Erfahrungsberichte von internationalen Studierenden

Wer bist du und wo kommst du her?

Mein Name ist Tiago Morato und ich komme aus Brasilien. Ich bin 2018 nach Deutschland gekommen, um Deutsch zu lernen und hier zu studieren. Ich habe zuerst mit dem Studienfach Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen angefangen, aber ich habe mich dann am Ende des Sommersemesters 2020 dafür entschieden, den Studiengang zu wechseln. Seit dem Wintersemester 20/21 studiere ich nun Internationales Informationsmanagement.

Was gefällt dir in Deutschland besonders gut und warum hast du dich für Hildesheim entschieden?

In Deutschland gefällt mir besonders die Sicherheit in ihren verschiedensten Facetten, der gute Lebensstandard und die zahlreichen Möglichkeiten, sich zu entfalten. Diese Gründe haben mich nach Deutschland geführt. Hier kann man ohne Studiengebühren eine qualifizierte und anerkannte Bildung erhalten und nach dem Studium bietet der Arbeitsmarkt viele Chancen.

Da ich mein Studium aufgrund meines Visums erst im Sommersemester beginnen konnte, hatte ich zwei Universitäten zur Auswahl, die den Studiengang Übersetzungswissenschaft angeboten haben - die Universität Hildesheim und die Universität Heidelberg. Die Universität Heidelberg hatte sehr hohe Studiengebühren für Internationale Studierende. Aus diesem Grund habe ich mich für die Universität Hildesheim entschieden, ich kannte ja beide Städte nicht.

Ich bin mit meiner Entscheidung sehr zufrieden aber ich bin es nicht so gewohnt in einer kleinen Stadt zu leben. Ich habe in Berlin und Halle gelebt, beide Städte sind größer als Hildesheim. Mir fehlt ein bisschen die Moblität, die das U-Bahn- und Straßenbahnfahren anbietet. Das ist aber trotzdem kein großes Problem, da Hannover sehr nah ist und man dort die vielen Vorteile einer Großstadt erleben kann.

Wie unterscheiden sich das Studiensystem in Deutschland und Brasilien?

Das Bachelorstudium dauert in Brasilien fünf Jahre. Das ist sehr lang. Währenddessen kann man einen Bachelor und Master in derselben Zeit in Deutschland erwerben. Darüber hinaus freue ich mich, dass das Studium stärker durch staatliche und private Stipendien finanziert werden kann. Man muss zum Beispiel nur die Hälfte des BAföG zurückbezahlen und während der Corona Krise bietet der Staat beispielsweise eine Überbrückungshilfe an. So etwas gibt es in meiner Heimat nicht und das hilft mir und vielen anderen sehr weiter.

Online zu studieren ist eine besondere Situation, wie kommst du damit zurecht?

Ich habe überhaupt nicht mit einem Online-Studium gerechnet. Während ich das Studienkolleg besuchte, habe ich mich sehr darauf gefreut, deutschsprachige Kommiliton_innen kennenzulernen und mit ihnen die deutsche Sprache an der Universität zu lernen. Das hat aber leider mit dem Online-Studium nicht so gut geklappt. Ich bin darum auf der Suche nach einem Tandempartner. Ich finde es sehr schade, dass die Bibliotheken aktuell nicht mehr zum Lernen zur Verfügung stehen. Die Bibliotheken sind hier bezaubernd. Sie sind sehr groß, haben schnelles Internet, sind sehr gemütlich und sehr gut ausgestattet. Es gibt Räume, in denen man alleine oder als Gruppe arbeiten kann. Ich habe vorher sehr oft mit Freunden in der Bibliothek gelernt, das war einfach sehr effektiv. Seit dem letzten Jahr muss ich in der WG lernen. Es ist manchmal etwas laut, weshalb ich mich nicht so gut konzentrieren kann. Ich hoffe die Bibliothek macht bald wieder auf.

Aber es gibt natürlich auch einige Vorteile beim Online-Studium. Ich kann die aufgezeichneten Kurse immer wieder anschauen und auch mal zurückspulen, wenn ich etwas nicht verstanden habe. Ich kann sie also in meinem Tempo anschauen. Das ist ein großer Vorteil für mich, weil ich kein Muttersprachler bin.

Was machst du neben deinem Studium und hast du dich schonmal ehrenamtlich engagiert?

Letztes Semester hatte ich einen Teilzeitjob in einem Fastfood Restaurant, aber ich habe dann gekündigt, da ich gemerkt habe, dass ich mehr Zeit für mein Studium benötige. Jetzt arbeite ich als WiN-Tutor im International Office. Das ist ein toller Job, als WiN-Tutor helfe ich neuen internationalen Studierenden, damit sie sich problemlos in Hildesheim und an der Universität einleben können. Diese Aufgabe gefällt mir besonders gut, weil ich genau weiß wie es ist, sich in einem neuen Land oder einer neuen Stadt einzuleben und ein Studium im Ausland zu beginnen. Da ist jemand, der einen unterstützt genau richtig.

Ich bin an der Universität auch als Buddy tätig. Da betreut man ebenfalls einen Austauschstudierenden und hilft ihm bei der Orientierung an der Uni. In Brasilien habe ich im Gymnasium an dem Projekt ein Tag ohne Schuhe teilgenommen. Wir haben Schuhe gesammelt, um diese an Menschen, die diese dringend brauchen, zu spenden und sind einen Tag ohne Schuhe zur Schule gegangen – das war auch eine lustige freiwillige Aktion, deren Ziel ist, zu zeigen, dass das, was wir jeden Tag tragen, viele Menschen nicht haben. Manche haben so viele Schuhe, die oft gar nicht getragen werden und diese können auch gespendet werden. Das macht uns ein bisschen bewusster über den Wirklichkeitszustand der Gesellschaft und der Welt, in der wir leben.

Hast du schon einmal an Kursen der Uni teilgenommen, die nicht zu deinem eigentlichen Studium gehören?

Ja, ich habe einen englischen Aussprachekurs an der Uni besucht. Es hat mir sehr viel geholfen. Ich würde es jedem Studierenden empfehlen, der seine Englisch Aussprache verbessern möchte. Außerdem habe ich an einem interkulturellen Seminar des International Office teilgenommen. Dabei ging es um das Thema Kulturschock.  Wie der Kulturschock beschrieben und kategorisiert wurde, fand ich sehr interessant. Ich habe alle Stufen des Kulturschocks selbst erlebt, aber das war mir in dem Moment gar nicht bewusst. Es lohnt sich also auch diesen Kurs vor einem Auslandsstudium zu besuchen.

Wofür interessierst du dich in deiner Freizeit und welche Pläne hast du für die Zukunft?

In meiner Freizeit interessiere ich mich für den brasilianischen Tanz Forró, ich fotografiere gern und ich mag Cajón zu spielen.

Ich möchte gern ein Auslandsemester in Ostasien oder in Spanien machen und vielleicht im Anschluss mein Masterstudium beginnen. Ich habe aber noch ein bisschen Zeit und darum ist noch etwas früh für mich, das jetzt zu entscheiden. Ich freue mich erstmal auf mein weiteres Studium.

Weitere Informationen