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Outline

Die Diskussion um „Netzwerke“ hat in den letzten 20 Jahren für die sozialwissenschaftlichen Disziplinen erheblich an Bedeutung gewonnen – und beschäftigt auch die erziehungswissenschaftliche und organisationspädagogische Diskussion. Netzwerke gelten als Signatur der Epoche, als Inbegriff des Innovierens und als Organisationsmuster. Ob im Kontext inner- und interorganisationaler Kooperation und „lernender Regionen“ oder hinsichtlich des Verhältnisses von Lebenswelt und Netzwerk, der Steuerung politiknaher Programme wie z.B. der „sozialen Stadt“ oder innovativer Multi-Stakehoder-Arrangements zwischen Schulen, Hochschulen und Region - Netzwerke scheinen zum Sammelbegriff politischer, wirtschaftlicher und sozialer Innovationsstrategien zu werden. In organisationspädagogischer Forschung und Praxis sind Netzwerke sowohl als Prozesse des Organisierens wie auch als sich daraus ergebende Sozialgebilde interessant. Beide Perspektiven fokussieren die Kommunikation und Koordination unterschiedlicher sozialer Einheiten (Individuen, Abteilungen, Teams, Gruppen, ganze Organisationen) als Beziehungen zwischen diesen AkteurInnen. Darüber hinaus hat sich innerhalb der Organisationspädagogik die Thematisierung und analytische Nutzung des Netzwerkbegriffs etabliert. Insbesondere damit verbundene relationale bzw. strukturanalytische Perspektiven der sozialen Netzwerkforschung stellen die Organisationspädagogik vor spannende (neue) Fragen, sowohl in der Theoriebildung und der empirischen Forschung als auch im Bereich der pädagogischen Praxis und Intervention in Organisationen. Mit der Jahrestagung zum Thema „Organisation und Netzwerke“ wird die Möglichkeit eröffnet, organisationspädagogische Forschungen und Konzepte zum Thema zu bündeln und zur Diskussion zu bringen. Mögliche Schwerpunktsetzungen bieten sich beispielhaft in den folgenden Bereichen an:

Organisations- und Netzwerktheorie

Ganz grundlegend lassen sich Organisationen ebenso wie Netzwerke als relationale Sozialgebilde begreifen. Es ist somit naheliegend, dass sich eine Reihe von Ansätzen findet, die auf theoretischer Ebene die beiden Konzepte miteinander verbinden. Dies erfolgt auf sehr unterschiedliche Weise: So lassen sich bspw. Ansätze finden, die eine Verankerung in der Organisationstheorie aufweisen und die Netzwerkperspektive in Abgrenzung zum bürokratischen, vertikal und horizontal differenzierten Organisationstypus einführen. Andere Zugänge fokussieren ausgehend von Netzwerktheorien die Auflösung gängiger Unterscheidungen (bspw. Akteur und Organisation) und entwickeln einen relationalen Ansatz des Organisierens. Weitere Analyseperspektiven untersuchen „Netzwerke“ von den spezifischen organisationalen Strukturmomenten aus und analysieren diese im Sinne einer konzeptionellen Heuristik. Die Jahrestagung lädt dazu ein, unterschiedliche Ansätze der Organisationstheorie des Netzwerks und der Netzwerktheorie der Organisation hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Organisationspädagogik zu diskutieren.

Methodologie pädagogischer Organisations- und Netzwerkforschung

Organisationsforschung und Netzwerkforschung verweisen in ihren Grundzügen teilweise auf unterschiedliche Wurzeln. Unterschiede zeigen sich beispielsweise darin, wie die Konzepte „Organisation“ und „Netzwerk“ als Analyseperspektiven in empirischen Studien genutzt werden. Dennoch lassen sich Studien, die sich mit dem Zusammenhang von Organisation und Netzwerk befassen, häufig weder explizit der Organisationsforschung noch der sozialen Netzwerkforschung zurechnen. So finden in beiden Traditionen ganz ähnliche Erhebungsmethoden Anwendung (z.B. Interviews, Ethnographien, Dokumentenanalysen). Ebenso zeichnen sich beide Forschungsfelder durch ein hohes Aufkommen der Nutzung standardisierter Forschungsmethoden aus, wobei sich in der Organisationsforschung (seit längerer Zeit) und in der sozialen Netzwerkforschung (vorwiegend im letzten Jahrzehnt) offene Zugänge etablieren. Organisationspädagogische empirische Studien arbeiten oftmals multimethodisch und triangulierend. Methodologisch relevant scheint hier etwa die Frage, was genauer unter einer pädagogischen Netzwerkforschung zu verstehen ist und wie auch die methodologische Debatte innerhalb der pädagogischen Organisationsforschung selbst weiter entwickelt werden kann.

