Professorin für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus

Dienstag, 03. April 2018  / Alter: 22 Tage

Ab dem Sommersemester 2018 forscht und lehrt Prof. Dr. Annette Pehnt am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft auf dem Hildesheimer Kulturcampus. Die Wissenschaftlerin wurde auf die Professur für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus berufen.

Professorin Annette Pehnt forscht und lehrt auf dem Hildesheimer Kulturcampus. Präsident Wolfgang-Uwe Friedrich überreicht die Ernennungsurkunde. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim

„Mit Frau Annette Pehnt ist es der Universität Hildesheim gelungen, für die Nachfolge Ortheil eine renommierte Autorin zu gewinnen, die zugleich durch eine literaturwissenschaftliche Promotion die Voraussetzungen für eine Universitätsprofessur ‚Kreatives Schreiben‘ erfüllt. Beide Qualifikationen erfüllt Professorin Pehnt in herausragender Weise“, sagt Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich.

Im Interview erläutert Annette Pehnt, warum sie sich für die Universität Hildesheim entschieden hat.

Interview mit Prof. Dr. Annette Pehnt

Was macht man eigentlich als Professorin für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus? Worum geht es in Ihrem Beruf?

Es geht darum, in Forschung und Lehre Formen, Strategien und Szenarien des Schreibens und Lesens zu erproben und zu reflektieren. Dazu gehören die literarische genauso wie die kulturjournalistische Auseinandersetzung mit der Gegenwart. Als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachten wir das literarische Feld; und zugleich tummeln wir uns darin, notieren, kommentieren, entwerfen, formulieren, lektorieren und veröffentlichen. Als Professorin initiiere, begleite und erforsche ich diese Prozesse; zugleich bin ich weiterhin als Schriftstellerin tätig und erkunde das Literarische Leben sozusagen am eigenen Leibe.

Warum haben Sie sich für Hildesheim und den Kulturcampus als künftigen Ort Ihrer Forschung und Lehre entschieden?

Es gibt im deutschsprachigen Raum nur sehr wenige Institutionen, an denen Schreiben studiert und erforscht wird. Hildesheim ist einmalig mit seiner kulturästhetischen Ausrichtung und auch den Möglichkeiten, die sich durch die Vernetzung der kreativen Fächer auf dem Kulturcampus eröffnen. Ich hoffe, hier über die Fächergrenzen hinweg Ideen ausprobieren zu können und Verbündete für interdisziplinäre Vorhaben zu finden.

Welche Forschungsfrage steht aktuell im Mittelpunkt Ihrer Arbeit – welchem Problem sind Sie gerade auf der Spur?

Ich interessiere mich gerade für Konzepte von Autorschaft. Viele Leserinnen und Leser glauben ja immer noch, Autorinnen und Autoren seien einsame Genies, die in ihrer Dachkammer auf Inspiration warten. Dabei ist der literarische Schaffensprozess eng verzahnt mit Erwartungen der Verlage, der Kritikerinnen und Kritker, des Marktes; und auch mit Traditionen und Übereinkünften. Wie entstehen also in der künstlerischen Praxis überhaupt Entscheidungen? Wem gehört das Werk? Und was passiert zum Beispiel, wenn ein Text gemeinsam geschrieben wird?  Daran arbeite ich nicht nur theoretisch, sondern auch in eigenen Schreibprojekten.

Was kennzeichnet Ihre Lehre – womit werden Sie und Ihre Studentinnen und Studenten sich demnächst zum Beispiel beschäftigen?

In der Lehre bringe ich immer Themen ein, die mich selbst bei der künstlerischen Arbeit beschäftigen; das sind oft grundlegende Fragen der Poetik, der Schriftlichkeit oder des Kulturbetriebes. Als dialogisch funktionierender Mensch empfinde ich es als Privileg, mit anderen zusammen Fragen zu entwickeln und zu durchdenken; mir geht es wirklich eher um die gemeinsame Auseinandersetzung und Suchbewegung als um die Fixierung von Wissensbeständen. So sehe ich auch das Schreiben. Mit Autorschaft werde ich mich sicherlich in den nächsten Semestern weiter auseinandersetzen, und dazu gehört auch die Frage nach Geschlechteridentitäten – mit welchen genderbedingten Erwartungen und Projektionen gehen Autor*innnen um? Außerdem möchte ich mich mit Kinderliteratur als eigenständigem literarischem System beschäftigen.

Bitte beschreiben Sie einen wichtigen Moment in Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn.

Wichtig war für mich der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass Schreiben und Forschen Hand in Hand gehen, dass auch die Wissenschaft eine Erzählung ist und es künstlerische Erkenntnis gibt, die eine eigene Wissensform darstellen kann. An der Universität Hildesheim fange ich zum Sommersemester 2018 an und freue mich!

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person:

Annette Pehnt, 1967 in Köln geboren, studierte in Köln, Freiburg, Galway (Irland) und Berkeley (California) Anglistik, Germanistik und Keltologie. Pehnt hat über irische Literatur in Freiburg promoviert. Sie hat als freie Autorin gerarbeitet, 7 Romane und 7 Kinderbücher veröffentlicht und an der Pädagogischen Hochschule Freiburg unterrichtet. Ab 2018 Professur für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Stiftung Universität Hildesheim. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Literarisches Schreiben, Kreatives Schreiben, Literatur und ästhetische Praxis, Instant Writing, Deutsche Gegenwartsliteratur seit 1989 und Kinderliteratur.


Professorin Annette Pehnt forscht und lehrt auf dem Hildesheimer Kulturcampus. Präsident Wolfgang-Uwe Friedrich überreicht die Ernennungsurkunde. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim