Armut und Klassismus in kindheitspädagogischen Organisationen ethnographisch erforschen
Abstract
Bei Armut und Klassismus handelt es sich um multidimensionale Phänomene, deren Erforschung für eine differenz- und ungleichheitserforschende Kindheitspädagogik an Relevanz gewinnen. Der vorliegende Beitrag erkundet, inwiefern sich die ethnographische Forschung in besonderer Weise eignet, um Armut und Klassismus in kindheitspädagogischen Organisationen empirisch zu erschließen.
Ethnographien zeichnen sich durch die flexible Handhabe verschiedenster Methoden und eine offene Forschungshaltung aus; bringen aber auch durch ihre methodologischen Herkunftslinien und ihre Fokussierung auf die Mikroebene zahlreiche Setzungen mit sich, welche zur Reifizierung von Differenzen, Kulturalisierung von Armut und Klasse, zu Individualisierung von strukturellen Ungleichheitsverhältnissen sowie zur Universalisierung machtvoller (Fremd-)Deutungen der Forschenden führen können. Bezugnehmend auf eine ethnographische Studie (Kerle, 2023) und entlang ausgewählter Materialauszüge aus einer teilnehmenden Beobachtung und einem Feldgespräch werden diese Aspekte reflektiert und Potenziale und Grenzen einer klassismusreflektierenden Ethnographie zu Armut in kindheitspädagogischen Organisationen formuliert. Dadurch werden in diesem Beitrag methodologische und methodische Übersetzungen zu Klasse (verstanden als strukturelles Ungleichheitsverhältnis) für kindheitspädagogische Forschungen angeboten, sowie konkrete Einblicke in einen ethnographischen Forschungsprozess und die Forschungspraxis sowie damit einhergehender Reflexionen geleistet.
DOI 10.18442/falki-8-1-3
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