Zum Projektabschluss von Digital C@MPUS-le@rning: Was bleibt und wie es weitergeht

Freitag, 20. März 2026 - 07:32 Uhr
Collage mit Fotos, auf denen Personen mit VR-Brillen und Laptop. sowie Handydisplays zu sehen sind

Mit dem Jahresende 2025 ist das Projekt Digital C@MPUS-le@rning an der Universität Hildesheim offiziell zu Ende gegangen. Gefördert von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL), hat es in den vergangenen Jahren Impulse für digitale Lehre, kollegiale Beratung und nachhaltigen Transfer gesetzt. Vieles wird weiter wirken: In neuen Strukturen, erprobten Formaten und einem gewachsenen Netzwerk für die Hochschullehre der Zukunft.

Ein Raum zum Ausprobieren

Digital C@MPUS-le@rning verstand sich als Experimentierraum. Lehrende, Mitarbeitende und Studierende konnten neue didaktische Ansätze, digitale Anwendungen und Formen der Zusammenarbeit erproben – auch mit dem Wissen, dass nicht jede Idee sofort perfekt funktionieren muss: „Das Projekt war für uns ein Raum, in dem wir ausprobieren konnten, welche Formate und Methoden funktionieren – und welche nicht. Genau darin lag eine große Stärke“, erklärt Dr. Karsten Senkbeil, der mit seinem Team den Einsatz von Virtual- und Mixed-Reality-Formaten getestet und beforscht hat. Dr. Sanne Ziethen, im Projekt zuständig für didaktische Beratung, Transfer und Kommunikation ergänzt: „Es war ein Luxus, Ideen testen zu können. Dadurch konnten wir Erfahrungen sammeln, die über das Projekt hinaus Bestand haben.“ Diese Erfahrungen sind heute ein wesentlicher Ertrag des Projekts. Sie zeigen, welche digitalen Formate in der Hochschullehre tragfähig sind, welche Unterstützungsstrukturen Lehrende und Studierende benötigen und wie sich gute Ideen über einzelne Fächer hinaus an der Universität und darüber hinaus verbreiten lassen. „Da knüpfen wir jetzt gemeinsam an“, sagt Senkbeil.

Von Einzelaktivitäten zu gemeinsamer Entwicklung

Ein weiterer wichtiger Schritt des Projekts bestand darin, viele bereits vorhandene Einzelaktivitäten besser miteinander zu verbinden. Bis 2020 war die Digitalisierung der Lehre an der Universität Hildesheim vor allem durch innovative Einzelprojekte geprägt. Mit Digital C@MPUS-le@rning wurden diese Aktivitäten systematischer miteinander vernetzt und weiterentwickelt.

Das Projekt gliederte sich in vier Bereiche: SELF-le@rning, VIRTUAL-le@rning, CO-le@rning und Transfer. Daraus entstanden vielfältige Angebote: Von einer digitalen Selbstlernplattform, über Konzepte für Virtual- und Augmented-Reality bis hin zu Formaten für digitale Zusammenarbeit, Beratung und Wissenstransfer. Zu den konkreten Ergebnissen gehört im Bereich SELF-le@rning eine digitale Selbstlernplattform mit modularen Lerninhalten, die selbstreguliertes Lernen unterstützt und sich in die Lehre integrieren lässt. Im Bereich VIRTUAL-le@rning wurden Konzepte entwickelt, wie Virtual Reality und Augmented Reality in Lehrveranstaltungen eingesetzt werden können, etwa im Fremdsprachenlernen, in internationalen und interkulturellen Lehrsettings oder im Chemielabor. CO-le@rning widmete sich digitalen Formen der Zusammenarbeit, zum Beispiel durch die Einrichtung des hochschulinternen sozialen Netzwerks HilNet, den Einsatz von Projektmanagement-Tools oder Konzepten zu kollaborativer Zusammenarbeit, zum Beispiel beim Lesen und Schreiben. Im Transferbereich wurden unter anderem die le@rning-LOTSEN aufgebaut – studentische Mitarbeitende, die als Bindeglied zwischen Hochschuldidaktik und Lehrenden wirken, beraten und Austausch- und Workshopformate wie die Projektkommunikation mitgestaltet haben.

Zu den zentralen Erfolgen von Digital C@MPUS-le@rning gehört die stärkere Vernetzung innerhalb der Universität. „Wo zuvor vielfach parallel gearbeitet wurde, sind heute Austausch, Kooperation und gemeinsame Weiterentwicklung stärker verankert“, betont Birgit Oelker, Projektkoordinatorin, Servicestelle digitale Lehr-Lernformate. „Durch das Projekt ist mehr Struktur entstanden und vor allem das Wissen, wer woran arbeitet. Man kennt sich jetzt und kann gemeinsam weitergehen.“ Diese neue Zusammenarbeit wirkt über das eigentliche Projekt hinaus. Viele Materialien, Konzepte und Unterstützungsangebote wurden so aufbereitet, dass sie auch in anderen Fächern, an anderen Hochschulen und in weiteren Bildungseinrichtungen genutzt werden können. Prof. Dr. Jürgen Sander, Projektleiter und Vizepräsident für Studium, Lehre und studentische Belange, unterstreicht die Bedeutung dieses Transfers: „Damit reicht die Wirkung des Projekts deutlich über die Universität Hildesheim hinaus. Die Strahlkraft des Projekts ist spürbar – intern wie extern. Viele der entwickelten Konzepte sind anschlussfähig und können in anderen Bereichen weitergenutzt werden.“