Organisationales Lernen und Formen der Steuerung aus Netzwerkperspektive

Das Verhältnis Organisation und Netzwerk gewinnt sowohl im Bereich des interorganisationalen Lernens (etwa hinsichtlich des Lernens in und von komplexen organisationalen Arrangements), des interorganisationalen Managements (bspw. durch das Konzept der Netzwerkorganisation) als auch im Bereich der interorganisationalen Steuerung (bspw. durch Konzepte der Organisationsnetzwerke) oder durch politische, regional ausgerichtete Steuerungsprogramme (z.B. Lernende Region, Bildungslandschaften) an Bedeutung. Aus organisationspädagogischer Sicht ergeben sich hieraus Fragen, die im Rahmen der Jahrestagung diskutiert werden können: Wie und wo verlaufen Prozesse interorganisationalen Lernens? Was sind Möglichkeiten und Grenzen des interorganisationalen Lernens? Wie ist Steuerung im Netzwerk möglich? Welche Bedeutung haben relationale Steuerungsmechanismen für Formen und Ziele sowie die Gestaltung und Unterstützung von Lernprozessen in und von Organisationen? Wie können/sollten in Netzwerken Prozesse des Organisierens aus organisationspädagogischer Perspektive effektiv und human gestaltet werden? 

Netzwerkförmige Arbeits- und Organisationsformen

Flexibilität und Freiräume in Organisationen gelten heute – anders als zu Zeiten des Taylorismus und der Bürokratisierung am Anfang des 20. Jahrhunderts – in Managementtheorien als wichtige Referenzpunkte für einen strukturellen Umbau in und von z.B. Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen. Argumentiert wird mit dem immer schnelleren gesellschaftlichen und technologischen Wandel, steigenden Anpassungserfordernissen der Organisationen, der sinkenden Halbwertzeit von Wissen und neuer Kommunikationsmöglichkeiten und –formen in der „Netzwerkgesellschaft“. So finden sich zunehmend Organisationen, die einen Übergang von einer bürokratischen Organisation hin zu netzwerkförmigen und veränderungsorientierten Organisationsmustern und -prozessen anstreben. Umgekehrt sind auch Prozesse der „Organisationswerdung“ von Initiativen und sozialen Bewegungen Gegenstand organisationspädagogischer Analysen. Durch Veränderungsagenten wie Organisationsberatung und in Reformprozessen wie z.B. aktuell in öffentlichen Verwaltungen wird das Leitbild der „lernenden Organisation“ prominent vertreten. Ständige Selbstbeobachtung, das Reflektieren und Revidieren getroffener Entscheidungen hält „lernende Organisation“ stets „in Bewegung“. Vor diesem Hintergrund kann aus organisationspädagogischer Sicht gefragt werden, wie sich Übergange von „bürokratischen“ hin zu netzwerkförmigen Organisationen gestalten, welche alternativen Formen des Organisierens und Arbeitens in solchen netzwerkförmigen bzw. projektförmigen Organisationen empirisch auftauchen und welche (gesellschaftlichen) Konsequenzen dies für organisationale AkteurInnen und für AkteurInnen außerhalb der Organisation mit sich bringt.

Inter- und transnationale Perspektiven pädagogischer Netzwerkforschung

Im Zuge eines globalisierten und vernetzten Organisierens werden inter- und transnationale Perspektiven einer pädagogischen Netzwerkforschung auf Organisation in unterschiedlichen Weisen relevant: Organisationspädagogisch relevante Netzwerkforschung ist ein international diskutierter Gegenstand, womit sich Perspektiven auf eine internationale Theorie- und Literatur beziehen. Gerade transnationale Perspektiven stellen neue Impulse im Kontext der Virtualisierung von Organisationen, der inter- und transnationalen Kooperation und Unterstützung bereit. Beispielsweise neoinstitutionalistische, multi-sited ethnography und diskursorientierte Ansätze untersuchen „globally travelling ideas“ im Kontext spezifisch kultureller Bedingungen und Herstellungsmodi.

