Motivation

Die Ausgangslage in der Region Leine-Weser

Bereits seit einigen Jahren lässt sich ein Auseinanderdriften des durch Unternehmen und Verwaltungen in der Region Leine-Weser induzierten Bedarfs an IT-Fachkräften auf der einen Seite und des Angebots an AbsolventInnen von IT (-nahen) Studiengängen mit spezifischen Erwartungen an die ArbeitgeberInnen auf dem (regionalen) Arbeitsmarkt auf der anderen Seite beobachten. Konsequenzen dieses Auseinanderdriftens sind Fachkräfteengpässe, die sich aufgrund des Fortschreitens der Digitalisierung und somit einer steigenden Bedeutung von qualifizierten IT-Fachkräften zunehmend auch in originär IT-ferneren Branchen zeigen. Die entsprechenden IT-Fachkräfteengpässe wirken sich dabei auf die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der in der Region ansässigen ArbeitgeberInnen aus. Im besonderen Maße zeigt sich die Bedeutung gut ausgebildeter IT-Fachkräfte nun durch den Paradigmenwechsel und erzwungenen Digitalisierungsschub, der bei vielen regionalen Arbeitgebern mit der Einleitung von Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des SARS-CoV-2-Erregers einhergeht. Bedarfe zu einer systematischen Verstetigung dieses Paradigmenwechsels, etwa durch den Aufbau resilienter Strukturen, Prozesse und Systeme, die nicht nur allgemein eine größere Flexibilität, sondern im Falle zukünftiger Ausnahmesituationen auch eine möglichst reibungslose Fortführung der Wertschöpfung ermöglichen, werden zu einer weiteren Verschärfung des Fachkräfteengpasses beitragen.

Um den sich intensivierenden Fachkräfteengpass abzufedern und einen Fachkräftemangel zu vermeiden, sieht die regionale Fachkräftestrategie des Fachkräftebündnisses Leine-Weser in ihrer Fortschreibung aus dem Jahr 2018 mit dem Handlungsschwerpunkt III den „nachhaltigen und zielgerichteten Ausbau der regionalen Fachkräftebasis durch Maßnahmen im Bereich der Ausbildung“ vor. Hochschulen und Universitäten als Einrichtungen des tertiären Bildungsbereiches kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Sie vereinen Aufgaben der Pflege und Entwicklung von Wissenschaften durch Forschung, Lehre und Studium mit einem praxisorientierten Berufsqualifikationsauftrag.

Die Rolle der Stiftung Universität Hildesheim

Die Stiftung Universität Hildesheim (SUH) als eine dieser Bildungseinrichtungen sieht sich im Rahmen der Erfüllung dieses Auftrages mit zwei zentralen Herausforderungen konfrontiert: Zum einen wird die Zunahme des mengenmäßigen Bedarfes an IT-Fachkräften auch von einem Bedarf an stärker spezialisierten Fachkräften der regionalen ArbeitgeberInnen begleitet. Hier zeigt sich die Notwendigkeit, universitätsnahe und studienbegleitende Qualifizierungs- und Spezialisierungsangebote unter einem stärkeren Einbezug regionaler ArbeitgeberInnen, ihrer IT-Fachkräftebedarfe und konkreter betriebsnaher und praxisorientierter Problemstellungen zu erschließen. Gleichzeitig lassen sich zunehmend überlagernde und verkürzte Technologielebenszyklen und heterogener werdende individuelle Motivationen, Wissensstände und Lerntypen in der Studierendenschaft beobachten, die neue Erprobungsformate für die Technologien und eine größere Offenheit gegenüber Alternativen zu den primär verbreiteten, traditionellen dozentenzentrierten und auf den Informationstransfer fokussierten Veranstaltungsformaten verlangen.

Zum anderen können AbsolventInnen nach dem Abschluss ihres Studiums an der SUH nicht in ausreichendem Umfang in der Region gehalten werden. Neben einer Verschärfung des Fachkräfteengpasses können hierdurch auch die steigenden Ausbildungskosten zu immer geringeren Teilen mit den Steuergeldern ehemaliger Studierender gegenfinanziert werden. Durch eine Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und der Universität gilt es neue universitätsnahe Informationsangebote der ArbeitgeberInnen zu schaffen und den universitätsgestützten Aufbau von Austauschbeziehungen zwischen regionalen ArbeitgeberInnen und Studierenden weiter zu fördern. Speziell medial weniger präsente kleine und mittlere Unternehmen und Verwaltungen aus der Region stehen in diesem Zusammenhang vor der Herausforderung, attraktive Aufgabenstellungen öffentlichkeitswirksam zu bewerben, um als ArbeitgeberInnen die Aufmerksamkeit von AbsolventInnen auf sich zu ziehen und somit der Abwanderung von jungen und qualifizierten Menschen entgegenzuwirken. Physische und virtuelle Lern- und Erprobungsumgebungen können hier als Begegnungsstätten für einen Austausch zwischen Studierenden und ArbeitgeberInnen auf Augenhöhe dienen und nachweislich zum einen den Transfer von forschungsnahem Lehrwissen in die Praxis stärken und Studierende zum anderen den Auf- und Ausbau von praxisnahem Fach- und Erfahrungswissen und sozialer Kompetenz erleichtern und somit einen Beitrag zur Nachwuchsförderung leisten.

Aufgaben für das ProXLab

Im Rahmen des Projektes ProXLab sollen diese und weitere Herausforderungen durch den Aufbau, die Erprobung und die Verstetigung eines hybriden Ökosystems gebündelt adressiert werden, durch das Studierende, AbsolventInnen und ArbeitgeberInnen aus der Region in die Lage versetzt werden, in einen verstärkten Informations- und Wissensaustausch zu Themen der Digitalisierung zu treten. Gestützt durch ein zentrales Webportal wird das Ökosystem virtuelle und physische Austausch- und Kompetenzerwerbsangebote der Universität, der regionalen ArbeitgeberInnen und externer Dienstleistende miteinander verknüpfen und so Beiträge zur weiteren Spezialisierung der IT-AbsolventInnen und zur Fachkräftesicherung schaffen.

Auf den Unterseiten erhalten Sie weitere Details zu den Angeboten von ProXLab, zur Zielstellung und Förderung und zum Netzwerk um ProXLab.