Wissenschaftliches Arbeiten: Es geht um mehr als um Noten

Sonntag, 28. Februar 2016 um 13:00 Uhr

Ein Team des Lese- und Schreibzentrums gibt Tipps rund um Lese- und Schreibtechniken. Studierende aller Fachbereiche können sich am Bühler-Campus über Strategien für das wissenschaftliche Arbeiten informieren. Nachgefragt bei einer Studentin aus den Hildesheimer Kulturwissenschaften.

„Arbeite ich auf eine Deadline hin oder interessiert mich auch, was ich tue? Ich finde es wichtig, für sich selbst einen persönlichen Fortschritt anzustreben, es geht um mehr als um eine Note", sagt Helene Timm. Sie studiert an der Universität Hildesheim Kulturwissenschaften. Wenn sich Aufgaben stapeln ist es gut, sich auf den Moment zu konzentrieren. „Auf das, was man in dem Moment schaffen kann." Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Nachtschicht am Laptop – aber nicht allein. Aufgeschobene Hausarbeiten endlich anpacken oder begonnene abschließen: Während der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten am Donnerstag, 3. März 2016, geben Fachleute in der Universitätsbibliothek Tipps rund um das wissenschaftliches Arbeiten [mehr Infos untenstehend].

Das Team des Lese- und Schreibzentrums am Bühler-Campus ist jede Woche ansprechbar und unterstützt Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche mit Recherchehilfen und Beratung. Studentische Schreibberaterinnen und Schreibberater helfen mit Tipps zu Schreibtechniken. Studierende können einfach einen Termin vereinbaren (E-Mail an: schreibtutoren[at]uni-hildesheim.de).

Wissenschaftliches Arbeiten – Nachgefragt bei einer Studentin aus den Kulturwissenschaften

Helene Timm studiert an der Universität Hildesheim im 3. Bachelorsemester Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis mit den Fächern Literatur und Medien. Die 21-jährige Rostockerin hat sich für die Studienvariante „Kulturpolitik im internationalen Vergleich" entschieden. Sie nimmt an der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten teil. Ein Gespräch im Burgtheater auf dem Kulturcampus.

Wie gehst du mit dem Berg an Aufgaben um?

Helene: Ich kann gut unter Druck arbeiten, wie wahrscheinlich viele Menschen, die kurz vor der Abgabefrist ihre Projekte erledigen. Dabei ergibt sich dann oft eine Phase, in der ich besonders intensiv an einem Thema arbeite und völlig in die Materie einsteige. Mich motiviert es, auch im Team zu arbeiten. Durch das Diskutieren des Themas werden einem meist nochmal neue Aspekte bewusst.

Woran arbeitest du gerade, was musst du derzeit schaffen?

Das reicht von der Themenfindung für eine Hausarbeit zu Design und Dingen bis hin zu einer Holzskulptur, wo ich ganz handwerklich arbeite und direkt Fortschritte sehen kann. Dann schließe ich gerade ein Interview-Seminar ab: Jeder in unserer Gruppe hat Menschen während Mitfahrgelegenheiten zu Mobilität und Flexibilität  interviewt. Dafür sprechen wir gerade unsere eigenen Gedanken zum Thema in Monologform im Studio ein. Die Interviews und Monologe betten wir dann online in eine Karte ein. Wenn man auf die Strecke klickt, die wir gefahren sind, hört man die persönlichen Geschichten.

Dann arbeite ich noch an einer Forschungsstudie im interkulturellen Kulturmanagement mit. Hierfür habe ich internationale Expertinnen interviewt. Um unter anderem herauszufinden, inwieweit sich Kulturmanagement in einzelnen Ländern unterscheidet und wie man zukünftige Zusammenarbeiten verbessern kann. Dabei mussten wir uns neben den Inhalten genauso mit den Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens auseinandersetzen: Wie baut man so eine Studie überhaupt auf, wie erfasst man Dinge, wie wertet man seine Daten aus?

