KSKJ studieren

Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus

Die Studiengänge Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus (Diplom und B.A.) an der Stiftungsuniversität Hildesheim sind die bisher einzigen an deutschsprachigen Hochschulen, die das literarische und kulturjournalistische Schreiben in Verbindung mit anderen Künsten (Theater/ Medien/ Musik/ Bildende Kunst)  sowohl in der Theorie wie in der Praxis lehren.  Ihre Kerngebiete und Ziele sind die reflektierte Beherrschung einer breiten Palette literarischer und kulturjournalistischer Ausdrucksmittel und Gattungen sowie der damit verbundenen Poetiken und literaturwissenschaftlichen Theoriebildungen.  Im eigentlichen Zentrum der sich daran anschließenden vielfältigen Forschungen steht die kulturwissenschaftlich grundierte Frage nach den besonderen Eigentümlichkeiten von Schreiben und Schrift sowie nach den Grundlagen des Lesens und der bis heute entwickelten Lektüreformen.

Ihren Ausgang nehmen die während des Studiums initiierten kreativen Prozesse  und die sie schrittweise begleitenden theoretischen und poetologischen Fragestellungen von den Beobachtungsfeldern deutschsprachiger Gegenwartsliteratur, ihrer Entstehung (Verlage), Vermittlung (Kritik) und Rezeption (Buchhandel, Leserschaft).  Von diesem Material her gerät die Geschichte der deutschsprachigen Literatur und ihrer Vermittlung vom Barock bis zur Gegenwart so in den Blick, dass ihre Vorbildlichkeit und Vorläuferschaft anhand von Fallbeispielen untersucht wird. Dadurch ergibt sich eine Darstellung historisch verwurzelter, aber über das bloß Historische hinaus weisender Schreibweisen und Schreibtechniken, deren Umformulierung durch die gegenwärtigen Schreibweisen und Schreibtechniken eine neuartige, sowohl historische wie systematische Untersuchung des Traditionsfeldes  „Literaturgeschichte“ erlaubt. Insgesamt geht es dabei um das Panorama einer „Geschichte literarischer und kulturjournalistischer Formen, Methoden und Techniken“ in der Absicht, sie auf ihre gegenwärtige Anwendbarkeit und Weiterentwicklung hin zu überprüfen.  So orientieren sich die beiden Studiengänge in Forschung und Lehre am Projekt einer praxisbezogenen und aus der literarischen Praxis lernenden Produktionsästhetik, deren Beobachtungen die ganze Spannweite der Produktion, von der literarischen Werkstatt über die Arbeit am Text bis hin zum gedruckten Werk, umfassen.

Eingebettet in und interdisziplinär bezogen auf die anderen, schon genannten Fächer der Hildesheimer Kulturwissenschaften sowie auf das Fach Kulturpolitik,  ermöglichen die beiden Studiengänge Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus eine Ausbildung, die sowohl Kompetenz-Voraussetzungen für eine Existenz als freier Autor wie auch als schreibender und lesender Kulturproduzent (Redakteur, Lektor, Verlagsmitarbeiter, Kritiker etc.) liefert. Gleichzeitig eignen sich die durch das Studium ausgebildeten Befähigungen aber auch für all jene Berufe, die der Kultur- und Literaturvermittlung (Literatur- und Kulturagenturen, Kulturämter, Volkshochschulen etc.) im weitesten Sinne dienen.

Kreatives Schreiben studieren

von Prof. Dr. phil. Hanns- Josef Ortheil

Das Studium des Kreativen Schreibens an der Universität Hildesheim orientiert sich in vielem am Studium an einer Kunst-Akademie: Der Studierende legt seine eigenen Arbeiten vor, diskutiert sie im Kreis der Mitstudierenden, erhält von Seiten der Lehrenden Anregungen, Kommentare und Veränderungsvorschläge und arbeitet weiter an seinen Texten.

Ziel dieses für das Studium zentralen Fremd- und Selbst-Lektorats ist das Erreichen eines professionellen Schreibniveaus, das die Studierenden befähigen soll, literarisch selbständig zu arbeiten. Die Beherrschung der dafür erforderlichen Techniken ist die handwerkliche Seite des Studiums, die durch Vorlesungen, Seminare, Übungen und Praktika vermittelt werden kann. Ihr muß aber eine genuine kreative Begabung (Themen- und Stoff-Findung, Phantasiepotential, Sprachempfinden, Musikalität etc.) entsprechen und entgegen arbeiten, ohne die jede handwerkliche Ausbildung ins Leere läuft.

