Dr. Angelika Obstoj: die wohl dienstälteste Mitarbeiterin der Universität Hildesheim
Dienstag, 29. Oktober 2024 – 09:11 Uhr
Dr. Angelika Obstoj, promovierte Philosophin, ist seit gut 36 Jahren Mitarbeiterin der (Stiftung) Universität Hildesheim und damit deren wohl dienstälteste Mitarbeiterin. Ihr beruflicher Werdegang an der Universität Hildesheim begann 1988 im Sekretariat des gerade neu gegründeten Instituts für Medizinische Informatik, dessen Aufbau sie rund fünf Jahre als Fremdsprachenkorrespondentin unterstützte. 1993 wechselte sie in die Zentralverwaltung und übernahm dort 1995 die Aufgaben einer Studienberaterin. Seit 2005 ist Angelika Obstoj Leiterin des Dezernats für Studienangelegenheiten. Angelika Obstoj ist also ein „Urgestein“ der Universität Hildesheim.
Angelika Obstoj ist vielseitig interessiert, und deshalb schätzt sie es, dass „die Universität Hildesheim hinreichend groß ist für ein vielfältiges Fächerspektrum und zugleich hinreichend klein, um mit all‘ diesen Fächern in Kontakt bleiben zu können.“
Aber nicht nur viele Fächer und verschiedene Fachkulturen hat Angelika Obstoj an der Universität kennen- und verstehen gelernt, sondern auch sehr viele, sehr unterschiedliche Menschen. Ob Studierende oder Lehrende, ob Kolleginnen und Kollegen in der zentralen Wissenschaftsadministration oder in den Dekanaten und Sekretariaten, ob Hochschulleitung oder Personalrat, Angelika Obstoj kommuniziert mit allen auf Augenhöhe, sie hört zu, verschafft sich aber auch selbst Gehör, wenn es ihr wichtig erscheint.
Von 1992 bis 1998 war Angelika Obstoj selbst Mitglied im Personalrat und von 2002 bis 2005 als Vizepräsidentin für Studienangelegenheiten und Alumni unter Präsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich Mitglied der Hochschulleitung.
In diesen Funktionen, aber auch als Mitglied zahlreicher Kommissionen und Arbeitsgruppen, hat sich Angelika (sie ist mit vielen Hochschulmitgliedern per Du) engagiert für die Belange der Universität eingesetzt, wie herausfordernd die jeweilige Situation auch gerade war.
Und Herausforderungen gab es viele in den letzten Jahrzehnten: So hieß die Universität, als Angelika Obstoj im Juni 1988 ihren Dienst aufnahm, noch „Wissenschaftliche Hochschule Hildesheim“, obwohl die Stadt bereits vor der offiziellen Umbenennung in „Universität Hildesheim“ im Jahre 1989 Wegweiser mit der neuen Bezeichnung aufgestellt hatte. Mitte der 1990er Jahre galt es dann, die Existenz der Universität Hildesheim gegen einflussreiche Stimmen aus der Wissenschaftspolitik zu verteidigen, die ihr den Universitätsstatus aberkennen wollten – dank des Einfallsreichtums vieler Akteurinnen und Akteure innerhalb und außerhalb der Universität ohne Erfolg.
Der ungefähr zeitgleich stattfindende Versuch der damaligen Landesregierung, die Informatik an der Universität Hildesheim zu schließen, wurde dagegen umgesetzt, obwohl auch hier alles darangesetzt worden war, diesen Einschnitt in der Entwicklung der jungen Universität zu verhindern. Angelika Obstoj erinnert sich: „Eines Tages kam unsere damalige Kanzlerin, Dr. Marina Frost, auf mich zu und bat mich, einen Protesttag zu organisieren mit Demonstrationszug von der Uni in die Innenstadt und Programm und Infoständen auf dem Marktplatz. Mit der Unterstützung eines Studenten der Informatik und eines Kulturwissenschaftlers habe ich, die ich noch nie auf einer Demo gewesen war, das dann in die Tat umgesetzt. Über meinen ersten Chef, dem leider bereits verstorbenen Prof. Dr. Dietrich-Peter Pretschner, hatten wir sogar ein Flugzeug organisieren können, das am Protesttag mit Werbebanner für die Informatik über der Stadt und dem Marktplatz kreiste. Und auf der ,Lilie', dem Platz hinter dem Rathaus, hatten Studierende in einheitlich farbigen Westen das Doppel-H des Uni-Emblems nachgestellt, das dann von einer Leiter der Feuerwehr aus fotografisch festgehalten wurde. Demo und Veranstaltung waren ein voller Erfolg, die Bemühungen um den Erhalt der Informatik leider nicht.“
Auch die Lehramtsstudiengänge haben in den letzten Jahrzehnten zahlreiche, zum Teil sehr weitgehende Veränderungen erfahren: 1998 – Verlagerung einiger Fächer an andere Hochschulen, 2004 bis 2007 – Umstellung des Staatsexamensstudiengangs auf die Bachelor-Master-Struktur und Verlagerung der universitären Ausbildung von Grund-, Haupt- und Realschullehrkräften der Universität Hannover an die Universität Hildesheim, 2015 – Umwandlung des zweisemestrigen in einen viersemestrigen Master of Education mit neuen Studienelementen wie Praxisphase und Projektband (Stichwort: GHR300), 2022 – niedersachsenweite Einführung eines Basislernbereichs für das Lehramt an Grundschulen und schließlich 2023 – Ankündigung des Kultus- und des Wissenschaftsministeriums, die schulformbezogene Lehrkräfteausbildung solle durch eine schulstufenspezifische Ausbildung abgelöst werden und das innerhalb von eineinhalb Jahren. Eine Ankündigung, die für viel Unruhe in den Hochschulen mit Lehramtsstudiengängen und für sehr viel Arbeit gesorgt hat, die dann aber – aufgrund anderer Finanzierungsprioritäten im Landeshaushalt 2025 – (noch) nicht umgesetzt wird.