Hast du das Gefühl, du hast einen Berg an Aufgaben vor dir oder ist das zu schaffen?

Es stapelt sich schon in diesen letzten Wochen vor den Abgabefristen. Wahrscheinlich ist es wichtig, sich auf den Moment zu konzentrieren, was man in dem Moment schaffen kann. So ist es am besten machbar, indem man sich jeden Tag ein paar Aufgaben vornimmt, die man angeht. Ich finde es auch immer gut, wenn man sich mit Leuten verabredet, ein Ziel vor Augen hat, das gemeinsam durchzieht und aus dem Tag einen workspace entstehen lässt. Wir kochen zum Beispiel auch gemeinsam. Ich glaube, das motiviert manchmal mehr, als wenn man sich alleine an den Schreibtisch setzt.

Und was willst du verändern?

Ich könnte die Morgende noch mehr als Arbeitszeit in Anspruch nehmen. Ich verlagere sehr viele Dinge auf nachts, was für kreative Prozesse ziemlich gut funktioniert, aber für Strukturierungsarbeiten nicht so sehr. Trotzdem bin ich eher der Nachtmensch.

Dein Ratschlag an andere Studierende?

Ich glaube, das ist für jeden ganz unterschiedlich. Ich finde es wichtig, dass man sich im Klaren ist, welche Motivation dahinter steckt, warum man das Projekt, die Hausarbeit, die Prüfung macht. Arbeite ich auf eine Deadline hin oder interessiert mich auch, was ich tue? Ich finde es wichtig, für sich selbst einen persönlichen Fortschritt anzustreben, es geht um mehr als um eine Note.

Die Fragen stellte Isa Lange

Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Das Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim lädt Studierende aller Fachbereiche in Kooperation mit der Universitätsbibliothek zur Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten ein. An über 50 Universitäten und Hochschulen im deutschsprachigen Raum und in den USA und zum Beispiel in Singapur treffen sich seit 2011 einmal im Jahr tausende Studierende, um gemeinsam zu schreiben, aufgeschobene Arbeiten endlich anzupacken oder begonnene abzuschließen.

Auch Hildesheim ist dabei – das Lese- und Schreibzentrum und die Universitätsbibliothek unterstützen Studentinnen und Studenten mit Lese- und Schreibberatung, Recherchehilfen, Schreibtischsport und Snacks. Es gibt eine Nachtwanderung, eine Methoden-Bar und Chill-Out-Zone, eine Twitter-Wall in die anderen Schreibzentren und Bibliotheken. Die Lange Nacht findet in Hildesheim am Donnerstag, 3. März 2016, von 20 Uhr bis 02 Uhr in der Universitätsbibliothek am Hauptcampus statt.

Das Team des Lese- und Schreibzentrums unterstützt Studentinnen und Studenten mit Lese- und Schreibtechniken, Beratung, Feedback und Motivationsschüben. Die Bücher der Universitätsbibliothek stehen als Recherchehilfen vor Ort zur Verfügung. Das Team der Uni-Bibliothek unterstützt Studierende bei der Literaturrecherche.

Außerdem geben Lehrende Einblicke in ihre aufgeschobenen Projekte und verraten, wie sie mit Schreibblockaden umgehen. Während des „Schreibtalks“ (um 20:15 Uhr) sprechen zum Beispiel die Literaturwissenschaftlerin Prof. Irene Pieper und der Sportwissenschaftler Dennis Wolff über ihre Schreiberfahrungen – von der ersten Hausarbeit bis zur liebsten Aufschiebestrategie. „Die Studierenden sollten auf diese Weise einen Eindruck davon bekommen, dass wir alle mal klein angefangen haben, dass Schreiben auch mit mehr Schreiberfahrung durchaus mal mühsam sein kann und Austausch helfen kann“, sagt Jana Zegenhagen.