Universität Hildesheim trauert um Bibliotheksdirektor Dr. Ewald Brahms

Freitag, 29. Mai 2026 - 14:54 Uhr

Die Universität Hildesheim trauert um Dr. Ewald Brahms, den langjährigen Direktor der Universitätsbibliothek. Mit ihm verliert die Universität einen hochgeschätzten Kollegen, einen engagierten Gestalter und einen Menschen, der die Entwicklung der Universitätsbibliothek über zwei Jahrzehnte mit großer Fachkompetenz, Weitsicht und persönlichem Einsatz geprägt hat. Sein plötzlicher Tod nur wenige Monate vor dem Wechsel in den Ruhestand erfüllt alle, die ihn kannten und mit ihm zusammengearbeitet haben, mit großer Bestürzung und Betroffenheit.

„Ewald Brahms hinterlässt fachlich und menschlich eine große Lücke. Er bleibt uns vor allem in Erinnerung als ein leidenschaftlicher Gestalter, der mit visionärer Strategie, unermüdlicher Tatkraft und großem Verantwortungsbewusstsein die Bibliothek prägend weiterentwickelte und vielen ein dauerhaftes Vorbild war“, sagt Jan Timo Zimmermann, stellvertretender Leiter der Universitätsbibliothek. 

Mehr als 20 Jahre war Dr. Ewald Brahms an der Universität Hildesheim tätig. Als Direktor der UB verantwortete er die vielfältigen Aufgaben einer modernen wissenschaftlichen Bibliothek: die Versorgung von Forschenden, Lehrenden und Studierenden mit Informationen und Literatur ebenso wie die strategische Weiterentwicklung bibliothekarischer Dienstleistungen und digitaler Infrastrukturen. Dabei verstand er die Bibliothek stets als offenen Ort des Austauschs, der gegenseitigen Unterstützung und des gemeinsamen Arbeitens.

Prof. Dr. May-Britt Kallenrode, die Ewald Brahms schon aus beruflichen Kontexten vor der Zeit ihrer Ernennung zur Universitätspräsidentin kannte, erinnert sich wie folgt: „Ewald Brahms habe ich in den 2010ern im niedersächsischen CIO-Gremium kennengelernt: immer fokussiert, sehr weitreichend über die sich ändernde Bedeutung von Bibliotheken nachdenkend und für einen Vertreter einer kleinen Universität unheimlich vorwärtstreibend und Themen setzend. Hier in Hildesheim habe ich dann entdeckt, wie vorausschauend er seine Ideen umgesetzt hat: Ewald Brahms hat gestaltet. In Hildesheim habe ich den Menschen hinter dem Bibliotheksdirektor näher kennen und schätzen gelernt: viele Gespräche drehten sich um die Bewegung in der Natur und die Fotografie – und die gegenseitigen Empfehlungen, welche Projekte und Workshops man in Angriff nehmen könnte.“

Besonders prägend war Ewald Brahms‘ Einsatz für technische Innovationen und zukunftsorientierte Lösungen. Brahms begleitete und gestaltete maßgeblich die Weiterentwicklung digitaler Verwaltungsstrukturen und bibliothekarischer Services. Mit großem Interesse und hoher Sachkenntnis setzte er sich dafür ein, Prozesse zu verbessern, neue Möglichkeiten zu erschließen und praktikable Lösungen zu finden, die den Bedürfnissen der Nutzenden ebenso gerecht wurden wie denen der Mitarbeitenden.

Die 20 Jahre seines Wirkens sind in der Universitätsbibliothek deutlich spürbar und mitunter auch offen sichtbar: Unter Leitung von Ewald Brahms wurden unter anderem die Leihstelle umgebaut, ein Stillarbeits-Lesesaal und ein Lounge-Bereich eingerichtet sowie zusätzliche Gruppenarbeitsplätze geschaffen. Auch der Wandel von Print zu vermehrten E-Ressourcen und andere Digitalisierungsmaßnahmen fielen in diese Zeit. Ewald Brahms war ein Möglichmacher, der Ressourcen freigeschaufelt und die Mitarbeitenden in der Umsetzung sehr aktiv unterstützt hat. So konnte sich auch die im Vergleich zu anderen Einrichtungen eher kleine UB stetig neuen Anforderungen und wechselnden Bedürfnissen anpassen und manchmal sogar eine Vorreiterrolle übernehmen: Hier wurde eine der ersten Smartphone-Apps für Bibliotheken, die Bib-App maßgeblich mitentwickelt; die Hildesheimer UB war zudem die erste Bibliothek in Niedersachsen, die das neue Bibliotheksmanagementsystem LBS4 eingeführt hat und ist Gründungsmitglied der QCovery-Community, die Bibliothekskataloge wie den HilKat entwickelt.