Als Studienberaterin musste Angelika Obstoj immer wieder Studierenden und Studieninteressierten diese Neuerungen im Lehramt erläutern. Als beratendes Mitglied in der Fachbereichsübergreifenden Studienkommission Lehramt (FaStuL) und ihren Vorgängerkommissionen sowie als mandatiertes Mitglied des Niedersächsischen Verbunds zur Lehrkräftebildung hat sie Konzepte erarbeitet bzw. an deren Entwicklung mitgewirkt. Als Dezernentin hat sie in enger Kooperation mit den betroffenen Fachvertreter*innen unter anderem die lehramtsbezogenen Akkreditierungsverfahren (mit) organisiert und inhaltlich begleitet und wiederholt die Prüfungs- und Studienordnungen aktualisiert.
Auch dezernatsintern hatten die Umgestaltungen des Lehramts zum Teil erhebliche Auswirkungen. Mit der Umstellung vom Staatsexamen auf die Bachelor-Master-Struktur ging die Verantwortung für die Prüfungsverwaltung auf die Universität über und gehört seither in den Verantwortungsbereich des Dezernats für Studienangelegenheiten. Da es bis dato keine diesbezügliche Infrastruktur im Dezernat gab, war es eine der ersten Aufgaben von Angelika Obstoj als Dezernentin, eine solche zu schaffen. So hat sie ihre privat gesammelten Erfahrungen mit Datenbankdesign und -programmierung genutzt, um innerhalb weniger Wochen ein Programm zu entwickeln, mit dem das Prüfungsamt die Leistungsdaten der Lehramtsstudierenden verwalten und die erforderlichen Abschlussdokumente ausstellen konnte, ein Programm, das mehrere Jahre im Einsatz war.
In den fast 20 Jahren als Dezernentin hat Angelika Obstoj Umgestaltung und Wachstum auch ihrer eigenen Einrichtung erlebt: Seit 2008 erfolgten der Auf- und Ausbau einer eigenen IT-Abteilung, 2011 wurde die Zentrale Studienberatung eine eigenständige Organisationseinheit (bis 2009 war Angelika Obstoj noch deren Leiterin gewesen), 2018 wurde eine Stelle für die Prüfung von studienbezogenen Ordnungen geschaffen und seit 2020 entsteht eine Servicestelle Übersetzungsmanagement.
Mit inzwischen 24 Mitarbeitenden sieht Angelika Obstoj das Dezernat, dessen Leitung sie Ende des Jahres mit dem Eintritt in den Ruhestand abgeben wird, gut für die Zukunft gerüstet; eine Zukunft, die sicherlich nicht weniger herausfordernd sein werde als die vergangenen Jahre es waren, so ist Angelika Obstoj überzeugt.
Was auf die Universität – und damit auch auf das Dezernat – zukommen wird, zeigte sich in dem von Präsidentin Prof. Dr. May-Britt Kallenrode angestoßenen Strategieprozess, an dem Angelika Obstoj als Mitglied der Strategie-AG Studium und Lehre intensiv mitgewirkt hat.
Die Zukunft der Universität Hildesheim, das sei, so Angelika Obstoj, immer noch ein wichtiges Thema für sie: Deshalb wird sie ab dem 01. Januar 2025 als Mitarbeiterin des Hauptberuflichen Vizepräsidenten für Studium, Lehre und studentische Belange, Prof. Dr. Jürgen Sander, noch für einige Zeit projektbezogene Aufgaben, unter anderem im Zusammenhang mit der Zentralen Kommission für Studium und Lehre (ZKSL), die die Ergebnisse des Strategieprozesses umsetzen und ihn weiterführen wird, wahrnehmen. So wird sie noch für eine Weile die wohl dienstälteste Mitarbeiterin der Universität bleiben.
*Sofern Sie noch länger an der Universität Hildesheim tätig sind, treten Sie gerne mit Viktoria Ong über kommunikation@uni-hildesheim.de in Kontakt.
Viktoria Helene Ong