Weihnachtsvorlesung 2025
Begrüßt werden die Anwesenden von Markus F. Langer, Leiter des Friend- & Fundraisings der Stiftung Universität Hildesheim. Er verweist auf die 14-jährige Geschichte der Vorlesungsreihe, die sich jedes Jahr einem neuen weihnachtlichen Thema widmet. „Die Reihe untersucht Weihnachten, seine Rituale und die damit verknüpften kulturellen Bedeutungen aus einer wissenschaftlichen Perspektive“, so Langer. „Gleichzeitig wollen wir jedes Jahr aufs Neue Momente der Gemeinschaft, Leichtigkeit und eine gewisse Festlichkeit schaffen.“
Initiiert wurde die Vorlesungsreihe vom diesjährigen Referenten selbst: dem Theologen Professor Dr. Martin Schreiner. Bevor er im September 2026 in den Ruhestand geht, möchte Schreiner die Weihnachtsvorlesung ein letztes Mal persönlich halten. In diesem Jahr widmet er sich dem theologischen Kern der Weihnachtsbotschaft. Weihnachten, erklärt Schreiner, sei ein Familien-, zuvorderst aber ein Kindheitsfest.
Gleich zu Beginn wird dabei deutlich, dass diese Festlichkeiten auch Belastungen mit sich bringen können. „Was verbinden Sie mit dem Stichwort: Der Stress von Weihnachten?“, fragt Schreiner und bittet das Publikum, an einer digitalen Live-Umfrage teilzunehmen. Parallel erscheinen auf der Leinwand die gesammelten Sorgen und Belastungsfaktoren rund um die besinnlichste Zeit des Jahres. In der Mitte prangt das Wort „Familie“. Überraschung? Nicht wirklich – da schmunzeln die Zuhörer*innen.
Trotzdem stimmt Schreiners Vortrag versöhnlich: Weihnachten ist nicht nur Stress, sondern auch Zauber und Besinnlichkeit. „Was ist die Kernbotschaft von Weihnachten?“, hakt er nach und zieht kindliche Nacherzählungen der Weihnachtsgeschichte heran, um diesen Kern herauszuarbeiten. „Kinder“, weiß Schreiner, „sind nicht nur Philosophinnen und Philosophen, sondern auch Theologinnen und Theologen.“
Anhand dieser Nacherzählungen zeigt Schreiner, wie biblische Geschichten auf ihre Essenz reduziert werden können: Herbergssuche, Kindsgeburt, ein Stall, frohe Kunde, die heiligen drei Könige. Gewichtungen variieren, der Ausgang bleibt meist gleich. „Alle Nacherzählungen enden in der Krippe“, resümiert Schreiner.
Es sei von großer Bedeutung, solche kindlichen Narrative – oder, wie Schreiner sie nennt, „Skripte“ – in Theologie und Religionspädagogik aufzunehmen. Sie zeigen, dass Kinder selbstständig theologisieren, entwerfen, weiterentwickeln und anpassen.
Aber was ist denn nun die Kernbotschaft von Weihnachten? Vielleicht liegt sie gerade in der Empathie, die Kinder gegenüber den Protagonist*innen biblischer Erzählungen zeigen, indem sie Fragen stellen: Wo schlafen Maria und Josef? Wie kommt das Kind zur Welt? Warum sind sie nicht zuhause? Sind sie auf der Flucht und wenn ja, wovor? Es sind diese Fragen, die uns daran erinnern, stets Menschlichkeit walten zu lassen.
Vielen Dank an das Universitätsblasorchester für die wunderbare musikalische Begleitung sowie an Professor Dr. Martin Schreiner für den bereichernden Vortrag.