Sport in der dunklen Jahreszeit – Gründe für den Winter Arc

Donnerstag, 18. Dezember 2025 – 08:52 Uhr
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Auf TikTok sieht man die Videos zum sogenannten Winter Arc* seit dem Spätsommer – motivierte Menschen wollen die Zeit von Oktober bis Januar nutzen, endlich den gesunden Lifestyle für sich zu etablieren, den sie sich immer gewünscht haben. Das Ziel? Gesund und fit ins neue Jahr zu starten. Ein Gespräch mit Prof. Dr. Peter Frei aus der Sportwissenschaft darüber, was man eigentlich fürs eigene Wohlbefinden tun kann, wenn es draußen kalt und dunkel wird. Spoiler: Einfach gemütlich chillen ist keine Antwort.

Herr Frei, was können wir in der dunklen Jahreszeit machen, um fit zu bleiben?

 

Ich sag‘s mal etwas uncharmant, aber ich meine es gar nicht uncharmant. Wir wissen ja eigentlich, dass die dunkle Jahreszeit, die eigentlich auch gar nicht so dunkel ist, jedes Jahr kommt. Deshalb bringt die keine Legitimation mit sich, zu sagen: „Jetzt ruh ich mich aus.“ Stattdessen ist das jetzt genau die Zeit, in der man seiner sozialen und mentalen Einheit etwas Gutes tut, indem man sich bewegt. Jetzt werden die Grundlagen dafür geschaffen, das neue Jahr frohen Mutes und motiviert zu starten. Denn wenn man in der dunklen Jahreszeit die Bewegung vernachlässigt, trägt man die Kosten bis weit ins neue Jahr hinein. 

 

Dann ist der Winter nicht geeignet, um zur Ruhe zu kommen?

 

Doch, aber das zur Ruhe kommen würde ich auf mentale Aspekte beziehen. Es tut uns allen ganz gut, mal durchzuatmen. Aber was das körperliche Befinden anbelangt und die körperlichen Bedürfnisse, die hören nicht auf, nur weil Winter ist. Da muss man aktiv was tun.

 

Haben Sie Vorschläge, wie das gelingen kann?

 

Das Wichtigste ist, regelmäßig, also zwei- bis dreimal pro Woche rauszugehen und etwas Herz-Kreislauf-Aktivierendes zu tun. Das muss nicht zwingend Laufen oder Fahrradfahren sein. Es hilft zum Beispiel schon ein bisschen schneller zu gehen, etwa einen längeren, schnellen Spaziergang zu machen. Damit setzt man einen Reiz, der total fit hält, oder aber wenn man ihn bisher nicht gesetzt hat, fit machen kann. Das kriegt jede*r ganz gut hin und danach kann man sich ja trotzdem mit einem Glühwein einmuckeln. 

Noch besser ist es natürlich, wenn man sich, soweit beruflich oder sozial organisierbar, mehrmals pro Woche eine halbe bis dreiviertel Stunde Auszeit nimmt und aktiv in Bewegung investiert.

 

Wie könnte das zum Beispiel aussehen?

 

Das kann Indoor-Bewegung sein, das können Übungen mit dem eigenen Körpergewicht oder Kraftübungen sein. Am besten macht man das zwei- bis dreimal pro Woche. Es ist unfassbar, wie schnell diese Anpassungsprozesse angeschoben werden, wenn man das regelmäßig macht und wie nachhaltig die dann sind.

Eine kleine Bewegungseinheit kann man in Gesellschaft machen oder abends vor dem Fernseher. Das ist schnell gemacht und wirklich nicht kompliziert.

 

* Der Winter Arc kommt aus der Fitnessszene. Der englische Begriff ‚Arc‘ bezieht sich auf den Handlungsbogen und entstammt der Erzähltheorie. Es handelt sich also um eine Art Metapher, in der man selber die Hauptfigur der eigenen Geschichte ist und die Handlung aktiv in die Hand nehmen kann. 

Philo Schäfer