Welche seiner vielfältigen Aufgaben ihm am meisten Spaß mache, wurde Ewald Brahms einmal in einem Video-Interview gefragt. Seine Antwort sagt sehr viel darüber aus, wie sehr er neben seinem fachlichen Engagement insbesondere auch die zwischenmenschlichen Beziehungen stets im Blick hatte: „Am meisten Spaß macht es mir, mit Menschen zusammenzuarbeiten, mit meinem Team an neuen Lösungen zu arbeiten, Dinge voranzubringen und Kolleginnen und Kollegen (…) in ihrem beruflichen Werdegang zu begleiten.“

Birgit Oelker hat über die gesamte Zeitspanne seiner Tätigkeit an der Universität Hildesheim in vielen verschiedenen Projekten und Kontexten mit Ewald Brahms zusammengearbeitet – zuletzt unter anderem in der von ihm mit initiierten Servicestelle digitale Lehr-Lernformate – und war ihm auch freundschaftlich verbunden. „Mit offenem Ohr war er da – für Fragen, Ideen und das kurze Gespräch auf dem Weg“, erinnert sie sich. „Ein Tee im Büro oder ein Espresso am Nachmittag reichten oft, um Dinge zu klären und Wissen zu teilen. Seine klare Haltung, Verlässlichkeit und Menschlichkeit im Alltag waren für uns eine wichtige Orientierung. Er dachte und handelte immer voller Energie nach vorn gerichtet: Weiterentwicklung war seine Perspektive! Mit Freude ein strategisches Ziel im Blick haben, an Mitmenschen Interesse zeigen durch konsequente Serviceorientierung und starke Vernetzung. Unsere Erinnerungen an ihn sind nachhaltig geprägt durch die vielen wertvollen Momente des gemeinsamen Arbeitens und Lernens. Im Gedenken an Ewald sind wir dankbar, dass er sein erfülltes Leben mit uns teilte.“

Thomas Hanold, Leiter des Dezernats für Bau und Gebäudemanagement und ebenfalls einer der langjährigsten beruflichen Weggefährten an der Universität Hildesheim, sagt über Ewald Brahms: „In den 20 Jahren der Zusammenarbeit habe ich Ewald als engagierten und in der Sache durchaus streitbaren Kollegen erlebt. Für ,seine Bibliothek‘ und notwendige Veränderungen hat er sich konsequent eingesetzt – das konnte manchmal anstrengend sein, aber auch erfolgreich und bewundernswert. Nicht immer waren wir einer Meinung, aber das konnten wir stets sachlich und konstruktiv diskutieren. Über das Kollegiale hinaus verband uns ein freundschaftliches Verhältnis. Ewald war eine Persönlichkeit mit klarer Kante, zugleich zugewandt und freundlich. Ich habe ihn sehr gemocht – und seinen Rat in manchen Angelegenheiten sehr zu schätzen gewusst.“

Ewald Brahms begegnete anderen mit großem Respekt, Aufmerksamkeit und echter Neugier. Von seinem Team in der Universitätsbibliothek sprach er mit großer Wertschätzung. Kolleg*innen beschreiben Ewald Brahms als offen, empathisch und vielseitig interessiert. Als Frankreich-Liebhaber, leidenschaftlicher Koch, Hobby-Gärtner, Fahrradfahrer, Fotografie-Begeisterter und Kenner (und Könner) der plattdeutschen Sprache fand er auch jenseits beruflicher Inhalte Anknüpfungspunkte zu vielen Themen. Gespräche mit ihm waren geprägt von Wissen, Humor und herzlicher Zugewandtheit.

Mit Dr. Ewald Brahms verliert die Universität Hildesheim eine Persönlichkeit, die Spuren hinterlassen hat – in der Universitätsbibliothek, in den Strukturen, die er mitgestaltet hat, und vor allem in den Erinnerungen der Menschen, denen Ewald Brahms begegnet ist.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Prof. Dr. Jutta Ernst, seiner Familie, seinen Angehörigen, Freundinnen und Freunden und allen, die ihm verbunden waren.

Das Kondolenzbuch finden Sie hier.

— Sara Reinke | Stabsstelle Kommunikation & Marketing