Zeit zu feiern - 15 Jahre KEA

Montag, 14. September 2026 - 11:43 Uhr

Im Jahr 2011 ging es los: Das Projekt KEA (Kinder entwickeln alltagsintegriert Sprache) an der Universität Hildesheim startete. Seither sind 15 Jahre vergangen, die von Weiterentwicklung, Wertschätzung und Zusammenarbeit geprägt sind. Zum Jubiläum blickt Dr. Ann-Katrin Bockmann, Leiterin von KEA, zurück.

Kurz und knapp: Was ist KEA? 

„Mit KEA unterstützen wir 180 Kindertageseinrichtungen (Kitas) in und um Hildesheim im Hinblick auf die sprachliche Bildung und Förderung der Kinder. Dazu haben wir ein Fort- und Weiterbildungsangebot entwickelt und führen Beratungen und Coachings durch. Sprache ist ein Schlüssel auf dem Weg zu einem erfolgreichen Bildungs- und Lebensweg. Die Unterstützung der Sprachentwicklung von Kindern und die Unterstützung der Fachkräfte bei dieser Aufgabe, sind unsere wichtigsten Anliegen. Darüber hinaus ist KEA forschend tätig – wir arbeiten mit Forschungseinrichtungen wie dem Kompetenzzentrum frühe Kindheit, der HAWK und der PH Heidelberg zusammen und binden die Erfahrungen aus der Praxis in die wissenschaftliche Arbeit ein. In Zusammenarbeit mit KEA entstehen daraus vielfältige Abschlussarbeiten und Publikationen, wie Lehr- und Überblickswerke und Veröffentlichungen zu Sprachentwicklung, Mehrsprachigkeit und Teilhabe.“

Was hat sich in 15 Jahren KEA verändert? 

„Die Fort- und Weiterbildungsangebote sind individuell auf die Teams in den Kitas zugeschnitten und durch die Anbindung an die Universität wissenschaftlich fundiert. Seit einigen Jahren trägt KEA das Gütesiegel Frühkindliche Bildung, das uns als anerkannten Träger der Erwachsenenbildung zertifiziert. Die Themen sind vielfältig: Eingebettet in den Rahmen der Sprachbildung kamen unter anderem Aspekte wie Verhaltensauffälligkeiten, Emotionen, Raumgestaltung, Entspannung mit Kindern, Umgang mit Kindern mit Fluchterfahrungen und Beziehungsgestaltung hinzu. Das KEA-Team selbst ist interdisziplinär: Wir setzen uns zusammen aus Sozialpädagogik, Sozialer Arbeit, Psychologie, Psychotherapie und Logopädie. KEA kooperiert eng mit dem medizinisch-therapeutischen Versorgungssystem in Hildesheim, darunter die Hochschulambulanz, Kinderärzt*innen und Logopäd*innen. Seit 2016 organisieren wir das überregionale Netzwerk Sprachbildung und -förderung mit Beteiligung des Kultusministeriums. Hinzu kommen Materialien für Fachkräfte, der KEA-Podcast und verschiedene wissenschaftliche Publikationen. 2025 ging das Projekt KEA für Eltern an den Start, das nochmal spezifisch die Eltern in den Blick nimmt, sie berät und ihre Interaktionskompetenz mit den Kindern stärkt. Anlässlich des Jubiläums steht am 29. September von 9 Uhr bis 15 Uhr ein Fachtag an, zu dem wir alle pädagogischen Fachkräfte aus Stadt und Landkreis Hildesheim eingeladen haben. Der Fachtag findet erneut in Kooperation mit dem nifbe (Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung e.V.) statt. Unter dem Motto Zusammen ist man weniger allein widmen wir uns der Stärkung von Zugehörigkeit und Verbundenheit in Kita-Gruppen.“

Was ist das wichtigste Learning? 

„Damit Wissenschaft und Praxis dauerhaft zusammenkommen, braucht es lebendige Netzwerke und eine Konstante. Dass KEA nun bereits seit 15 Jahren besteht, ist recht ungewöhnlich, aber umso wertvoller. Durch die langjährige Zusammenarbeit entsteht Vertrauen, das gemeinsame Entwicklung ermöglicht und die Arbeit erleichtert. Daraus ergibt sich aber auch eine moralische Verpflichtung für uns als KEA-Team, sorgsam mit dem Vertrauen umzugehen. Wenn wir Wissen in die Praxis vermitteln wollen und dieses verstanden werden soll, müssen wir Dinge erklären und verständlich kommunizieren, aber auch die Grenzen von aktuellem Wissen benennen.“

Was war der schönste KEA-Moment? 

„Es gibt eine ganze Liste an schönen Momenten. Kinder sprechen zu hören, die am Anfang kaum oder sogar gar nicht sprechen konnten, erwärmt jedes Mal das Herz. Aber auch die Eltern, die oft an sich zweifeln und durch KEA lernen, dass sie keine schlechten Eltern sind und Hoffnung schöpfen, sind großartige Momente. Insgesamt ist viel Wertschätzung und Verständnis für die Relevanz unserer Arbeit da, was schön zu erleben ist.“

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von KEA? 

„Zukünftig würden wir gerne noch verstärkter interdisziplinär arbeiten und das Netzwerk verstetigen. Auch internationale Kooperationen könnten spannend sein: Wie gehen beispielsweise Einrichtungen in Schweden mit Sprachbildung in ihren Familienzentren um und erreichen 96% aller Eltern? Gleichzeitig kann KEA ein Leuchtturm sein und das Wissen in ganz Niedersachsen weitergeben, sodass noch mehr Familien und Fachkräfte profitieren können. Wichtig wird aber auch werden, die Themen zu erkennen, die aktuell uns alle beeinflussen und in deren Rahmen Sprachbildung und -förderung erfolgen. Wir beobachten zum Beispiel gerade, dass die Themen Einsamkeit und Ungewissheit immer zentraler werden. Wir müssen zusammenarbeiten und neue Ideen entwickeln, um gemeinsam eine gute Zukunft für Kinder, Eltern und Fachkräfte zu schaffen.“

Mehr zu KEA gibt es hier.

Am Samstag, 26. September gibt es auf der Meile der Demokratie in der Hildesheimer Fußgängerzone zudem die Möglichkeit, das Team von KEA für Eltern am Stand der Universität Hildesheim kennenzulernen. Dabei stehen Mitmach-Aktionen wie eine Wunsch-Tapete, Klammerspiele zum Einordnen von Eltern-Kind-Alltagssituationen und ein Papp-Haus zum Bekleben zur Verfügung. Bilderbücher und Erklärboards unterstützen bei der kindgerechten Erklärung von Demokratiebegriffen.