Upcycling, Antidiskriminierung, generationsübergreifendes Verständnis: das SOP-Projektsemester stellt seine Arbeiten vor

Mittwoch, 11. Mai 2022 um 12:00 Uhr

Das Projektsemester der Sozial- und Organisationspädagogik ist seit fünf Jahren ein fester Bestandteil im Bachelor-Studium. Heute sind die Studierenden zu Gast beim Landkreis Hildesheim und stellten dort ihre sozialen Projekte vor, die sie innerhalb eines Semesters erarbeitet haben. Hierfür kooperierten die Studierenden des 3. Fachsemesters mit Praxispartner*innen aus der Region.

Für die Gruppe des Projekts "FairPlay" steht das Empowerment junger Mädchen und Frauen im Fokus. Grafik: Privat

Mit dem Projektsemester haben die Studierenden die Möglichkeit, die im Studium vermittelten theoretischen Kenntnisse in der Praxis umzusetzen. „Über ein Semester können sie sich mit Inhalten aus dem SOP-Studium auf eine besonders projektorientierte Weise auseinandersetzen und ihre eigenen Ideen anschließend in der Praxis umsetzen. Sie werden dabei stets wissenschaftlich begleitet und lernen so, ihre Projekte selbstständig zu reflektieren und weiterzuentwickeln“, sagt Dr. Carolin Oppermann, Mitarbeiterin im Institut für Sozial- und Organisationspädagogik und Mentorin im Team des Projektsemesters.

Für das Projektsemester wird eine berufstypische Aufgabe aus dem Bereich der Sozial- und Organisationspädagogik ausgewählt und zusammen mit Kooperationspartner*innen aus der Region, darunter Träger sozialer Dienstleistungen, bearbeitet. Die Projekte, die in Kleingruppen von fünf bis sechs Personen umgesetzt werden, wurden im 2. Fachsemester im Frühjahr 2021 entwickelt. Die Planungen sind anschließend im Herbst 2021 konkretisiert und im Frühjahr 2022 umgesetzt worden. So starteten der Projektauftakt und die damit verbundenen Mentor*innen-Treffen zunächst in Präsenz und gingen in einer späteren Phase in ein Online-Begleitungs-Format über.

Bedingt durch die Pandemie war von den Studierenden besondere Flexibilität gefordert, die sich insbesondere auf die Projektentwicklung und -durchführung als eine wichtige Kompetenz herausstellte. „Hinsichtlich der Corona-Situation war eine der großen Herausforderungen, dass die Studierenden sehr flexibel und schnell auf die jeweiligen Bestimmungen reagieren mussten. Es war dabei nicht immer planbar, unter welchen Regelungen die Treffen stattfinden konnten und welche Maßnahmen zwischen Projektgruppe und Praxispartner*in notwendig waren“, so Oppermann. „Dabei ist mir jedoch aufgefallen, wie kreativ und reflektiert die Studierenden diese Situationen gemeistert haben. Die Projekte sind trotz der Herausforderungen auch in diesem Jahr thematisch wieder sehr vielfältig und in enger Absprache mit den Mentor*innen entstanden. Im Vordergrund steht die enge Verzahnung zwischen der Theorie aus der Universität und der Praxis - denn universitäres Lernen braucht einen Austausch mit der Praxis.“

Das Projektsemester fördert nicht nur die inhaltliche Auseinandersetzung und Einarbeitung in ein Handlungs- und Themenfeld der Sozial- und Organisationspädagogik. Neben der Projektorganisation in Form von Planung und Durchführung wird auch die Teamkompetenz gestärkt und der Umgang mit ungeplanten Entwicklungen.

 

Drei Projekte – drei unterschiedliche Ansätze

Unter den in diesem Jahr vorgestellten Projekten ist das generationsübergreifende Projekt „Unite- Jung und Alt“ von Fenja Beelte, Rieke Bieber, Emma Marleen Röhner, Mauritz Stellmacher, Lina Theis und Anna-Lena Werner, welches sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 25 Jahren sowie Senior*innen ab 60 Jahren richtet. „Das Projekt gestaltetet sich als eine generationsübergreifende Begegnung zwischen der jüngeren und älteren Generation“, sagt Emma Marleen Röhner. „Mit den Einheiten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft haben wir zwei Projekttage im Mehrgenerationenhaus sOfA in Algermissen gestaltet und sind über Themen wie Geschichte, Klimawandel und die Pandemie ins Gespräch gekommen. Im gemeinsamen Austausch haben wir Vorurteile gegenüber der jeweils anderen Generation besprochen und Gemeinsamkeiten herausgestellt. Ziel des generationsübergreifenden Projektes war es, die Situation von älteren und jüngeren Menschen zu schildern, ihnen Gehör zu verschaffen und eine Brücke zu der jeweils fremden Generation zu bauen, um ein tiefgreifendes gegenseitiges Verständnis zu entwickeln.“ Die Idee für das Projekt entstand aus den Themen heraus, welche das vergangene Jahr beeinflusste, darunter die Pandemie, die Wahlen und einen damit verbundenen möglichen Generationenkonflikt. „In unserem privaten Umfeld sind wir immer wieder auf Vorurteile gegenüber der älteren Generation gestoßen“, sagt Röhner. „Es zeigt sich, dass ein bloßer Kontakt zu älteren Menschen nicht genügt, um eine positive Haltung zur jeweils anderen Generation zu erzeugen – es bedarf einer emotionalen Beziehung zu einem Menschen der anderen Generation, um übergeordnet nachhaltig das Bild der Generation positiv zu gestalten.“ Das Projekt „Unite- Jung und Alt“ setzt hier an und regt auf einer emotionalen Basis den Kontakt und Dialog zwischen den Generationen an.