Dauerhafte Strukturen etablieren

Als zusätzliches Ergebnis der Projektarbeit ist im Universitätsverlag der Sammelband Innovative Hochschullehre auf dem digitalen Campus erschienen. Er bündelt didaktische Konzepte, praxisnahe Einsatzszenarien und empirische Erfahrungen aus dem Projekt und macht deutlich, wie sich Hochschullehre im digitalen Zeitalter verändert. Neben den inhaltlichen Ergebnissen sind dauerhafte Strukturen entstanden. Zentral ist die Servicestelle digitale Lehr-Lernformate (SdLL), die im Projektkontext entwickelt und verstetigt wurde. Sie wird Lehrende auch künftig bei der Weiterentwicklung digitaler Lehrformate unterstützen. Hinzu kommt das le@rningLAB am Hauptcampus (Raum I.0.10), ein moderner Co-Working-Space und Lehrraum, in dem neue Tools ausprobiert und gemeinsame Arbeitsformen erprobt werden können. „Aus projektbezogenen Entwicklungen sind dauerhafte Strukturen geworden“, fasst Ziethen zusammen. „Das hilft uns, digitale Lehre nicht nur punktuell, sondern nachhaltig weiterzuentwickeln.“

Wie geht es jetzt weiter? 

Mit dem offiziellen Ende des Projekts ist die Arbeit keineswegs abgeschlossen. Viele der entwickelten Produkte werden bereits weiter genutzt, etwa die Selbstlernplattform im neuen StIL-Verbundprojekt save_u gemeinsam mit der Universität Marburg oder die Transfer-Checkliste zur systematischen Begleitung von Transferprozessen in der digitalen Lehre. Im Mittelpunkt steht nun vor allem die weitere Arbeit in der SdLL sowie die Verstetigung gewachsener Netzwerke und Expertisen. „Ebenso wichtig bleibt die Vernetzung, die im Projekt entstanden ist, innerhalb der Universität ebenso wie über Hochschulgrenzen hinweg für eine intensive Zusammenarbeit“, sagt Sander. „Auf niedersächsischer Ebene haben Digital C@MPUS-le@rning und das parallel eingeworbene Verbundprojekt SOUVER@N einen Grundstein für gelungene Vernetzung der Landeshochschulen im Rahmen von Hochschule.digital Niedersachsen gelegt. Dass wir uns inzwischen untereinander kennen und deutlich stärker als zuvor auf vorhandene Expertise aufbauen können, ist vielleicht eines der wichtigsten Ergebnisse des Projekts. Diese Vernetzung hat Bestand – und sie ist die Grundlage für die nächsten gemeinsamen Schritte.“

Digitale Lehre der Zukunft – mit Künstlicher Intelligenz 

Ein wichtiger Zukunftsaspekt wird der Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) in Studium und Lehre sein. „Als Digital C@MPUS-le@rning 2021 begann, spielten generative KI-Systeme wie ChatGPT in der Hochschullehre noch kaum eine Rolle. Inzwischen ist klar, dass KI die Lehre weiter grundlegend verändern wird,“ erklärt Oelker. „Das Projekt war zu Beginn noch KI-frei“, ergänzt Senkbeil. „Heute sehen wir, dass Künstliche Intelligenz die digitale Lehre noch einmal grundlegend neu prägen wird. Für diese nächsten Entwicklungen haben wir jetzt eine gute Ausgangsbasis.“

So endet Digital C@MPUS-le@rning zwar als Projekt, nicht aber als Impulsgeber. Es hat gezeigt, wie digitale Hochschullehre durch Experimentierfreude, Zusammenarbeit, Reflexion und nachhaltige Strukturen weiterentwickelt werden kann: erprobt, bewährt und anschlussfähig.

Weitere Informationen

Hier geht es zum Sammelband: Innovative Hochschullehre auf dem digitalen Campus - Universität Hildesheim

Hier geht es zum Projekt Digital C@MPUS-le@rning: Digital C@MPUS-le@rning - Universität Hildesheim

Hier gibt es einen Abschlussfilm mit Stimmen von Projektpartner*innen zum Projekt: Erprobt - bewährt - anschlussfähig. Stimmen zum Projekt Digital C@MPUS-le@rning. auf Vimeo

Hier gibt es mehr Infos zur SdLL: Unterstützung für digitale Lehre – Die Servicestelle digitale Lehr- und Lernformate (SdLL) - Universität Hildesheim

Hier gibt es mehr Infos zum Verbundprojekt save_u: save_u - Universität Hildesheim