Das Teilprojekt „Solidarität auf der sozialen Ebene lokal organisierter Akteure“ untersucht, was den Diskurs der Solidarität auf der Meso-Ebene der Gesellschaft bestimmt. Auch hierbei wird im Besonderen der Frage nachgegangen, wie Krisen und die an sie anschließenden Arten der Krisenkommunikation Solidaritätsdiskurse beeinflussen.

Ausgehend vom Solidaritätskonzept von Andrea Sangiovani (2015) sehen wir die Solidarität von Akteuren im lokalen Kontext dann herausgefordert, wenn das kommunale Zusammenleben auf Widrigkeiten stößt.

In der Regel werden solche Widrigkeiten bereits durch routinisierte und institutionalisierte Formen organisierter Unterstützung im lokalen Umfeld bearbeitet, z.B. durch ortsansässige und/oder regional niedergelassene Vereine, Verbände und weitere teils informelle zivilgesellschaftliche Gruppen und Einrichtungen. Wir gehen davon aus, dass zwischen diesen Einrichtungen auf der kommunalen Ebene ein stärkeres kommunikatives und kooperatives Netzwerk besteht, in dem sich eine eigenständige Diskurssphäre entfalten kann. Sie besteht in einer erhöhten Chance von Binnenkommunikation zwischen den genannten Akteuren in und um Organisationen des lokalen gesellschaftlichen Lebens.

Uns interessiert somit erstens der Diskurs, der sich im Rahmen solcher kommunalen Netzwerke entspannt, die Solidarität und soziale Unterstützung vor Ort organisieren. Wir wollen herausfinden, wie innerhalb dieser Netzwerke Widrigkeiten für den regionalen Zusammenhalt identifiziert werden und welche dies konkret sind. Darüber hinaus wollen wir zweitens untersuchen, was geschieht, wenn die routinisierten Formen der Solidarisierung und Unterstützung auf Widrigkeiten stoßen, die sich nicht mehr innerhalb ihres Rahmens zu lösen scheinen lassen, wenn also Krisen auftreten. Und drittens gehen wir der Frage nach, ob und in welchem Sinn der aktuelle Diskurs über die ‚Flüchtlingsproblematik’ als eine spezifische Form einer Krise der etablierten Formen sozialer Unterstützungsleistungen und Solidarisierungen von den lokal organisierten Akteuren wahrgenommen wird und inwiefern sich dies auf das lokale Verständnis von Solidarität auswirkt.

Dazu werden wir Akteure der lokalen Organisation von Solidarität in drei ausgewählten regionalen Clustern der Bundesrepublik Deutschland konkret untersuchen, und zwar jeweils durch zwei Landkreise und eine Stadt.

Kontakt:

Patrick Kahle (M.A.), Prof. Dr. Michael Corsten
Institut für Sozialwissenschaften
Universität Hildesheim
Universitätsplatz 1
Raum F303
31141 Hildesheim
Tel.: 05121/ 883-10778