft.“ Vor seinem Ruhestand im September 2026 will Schreiner die Vorlesung noch einmal selber halten.

Weihnachtsfest und Weihnachtsfreude sind schon etwas Besonderes und Zauberhaftes. Weihnachten, so Schreiner, ist Kinder- und Kindheitsfest, Familienfest und Bescherfest. „Jeder begegnet sich und seinem Kindsein, seinen Erinnerungen, mit all seinen Bräuchen, Traditionen und Symbolen. Wie Kinder gelehrte und gelebte christliche Religion wahrnehmen und leben, welche religionsspezifischen Narrative in ihren Köpfen entstehen und wie sie nach und nach religiös mündig werden, sei unter anderem Inhalt seiner religionspädagogischen Forschungen.“

In seiner diesjährigen Weihnachtsvorlesung geht es ihm auch um den theologischen Kern der Weihnachtsbotschaft: „Jesus und seine Geburt sind zugleich in zweierlei Hinsicht anstößig. Einerseits wird Gott Mensch und das in Gestalt eines hilflosen Säuglings. Das ist eine anstößige Botschaft, skandalös geradezu. Das Heil der Welt soll in einem kleinen Kind liegen und doch wissen wir: Es gibt keine heile Welt, es gibt nur eine zu heilende Welt. Daran erinnert uns Jesu Geburt. Wir können menschlicher werden, wenn wir die Weihnachtsbotschaft ernst nehmen. Und auch das ist anstößig – im Sinne eines Anstoßes: die Aufforderung, der Impuls, die Erinnerung, stetig Menschlichkeit walten zu lassen.“

Für Schreiner gehört seit den 1990er-Jahren der Perspektivwechsel in der Religionspädagogik weg von einer reinen Hermeneutik der Vermittlung nach dem Modell des Nürnberger Trichters hin zu einer Hermeneutik der Aneignung untrennbar zu seinem Konzept Theologisieren mit Kindern und Jugendlichen dazu. Kinder sind nicht nur Philosophinnen und Philosophen, sondern auch Theologinnen und Theologen. Ihre Perspektiven- oder „Skripte“, wie Schreiner sie nennt - in die Religionspädagogik aufzunehmen, ist von großer Bedeutung für Religionslehrkräfte, aber auch für kirchliche Mitarbeitende. Religion und Bildung gehören zusammen: „Bildung ohne Religion ist unvollständig und Religion ohne Bildung ist gefährlich.“

Sitzt man bei Professor Dr. Schreiner im Büro, schenkt er einem immer Tee nach und bietet Schokolade an, man verliert sich leicht in angeregten Gesprächen. Aber zu viel vorwegnehmen wolle er nicht, beharrt Schreiner, sonst komme ja niemand mehr zur Vorlesung.

Wir laden Sie herzlich zur Weihnachtsvorlesung am 03. Dezember 2025 um 18 Uhr im Forum im Hörsaal 4 am Hauptcampus ein. In diesem Jahr spricht Prof. Dr. Martin Schreiner zum Thema: „Der Zauber von Weihnachten. Kindertheologische Überlegungen für jedes Alter.“ Musikalisch begleitet wird der Abend vom Universitätsblasorchester. Im Anschluss klingt die Veranstaltung bei winterlichen Getränken aus. Wir freuen uns auf Ihr Kommen und auf einen stimmungsvollen, bereichernden, inspirierenden Abend!

Wir bedanken uns bei Professor Dr. Martin Schreiner für Verpflegung, geheizte Räumlichkeiten und das zugewandte Gespräch. Das Interview führte Stella Withenius im Auftrag des Friend- & Fundraisings der Universität Hildesheim.

Auch in diesem Jahr können Sie für den Sozialfonds spenden. Ob unerwartete Mehrkosten, Verzögerungen bei staatlicher Unterstützung oder persönliche Notfälle – finanzielle Krisen können Studierende unverschuldet in existenzielle Bedrängnis bringen. Seit 2005 unterstützt der Sozialfonds der Stiftung Universität Hildesheim Studierende in akuten finanziellen Notlagen – schnell, direkt und solidarisch.