Das Lehrangebot orientiert sich daher an beiden Seiten der Ausbildung, es dient zum einen der Schulung der jeweils individuellen Kreativität (Wahrnehmungs-Schulung, Kreativitäts-Training) und vermittelt zum anderen jene formalen Schriftkompetenzen, die sich zum großen Teil in der Beherrschung bestimmter Gattungsformen (Kurzprosa, Erzählung, Roman, Lyrik, Drama, Hörspiel, Drehbuch, Essay etc.) beweisen.

Kreativitäts-Schulung und handwerkliche Ausbildung sind drittens ohne eine genaue Kenntnis der Gegenwartsliteratur, ihrer Theorien und historischen Prämissen nicht denkbar. Erst durch diese Kenntnis ergeben sich die Kriterien, die zu einer adäquaten Selbst-Einschätzung der eigenen Arbeiten führen können.

Kurz gefaßt, bedeutet Kreatives Schreiben studieren daher: Das eigene Schreiben (mit den Schritten: Notieren, Skizzieren, Entwerfen, Planen, Schreiben, Verbessern) vor dem Hintergrund der langen Tradition der literarischen Moderne so zu entwickeln, daß es vor einer möglichst breiten, vertieften Lektüre des anderen Schreibens Bestand hat.

Kulturjournalismus studieren

von Prof. Dr. phil. Stephan Porombka

Das Studium des Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim ist in drei Kontexte eingebunden:

1.
In Ergänzung zum Kreativen Schreiben wird durch das Training journalistischer Recherche-, Konzept-, Erzähl- und Redaktionsformen das Repertoire der eigenen Schreibweisen erweitert. Kulturjournalismus versteht sich in diesem Zusammenhang also nicht als ein gesondertes Studium mit eigenem Ausbildungsziel. Stattdessen gilt es als die Form des Schreibens, über die unter genau formulierten zeitlichen, thematischen und formalen Vorgaben „Gebrauchstexte“ entstehen. Durch die journalistische und wissenschaftliche Recherche lernen die Studierenden darüber hinaus, Quellen für das eigene Schreiben zu erschließen – über die kritische Nutzung der Medien und Medienformate, über das Studieren und Flanieren in Bibliotheken, über die Beobachtung des Alltags, über das Zuhören und das Befragen, über das Vernetzen und das Zuspitzen… Im Vordergrund steht hier, ein analytisches Interesse an der Kultur im umfassenden Sinn zu entwickeln und von den eigenen Recherchen, Beobachtungen und Erfahrungen kompetent erzählen zu können.

2.
Durch die Einbettung in die Fächer Literatur- und Kulturwissenschaften versteht sich Kulturjournalismus als Teil eines Forschungszusammenhangs, der auf die Rekonstruktion und die Konstruktion kultureller Zusammenhänge gerichtet ist. Kulturjournalisten wollen verstehen, wie Kultur funktioniert – und sie versuchen zu verstehen, indem sie direkt mit ihren Gegenständen in Kontakt treten und indem sie ihre Erfahrungen mit dem vernetzten Wissen über die Kultur zusammenbringen. Kulturjournalismus studieren heißt deshalb, kulturwissenschaftliche Methoden zu lernen, mit denen dieses Wissensnetz systematisch verstanden und zugleich durch eigene Verknüpfungsarbeit weiterentwickelt werden kann.

3.
Das Studium des Kulturjournalismus ist in Hildesheim unmittelbar mit der kulturjournalistischen Praxis verbunden. Ermöglicht werden den Studierenden Praktika in Verlagen, in Hörfunk-, Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen, in denen sie ihre Fertigkeiten unter Beweis stellen müssen und weiterentwickeln können. Die Studierenden werden dabei vom Studiengang aus wissenschaftlich betreut, so dass die Praktika zugleich zu einer kulturjournalistischen und kulturwissenschaftlichen Erkundung wichtiger Institutionen des Kulturbetriebs werden.

Als kulturjournalistisches Forum ist für den Studiengang (und in Zusammenarbeit mit dem Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin) lit04.de – Magazin für Literaturkritik und literarische Öffentlichkeit entwickelt worden. Ergänzt wird dieses Format durch die Produktion der monatlich ausgestrahlten Sendung lit.radio. Darüber hinaus werden die Studierenden angeleitet, konventionelle und unkonventionelle Schreib- und Publikationskonzepte zu entwickeln, mit denen am Wissensnetz der Kultur weitergestrickt werden kann.