Norbert Bischof

Der Fachbereich Erziehungs- und Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim verleiht Prof. Dr. Norbert Bischof die Ehrendoktorwürde

Präsident Prof. Dr. Friedrich, Dekan Prof. Dr. Borsche, Ehrendoktor Prof. Dr. Bischof, Doris Bischof-Köhler, Prof. Dr. Greve, Prof. Dr. Wolff
Präsident Prof. Dr. Friedrich, Dekan Prof. Dr. Borsche, Ehrendoktor Prof. Dr. Bischof, Doris Bischof-Köhler, Prof. Dr. Greve, Prof. Dr. Wolff

09. Juni 2004

Ehrenpromotion für bedeutenden Psychologen

Der Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften der Universität Hildesheim hat am 9. Juni in einer Feierstunde die Ehrendoktorwürde an Prof. Dr. Norbert Bischof verliehen. Er ehrt damit einen herausragenden, international renommierten Wissenschaftler und eine große Forscherpersönlichkeit, der sich um die Innovation, um eine die Fachgrenzen überschreitende Weite des Blicks und um die selbstkritische Diskussion in der Psychologie besondere Verdienste erworben hat. Norbert Bischof hat die deutschsprachige Psychologie weit über seine zahlreichen und wertvollen Beiträge zum Fach hinaus vor allem durch seine grundlegenden Denkanstöße geprägt und gefordert. Sein Anliegen war es insbesondere, das Nachdenken über das Arbeits- und Forschungs­verständnis der Disziplin zu fördern und zu fordern. Hierfür erhielt er im letzten Jahr gemeinsam mit seiner Frau, Doris Bischof-Köhler, den Deutschen Psychologiepreis, die höchste Auszeichnung, die das Fach zu vergeben hat.

Präsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich und Dekan Tilman Bosche begrüßten in Norbert Bischof einen international renommierten Gelehrten. In seiner Laudatio hob Professor Dr. Stephan Wolff vom Institut für Sozialpädagogik der Universität Hildesheim die besondere Originalität und Kreativität des lebenslangen Schaffens von Professor Bischof hervor, der, 1930 geboren, nach verschiedenen Stationen in Deutschland und den USA lange Jahre in Zürich gelehrt und geforscht hat und heute als Honorarprofessor in München arbeitet. Seine Beiträge hätten die psychologische Grundlagenforschung in vielen wichtigen Fragen vorangebracht, die etwa die Organisation der Wahrnehmung oder die Regulation von Emotionen und Motivation betreffen. Professor Bischof, ein „bekennender Außenseiter“, könne durch seine oft unkonventionelle, aber stets höchsten professionellen Maßstäben genügende Arbeit für den inhaltlichen Anspruch für wissenschaftliche Arbeit ein Vorbild sein. Gerade die Disziplin überschreitende Perspektive und Kompetenz, die Professor Bischof auszeichne, könne für die Zusammenarbeit der an der Universität Hildesheim vertretenen Fächer Modellcharakter haben: Angesichts einer starken Tendenz zu immer feinkörniger Spezialisierung von Wissenschaften sei der Mut, mit dem Professor Bischof quer zu vorgegebenen Kategorien gear­bei­tet und gedacht hat, beispielhaft. Darüber hinaus setze er auch durch seine eindrucksvolle Kunstfertigkeit, Klarheit und Plausibilität seiner Argumentation mit einer intellektuell und ästhetisch ansprechenden und anregenden Präsentation zu verbinden, nicht nur für die Universität Hildesheim Maßstäbe.

Professor Bischof, der unter anderem auch bei dem berühmten Verhaltensforscher Konrad Lorenz gearbeitet hat, zeigte in seinem lebendigen und faszinierenden Festvortrag zur Spannung zwischen dem Bedürfnis nach fester Bindung und der Notwendigkeit von Loslösung und Selbstständigkeit, dass psychologische und biologische Perspektiven nur gemeinsam Antworten auf schwierige Frage der Gestaltung menschlicher Beziehungen geben können. In einem breiten und dichten Überblick über seine disziplinäre Forschung zeigt er, dass sowohl die Formel „Gegensätze ziehen sich an“ als auch die Weisheit „Gleich und gleich gesellt sich gern“ jeweils gute biologische und psychologische Gründe hätten. Die Spannung zwischen beiden auszuhalten und in einem angemessenen Maße beide Maximen zu ihrem Recht kommen zu lassen, sei uns Menschen aufgegeben, wenn menschliches Leben und Zusammenleben gelingen solle.