 

Outline English

The discussion around networks has become increasingly relevant for social and educational sciences over the last 20 years. The shift towards networks is regarded as paradigmatic for our present age. Networks become increasingly important in many thematic fields such as interorganizational cooperation, multi-stakeholder processes and multi-layered governance of schools, universities and the region as well as regarding the relationship between life world and network. The term „network“ seems to become a byword for political, economic and social innovation strategies.
In organizational education research and practice a network is not only considered as social entity but also as organizing process. Both perspectives focus on the communication and the coordination between individuals, divisions, teams, groups or whole organizations. Besides, the term „network“ is used as an analytical tool in organizational education. Especially, the relational perspective of social network analysis rises interesting questions for theory, research, pedagogical practice and intervention in organizations.
The annual conference opens up the possibility to discuss theoretical concepts and empirical research on the topic of organization and networks. The following topics can be raised and discussed in several theoretical, empirical, methodological and conceptual fora:

Organization and network theory

Organization as well as networks can be understood as relational entities and as a consequence, they have several theoretical approaches in common. However, these approaches have different anchors. In organizational theory the term network is used to draw a dividing line between a bureaucratically, vertical and a horizontal model of organization. Other approaches aim at dissolving conventional distinction (e.g. between actor and organization) and develop a relational approach of organizing and yet others use heuristics to analyse structural process.
The annual congress invites to discuss different approaches of organization theory and network theory against the backdrop of organizational education.

Methodology of organizational education and network research

Organizational education and network research have a partly different theoretical foundation. There is a different usage of the concepts „organization“ and „network“ within empirical studies. However, studies with a focus on the relationship between organization and network can often not explicitly be assigned to either organizational or social network research. Similar methods of data collection are used in both research fields. Many studies rely on standardised methods. However, in organisational sciences as well as more recently in social network analysis, qualitative approaches have been established (e.g. interviews, ethnographical approaches or document analysis). Besides, empirical studies develop mixed method research designs for organisational education research. Methodologically relevant questions are: What can be understood by an educational network research and how can we further develop this approach within organisational education?

Organisational learning and forms of network governance

The relationship between organization and network has gained relevance within the research fields of interorganizational learning, management and governance. The following questions can be relevant in the perspective of organizational education research: How and where does interorganizational learning takes place? What are the possibilities and limitations of interorganizational learning? How is control within networks possible? What is the role of relational control mechanisms regarding the composition of learning processes within and of organizations? How should/ can we make the process of organising both effective and humane within networks?

Network-like forms of work and organisation

Flexibility and the freedom in decision making and acting within organizations have become an important factor for the structural renovation in and of companies or public institutions. Against the backdrop of the need of organization to adjust to rapid technological and social change, to the shortening half-life of knowledge and to the developments of information and communication technologies in the network society, it becomes more attractive for organizations to experiment with network-like forms of organizing beyond the model of the bureaucratic organization. The other way around, we see initiatives and social movements transforming into formal organizations to gain influence by participating in power structures. Both transformations of collective actions into more formal or network-like organization are in the focus of organisational education. Especially the concept "learning organization" is discussed to express the institutionalisation of constant organizational change by reflection and annulment of decisions taken. Questions for organizational education might focus on the transition from bureaucratic to network-like organizations and vice versa, the alternative forms of organising and working in such network-like or partial organizations and the effect of those new forms of organisation for individual lives.

Inter- and transnational perspectives on organizational education and networks

Inter- and transnational perspectives on organization are becoming more relevant as organizations are increasingly globalised and networked. Network research within organizational education opens up inter- and transnational perspectives to research on the virtualisation of organizations as well as the support and cooperation across countries. Neoinstitutionalism, multi-sided ethnography, discourse analysis and other research approaches are further developed to investigate the fabrication of „globally travelling ideas“.