Zwischen bunten Beten und gelbem Zucchino – Was wächst denn da am Campus
Donnerstag, 10. Juli 2025 – 14:50 Uhr
Es nieselt leicht um acht Uhr morgens, als die ersten Studierenden am Acker hinter dem Samelsoncampus eintrudeln. Anja Holland ist schon da. Sie ist Acker-Coach und begleitet das Seminar voller Begeisterung. Der Übungsacker ist mit einem rustikalen Staketenzaun eingegrenzt, das Feldstück in ordentliche Reihen aufgeteilt, zwischen denen unterschiedliches Gemüse auf Sonnenschein wartet: Gelbe Zucchini, Bunte Beten, Mangold, Tomaten, Gurken, und viele weitere. Der Rucola ist schon geschossen – seine Samen werden am Ende der Saison abgeerntet und im nächsten Jahr wieder ausgesät. Holland begrüßt die ersten Studierenden gut gelaunt. „Ich bin schonmal durch den Garten gegangen. Ihr habt wirklich gute Arbeit geleistet!“. Die Studierenden des Seminars „Fächerübergreifende Projekte im Sachunterricht – Schwerpunkt Ackerdemie” treffen sich jeden Mittwoch von acht bis zehn Uhr. Dann besprechen sie auch, wer montags und freitags am Acker vorbeigeht, um nach dem Gemüse zu sehen und zu gießen.
Das, was hier am frühen Morgen geschieht, ist Teil eines größeren Projektes. Die Universität Hildesheim ist die erste Universität Niedersachsens, die sich am Hochschulprogramm CampusAckerdemie von Acker e.V. beteiligt. Die CampusAckerdemie ist ein Bildungsprogramm, das Studierenden des Sachunterrichts praxisnahe Einblicke in die nachhaltige Landwirtschaft ermöglicht. Initiiert wurde das Projekt vom Institut für Grundschuldidaktik und Sachunterricht. Das Green Office unterstützte bei der Umsetzung.
Beikraut ist Beikraut und Unkraut ist Unkraut?
In einer kurzen Begrüßungsrunde klären die Studierenden mit Holland, was zu tun ist. Das Beikraut, auch als Unkraut bekannt, soll entfernt werden. Während sich die Studierenden an die Arbeit machen, erzählt Seminarleiterin Dr. Isabel Grollmus: „Trotz der frühen Uhrzeit wird das Seminar gut angenommen. Wir kombinieren Theorie und Praxis – So lernen die Studierenden, wie sie später selber Themen wie Gemüseanbau oder ökologische Landwirtschaft im Schulunterricht umsetzen können.“ Die Ernte teilen die Studierenden unter sich auf. Schon während der Arbeit überlegen sie, wer später einen Zucchino mit nach Hause nehmen kann.
Kräutersalz und Gemüse aus dem Garten
„Der Prozess ist krass, vor allem, dass alles so gut wächst, auch ganz ohne Dünger“, sagt Grundschullehramts-Student Melih und Kommilitonin Anthi stimmt zu: „Ja und man sieht ja, den Pflanzen geht’s gut, die sind voll im Wachsen.“ In der vorherigen Woche haben die Studierenden mit Holland ein Kräutersalz selber gemacht – aus Wildkräutern von der Wiese – und damit den ersten Kohlrabi probiert. Auch jetzt steht wieder eine Kostprobe an: Gelbe und Rote Beete im Vergleich. Die Studierenden teilen ihre Geschmacksassoziationen: Wie Kohlrabi, etwas süßlich, knackig.
„Schulgartenarbeit hat eine lange Tradition im Sachunterricht“, betont auch Institutsleiterin Prof. Dr. Katrin Hauenschild,. „Mit der CampusAckerdemie wollen wir die Bildung für nachhaltige Entwicklung strukturell im Lehramtsstudium verankern.“
Als die Studierenden mit ihrer reichen Ernte in die nächsten Seminare weiterziehen, hat sich auch der Himmel geklärt und die Sonne scheint warm auf den Uni-Acker: Bald werden auch die Tomaten reif sein.
Gefördert wird das Projekt durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung, Sparkasse Hildesheim Goslar Peine und Stammelbach. Das proTeam Himmelsthür unterstützte bei der Vorbereitung und Anlage des Ackers.
Mehr zur Campusackerdemie gibt es hier.