Professor für Empirische Unterrichtsforschung

Dienstag, 03. April 2018  / Alter: 251 Tage

Prof. Dr. Christof Wecker forscht und lehrt ab April 2018 am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim. Der Wissenschaftler wurde auf die Professur für Empirische Unterrichtsforschung berufen. Im Interview erläutert Christof Wecker, mit welchen Forschungsfragen er sich aktuell beschäftigt.

Professor Christof Wecker forscht und lehrt an der Universität Hildesheim. Foto: privat

Worum geht es in Ihrem Fach?

In der Empirischen Unterrichtsforschung geht es im Kern darum, durch welche Gestaltungsmerkmale von Unterricht wichtige Bildungsziele wie Wissen und Können, Interessen oder Persönlichkeitsentwicklung erreicht werden können.

Warum haben Sie sich für Hildesheim als Ort Ihrer künftigen Forschung und Lehre entschieden?

An der Universität Hildesheim hat die Lehrerbildung einen hohen Stellenwert. Viele Elemente der einschlägigen Studiengänge machen auf mich einen sehr durchdachten Eindruck. Beispielsweise sind die praktischen Studienanteile sehr ausgeprägt und curricular gut in das Studium integriert, das heißt stark mit den wissenschaftlich orientierten und forschungsbasierten Lehrveranstaltungen verzahnt. Für meine Forschung erwarte ich nicht zuletzt aufgrund der breit vertretenen Fachdidaktiken ein anregendes Umfeld und vielfältige Kooperationsmöglichkeiten. Darüber hinaus sind die bürokratischen Hürden für die Durchführung wissenschaftlicher Untersuchungen in Schulen in Niedersachsen anscheinend deutlich niedriger als in einigen anderen Bundesländern. Und nicht zuletzt misst die Universitätsleitung der Empirischen Unterrichtsforschung offenbar große Bedeutung bei und bietet mir daher sehr gute Arbeitsmöglichkeiten.

Welche Forschungsfrage steht aktuell im Mittelpunkt Ihrer Arbeit, welchem Problem sind Sie gerade auf der Spur?

Aktuell beschäftige ich mich vor allem mit dem „fragend-entwickelnden Unterrichtsgespräch“. Ich möchte die Frage beantworten, ob Schülerinnen und Schüler Lerninhalte besser verstehen, wenn sie sich diese angeleitet durch geschickte Fragen ihrer Lehrkraft im Unterrichtsgespräch selbst erschließen. Obwohl diese Form der Unterrichtsgestaltung allgegenwärtig ist und ebenso glühende Anhänger wie erbitterte Gegner hat, gibt es erstaunlicherweise kaum Forschung dazu. Ich bin selbst sehr gespannt, ob eher die in die Methode gesetzten Hoffnungen oder die damit verbundenen Befürchtungen zutreffen.

Was kennzeichnet Ihre Lehre, womit werden Sie und Ihre Studentinnen und Studenten sich demnächst zum Beispiel beschäftigen?

An meine eigene Lehre stelle ich den Anspruch, dass sie höchst anwendungsrelevant und zugleich forschungsbasiert sein sollte. Das heißt, ich möchte, dass zukünftige Lehrkräfte daraus Wissen ziehen können, wie sie Unterricht lernwirksam gestalten können, und dass dieses Wissen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Außerdem bin ich ein Verfechter der Einheit von Forschung und Lehre. Diese beinhaltet auch, dass Forschungsergebnisse direkt als Inhalte in Lehrveranstaltungen einfließen. Also werden sich meine Studentinnen und Studenten in naher Zukunft wohl unter anderem auch mit dem fragend-entwickelnden Unterrichtsgespräch beschäftigen.

Wie bearbeiten Sie den digitalen Wandel in Ihrer Forschung und Lehre? Ist das ein Thema für die Ausbildung der angehenden Lehrerinnen und Lehrer?

Die Digitalisierung lässt sich in der Lehrerbildung auf keinen Fall ausklammern. Stark vereinfacht geht es zum einen natürlich darum, Schülerinnen und Schüler auf ein möglichst selbstbestimmtes und verantwortungsvolles Leben in der digitalen Welt vorzubereiten. Dazu brauchen sie nicht nur technisches Know-how, sondern vor allem auch Kompetenzen etwa im Umgang mit echten und vermeintlichen Informationen oder in Bezug auf den Schutz ihrer persönlichen Daten und ihrer Privatsphäre. Zum anderen geht es darum, digitale Medien im Unterricht didaktisch sinnvoll zum Erreichen schulischer Bildungsziele einzusetzen. Die größte Herausforderung besteht dabei sicherlich in dem rasanten und sich immer weiter beschleunigenden technischen Fortschritt. Was in den vergangenen Jahrzehnten jeweils als „die Neuen Medien“ bezeichnet wurde, gehört heute oft längst ins Museum. Nicht alleine eine vermeintlich praxisnahe Fokussierung auf die jeweils brandaktuellste digitale Technologie kann hier zum Erfolg führen, sondern nur ein klarer Blick auf die didaktischen Funktionen, die digitale Medien in Bildungszusammenhängen erfüllen können und die sich mit immer neuen Technologien immer wieder anders realisieren lassen. Es geht also nicht primär um eine „Schulung“ zukünftiger Lehrkräfte im Einsatz der gerade aktuellen „Neuen Medien“, sondern um die Herausbildung einer so verstandenen Kreativität in der Nutzung digitaler Medien für Bildungszwecke.

Was sind wichtige Erkenntnisse zur Digitalisierung im Schulkontext, auf denen Sie in Hildesheim aufbauen?

Die wichtigste Erkenntnis aus Jahrzehnten der Forschung zum Lernen mit Medien ist die Einsicht, dass die Medien selbst in der Regel so gut wie keine Auswirkungen auf den Lernerfolg von Schülerinnen und Schüler haben. Was sich positiv auswirkt, sind immer gute didaktische Arrangements, die sich manchmal mit einer neuen Technologie leichter oder besser realisieren lassen als mit den zuvor bestehenden Möglichkeiten.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person:

Christof Wecker, 40 Jahre, geboren in Fürstenfeldbruck, Studium der Erziehungswissenschaft, Philosophie und Allgemeinen Rhetorik in München, Tübingen und Oxford, Promotion und Habilitation an der Ludwig-Maximilians-Universität München, venia legendi für Pädagogik und Pädagogische Psychologie. Ab 1. April 2018 Professor für Empirische Unterrichtsforschung an der Universität Hildesheim. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen unterrichtsmethodische Handlungsformen, fächerübergreifende Kompetenzen und evidenzbasierte Praxis im Bildungsbereich.


Professor Christof Wecker forscht und lehrt an der Universität Hildesheim. Foto: privat