Das Projekt „FairPlay“ von Hanna Barner, Kira Dröse, Lara Danelutti, Lilith Wegler und Selma Zverotic thematisiert die Diskriminierung von jungen Frauen in der Gesellschaft. „Junge Frauen erfahren noch immer eine Reihe von Benachteiligungen, mit denen Gleichaltrige des männlichen Geschlechts sich nicht auseinandersetzen müssen. Insbesondere Kinder und Jugendliche, welche in stationären Einrichtungen der Erziehung aufwachsen, stellen eine besonders vulnerable Gruppe dar“, sagt Lara Alessia Danelutti. „Ziel des Projekts war es, die uns anvertrauten Mädchen in ihren Lebensrealitäten als mehrfachbelastete junge Frauen aufzufangen, sie zu empowern und ihnen Methoden des Copings an die Hand zu geben, die genau auf die Probleme zugeschnitten sind, die sie aktuell beschäftigen. In einem zweiten Teil des Projektes haben wir das Erlebte und Erlernte anschließend in Form eines Kunstprojektes nachhaltig mit den Mädchen festgehalten. Unser Projekt konnten wir in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendhilfe Organisation St. Ansgar umsetzen.“ Die Anregung für das Projekt lieferten zwei Problemstellungen: eine doppelte Benachteiligung von Mädchen und jungen Frauen in stationären Hilfen zur Erziehung, welche sich aufgrund ihres Aufwachsens in stationären Hilfen der Erziehung und ihrer gesellschaftlichen Benachteiligung aufgrund ihres Geschlechts ergibt sowie die eigenen Erfahrungen der Projektgruppe im Hinblick auf die Auswirkungen von Sexismus. „Mit FairPlay sagen wir der Diskriminierung unseren Kampf an - denn sie sorgt für ungleiche Bedingungen im „Spiel des Lebens“. Wir stehen und kämpfen für intersektionalen Feminismus und für Chancengleichheit“, so Danelutti.

Im Projekt „Upcycle your life“ thematisieren Laura Ahlborn, Kaja Jeremies, Ilker Ciftcioglu, Alisa Kovacevic, Jelena Hoffmann und Florentine Wendt ökologische Nachhaltigkeit. „Innerhalb der Seminarwoche, welche sowohl mit Studierenden der Universität als auch FSJler*innen unseres Praxispartners, der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) durchgeführt wurde, haben wir darauf Bezug genommen, wie man eine nachhaltige Lebensweise in den eigenen Alltag integrieren kann. Mülltrennung, Stromverbrauch und nachhaltiges Kochen sind nur einige Aspekte, die in dieser Woche behandelt wurden“, sagt Florentine Wendt. „Speziell sollte aber das Upcycling von alten oder kaputten Gegenständen sowie das Verwerten von Dingen, die sonst nur entsorgt würden, im Fokus stehen.“ Die Idee entstand im Kontext des Einführungstags des Projektsemesters an der Universität Hildesheim. „Grundlage hierfür war ein Seminar, welches im vorherigen Semester angeboten wurde. Hier ging es um die Bildung einer nachhaltigen Entwicklung. Jedoch fehlte die Verknüpfung zwischen der Theorie und praktischen Aktivitäten“, so Wendt. „Um eine nachhaltige Vermittlung des Themas zu gewährleisten, sind wir als Gruppe der Meinung gewesen, dass es unabdingbar ist, die Theorie mit praktischen Aufgaben zu verknüpfen. Das Projektsemester war damit die optimale Gelegenheit dieses Projekt umzusetzen.“

 

Vorstellung der Projekte am 11. Mai 2022

Die Projekte werden im Rahmen der Abschlussfeier des Projektsemesters am 11. Mai 2022 von den Gruppen beim Landkreis Hildesheim vorgestellt. Neben einer Begrüßung ab 15 Uhr durch das Mentor*innenteam folgt ein Grußwort vom Landrat Bernd Lynack. Anschließend folgen Stimme aus dem Projektsemester, darunter Studierende, Praxispartner*innen und Mentor*innen. Ab 16 Uhr lädt der „Markt der Projekt“ ein, sich über die verschiedenen Projektarbeiten und -gruppen zu informieren.

Alle Projekte in diesem Jahr auf einen Blick:

  • Alltagsrassismus in der Schule
  • Der „DASEINMALSEX“ – Podcast
  • Enjoy everyday life
  • FairPlay Projekt
  • Kopfsalat
  • „Mein Körper – Meine Rechte!“
  • PHÄNO’MÄH‘NAL
  • QUEER – Wir kommen in allen Farben
  • Ich bin’s mir wert!
  • SOcial MEdia – positivity check
  • Unite- Jung und Alt
  • Upcycle your life
  • Vernetzung der Projekte
  • Wohntraining

Weitere Information zum Projeksemester finden Sie hier. Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Carolin Oppermann, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik, unter opper002(at)uni-hildesheim.de zur Verfügung.


Die Gruppe des Projekts "Unite- Jung und Alt" setzt auf ein Generationenverständnis untereinander. Foto: Privat

Das Projektteam um "Upcycle your life" möchte auf mehr Nachhaltigkeit auch in alltäglichen Situation aufmerksam machen. Grafik: Privat