Fliegen für die Wissenschaft?

Freitag, 22. Juli 2022 um 09:26 Uhr

Am 27. Juni veranstaltete das Green Office den 2. Runden Tisch zur Nachhaltigen Entwicklung der Universität Hildesheim. Vor dem Hintergrund des Klimaschutzes widmete sich der Runde Tisch Nachhaltigkeit der Frage nach der Notwendigkeit und dem zukünftigen Umgang mit Flugreisen an unserer Universität.

Dr. Susann Görlinger, Projektleitung von "FlyingLess". Foto: flyingless.de

Durch die Internationalisierung von Forschung und Lehre gehören Flugreisen im universitären Betrieb zur Normalität. Wissenschaftler*innen, Studierende und Beschäftigte tragen damit zum CO2-Fußabdruck ihrer Hochschule bei.

An der Universität Hildesheim wurden durch Dienstreisen in 2019 insgesamt 465 Tonnen CO2eq emittiert. Davon sind mit rund 370 Tonnen gut 80% der Emissionen allein auf Flugreisen zurückzuführen, obwohl diese nur 9% aller Dienstreisen an der Universität Hildesheim ausmachen. 

Erfolgreich forschen, weniger fliegen

Vor dem Hintergrund des Klimawandels und angestrebter CO2-Neutralität stellt sich deshalb die Frage, welche Alternativen zu Flugreisen im Wissenschaftsbetrieb bestehen. Welchen Umgang mit Flugreisen möchten wir an der Universität Hildesheim kultivieren? Und wirken sich weniger Flugreisen tatsächlich negativ auf Forschungsleistung und Karriere aus?

Diese Fragen wurden beim 2. Runden Tisch Nachhaltigkeit diskutiert. Als Einstieg in das Thema stellte Dr. Susann Görlinger (ifeu-Institut) aktuelle Forschungsergebnisse zu Flugreisen im Universitätsbetrieb und Strategien anderer Hochschulen vor. Sie wies auf mehrere Studien hin, die den Zusammenhang zwischen wissenschaftlichem Erfolg und Vielfliegen untersuchten. Ergebnis: Viel zu fliegen hat einen geringen Einfluss auf die Anzahl von Zitationen, den h-Index, erfolgreiche Kollaborationen und akademisches soziales Kapital (vgl. Chalvatzis/Ormosi 2021; Wynes et al. 2019; Schaer et al. 2021). Gleichzeitig können häufige internationale (Flug)reisen die Vereinbarkeit von Karriere und Privatleben für Akademiker*innen erschweren (vgl. Higham et al. 2019).

Einzelne Studien zeigen, dass arrivierte Wissenschaftler*innen, also vor allem Professor*innen, im Gegensatz zu Nachwuchswissenschaftler*innen überdurchschnittlich viel fliegen (vgl. Wynes et al. 2019; Medhaug 2021). Vor dem Hintergrund von Klimaschutzzielen entfalte das Thema Flugreisen damit auch eine Dimension der Verteilungsgerechtigkeit, mit der sich Hochschulen frühzeitig auseinandersetzen sollten, so Görlinger. Als wichtiger Ansatzpunkt um THG-Emissionen durch Flugreisen zu vermeiden, wurden internationale Konferenzen genannt. Um persönlichen Austausch weiterhin zu kultivieren, seien hier innovative Hybrid-Konzepte wie Multi-Hub-Veranstaltungen gefragt.

Die Folien zum Gastvortrag von Dr. Susann Görlinger sowie der Ergebnisse des 2. Runden Tisch Nachhaltigkeit finden Sie hier.

Nachhaltig ins Auslandssemester: Neue Erasmus-Förderung „Green Travel“

Laut dem kürzlich veröffentlichten Green Erasmus Report reisen rund 70% der Erasmus-Studierenden mit dem Flugzeug ins Auslandssemester. Um das zu ändern wird seit Ende 2021 im Erasmus+ Programm eine nachhaltige Anreise gefördert. Für „Green Travel“ mit Bus oder Bahn wird ein Zuschlag in Höhe von 50€ sowie eine Vergütung für bis zu vier zusätzliche Anreisetage gezahlt. Zuschläge für grünes Reisen können ebenfalls vom Hochschulpersonal abgerufen werden. Weitere Informationen zu „Green Travel“ bei Erasmus+ finden Sie hier. Das International Office berät Sie gerne: Wenden Sie sich bei weiteren Fragen direkt an die Erasmus Koordinatorin Kerstin Mühlhausen-Lotze.

Die Universität Hildesheim ist Teil des Forschungsprojekts „FlyingLess“

Seit Juni 2022 beteiligt sich die Universität Hildesheim als sogenannter „Satellit“ an dem Forschungsprojekt FlyingLess – Erfolgreich forschen, weniger fliegen des ifeu (Institut für Energie- und Umweltforschung). Vor dem Hintergrund des Klimaschutzes entwickelt das Projekt Ansätze zur Reduktion der Flugemissionen im akademischen Bereich. Neben den vier festen Partnerinstitutionen des FlyingLess-Projekts (European Molecular Biology Laboratory, Max-Planck-Institut für Astronomie, Universitäten Konstanz und Potsdam), profitiert die Universität Hildesheim von der Einbindung und dem Austausch innerhalb des Netzwerks. Aktuell führt das ifeu eine Umfrage bei den Partnerinstitutionen und Satelliten durch. Unter folgenden Links können Sie an der Umfrage teilnehmen. Vielen Dank!

Studierende: FlyingLess-Umfrage 2022

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen: FlyingLess-Umfrage 2022

Professor*innen: FlyingLess-Umfrage 2022

Ihre Teilnahme an der Umfrage wird dazu beitragen, die unterschiedlichen Perspektiven und Meinungen zu akademischen Flugreisen an der Universität Hildesheim zu erfassen und passende Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Die Umfrage wird getrennt nach Statusgruppen durchgeführt, dauert ca. 10-15 min und ist noch bis zum 30.07.22 geöffnet. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier. Bitte wenden Sie sich bei Fragen an Katalin Kuse, Klimaschutzmanagerin für klimafreundliche Mobilität der Universität Hildesheim.

 


Fliegen für die Wissenschaft? Foto: sevenstorm juhaszimrus von pexels

THG-Emissionen der Dienstreisen an der Universität Hildesheim nach Verkehrsmitteln (2019)