Wie klingt die Zukunft? Neuer Masterstudiengang geht an den Start
Mittwoch, 22. Juli 2026 - 13:33 Uhr
Der neue internationale transdisziplinäre Masterstudiengang Future Analytics: AI & Audio Worlds bringt Studierende aus den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI), Data Science, Mu-sik(-wissenschaft), Sound Studies und Kulturwissenschaften zusammen. Ab Sommersemes-ter 2027 erforschen sie gemeinsam, wie sich KI und auditive Kulturen gegenseitig bedingen, formen und miteinander in Konflikt geraten – und wie Zukünfte verantwortungsvoll gestal-tet werden können. Damit entsteht ein Studienangebot, das diese Fachbereiche erstmals in einem gemeinsamen, transdisziplinären Masterstudiengang zusammenführt.
Generative Musik, algorithmische Empfehlungssysteme, synthetische Stimmen oder KI-Systeme verändern Medien, Kommunikation und gesellschaftliche Praxis. Der Masterstudiengang greift diese Entwicklungen auf und untersucht ihre technologischen, kulturellen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Studierende lernen, Zukunftsfragen analytisch zu verstehen, kritisch zu reflektieren und aktiv mitzugestalten.
Zukunftskompetenzen für komplexe Herausforderungen
Die Studierenden erwerben sowohl vertiefte Kenntnisse im eigenen Fachgebiet als auch Kompetenzen im jeweils anderen Bereich. Sie lernen, komplexe Probleme zu analysieren, mit Unsicherheit umzugehen, interdisziplinär zu kommunizieren und innovative Lösungsansätze zu entwickeln. Musiker*innen lernen zu programmieren – Informatiker*innen beschäftigen sich mit Musik- und Audiogestaltung. Forschungskompetenz, kritisches Denken, Datenkompetenz, Kreativität und Reflexion entlang kritischer gesellschaftlicher sowie wissenschaftlicher Diskurse bilden dabei ein stimmiges Gesamtkonzept. Dabei versteht der Studiengang Zukunft nicht als feststehenden Zustand, sondern als offenen Aushandlungsraum, in dem sich Handlungsmacht zwischen Menschen, Maschinen, Daten und Institutionen kontinuierlich verschiebt (shifting agencies). Studierende setzen sich mit der Frage auseinander, wie KI unsere Hör- und Klangwelten verändert und welche Verantwortung Entwickler*innen dafür tragen, wie KI-Technologien entwickelt, eingesetzt und gesellschaftlich wirksam gemacht werden.
Das Besondere am Studiengang ist die sich durchziehende Zusammenarbeit von Studierenden mit unterschiedlichen akademischen Hintergründen. Sie lernen voneinander, entwickeln gemeinsame Fragestellungen und verbinden unterschiedliche Methoden, Denkweisen und Wissensformen. Der Studiengang wird von Professoren und Lehrenden aus der Musik- und Kulturwissenschaft und Informatik gemeinsam durchgeführt. Sie verkörpern Interdisziplinarität damit auch auf institutioneller Ebene und entwickeln gemeinsam transdisziplinäre Fragestellungen: „Wir wollen Studierende dazu befähigen, Zukünfte nicht nur technologisch zu gestalten, sondern sie wissenschaftlich zu analysieren, kritisch zu hinterfragen und verantwortungsvoll mitzugestalten. Das gelingt nur, wenn mathematische Methoden der KI mit kultureller, gesellschaftlicher und ethischer Reflexion zusammenkommen und in der Praxis erprobt werden,“ so die beiden leitenden Professoren des Studiengangs Prof. Dr. Johannes Ismaiel-Wendt und Prof. Dr. Dr. Lars Schmidt-Thieme.
Forschungsorientierung und innovative Lehrformate
Ein zentraler Bestandteil des Studiums sind zweisemestrige studentische Forschungsprojekte in kleinen Teams. Aufbauend auf wissenschaftlichen Theorien, Methoden und Konzepten entwickeln die Studierenden eigene Forschungsfragen, Zukunftsszenarien oder prototypische Anwendungen. Sie gestalten gemeinsam eine Future Topics Conference und verbinden Forschung mit gesellschaftlich relevanten Zukunftsfragen. Projektbasiertes Lernen, Peer Learning, Team Teaching sowie Portfolio- und Prozessarbeit fördern eigenständiges Arbeiten, kontinuierliche Reflexion und den Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Durch ein akademisches Mentorat und die enge Betreuung durch Lehrende werden die Studierenden während des gesamten Studiums begleitet. Dr. Sanne Ziethen, verantwortlich für die Studiengangsentwicklung und Didaktik betont: „Mit Future Analytics entwickeln wir ein Curriculum, das innovative Lehr-Lernformate nicht als methodische Ergänzung versteht, sondern als konstitutiven Bestandteil des Kompetenzaufbaus. Studierende erwerben hier nicht nur Wissen über Künstliche Intelligenz, Daten, Audio- und Zukunftsthemen, sondern lernen, mit Unsicherheit, Komplexität und fachlicher Mehrperspektivität produktiv umzugehen. Der Studiengang denkt Kompetenzentwicklung nicht linear, sondern als iterativen Prozess: analysieren, gestalten, erproben, reflektieren, kommunizieren – und daraus neue Handlungsfähigkeit gewinnen.“
Der englischsprachige Masterstudiengang umfasst vier Semester und führt – abhängig vom fachlichen Schwerpunkt – zum Abschluss Master of Arts (M.A.) oder Master of Science (M.Sc.). Absolvent*innen verfügen nach Abschluss des Studiums über ein spezifisches Kompetenzprofil an der Schnittstelle von KI und auditiven Kulturen, das sie für internationale Forschungs- und Berufsfelder in den Bereichen Klanganthropologie, künstlerische Praxis und Produktion, Technologieentwicklung (z. B. KI-Lösungen), Musikindustrie und Musikvertrieb, Forschung (Geisteswissenschaften), Öffentlichkeitsarbeit und Governance (z. B. Beratung, KI, Ethik und Risikobewertung) qualifiziert. Darüber hinaus bietet der Studiengang Raum, eigene Forschungs- oder Projektideen zu entwickeln und interdisziplinäre Innovationen an der Schnittstelle von KI und auditiven Kulturen voranzutreiben.
Alle Details gibt es hier: https://www.uni-hildesheim.de/fa-master
Future Analytics als Teil von aLaZukunft
Der neue Masterstudiengang ist Teil des Projekts aLaZukunft (agile Lehrarchitektur für Zukunftsthemen), das seit Oktober 2025 durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert wird. Mit dem Projekt erprobt die Universität unter Leitung von Prof. Dr. Jürgen Sander, hauptamtlicher Vizepräsident für Studium, Lehre und studentische Belange, und Verena Häseler neue Formen fachbereichsübergreifender und zukunftsorientierter Hochschullehre. „Mit aLaZukunft wollen wir dynamische und innovative Studienangebote für Zukunftsthemen konzeptionieren und erproben, um damit Studierende zukunftsweisend auf die komplexen Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft vorzubereiten“, erklären die beiden.
Neben dem internationalen Masterstudiengang entstehen im Rahmen von aLaZukunft weitere Angebote zu Zukunftsthemen und Zukunftskompetenzen, die Studierende dabei unterstützen sollen, verantwortungsvoll, reflektiert und kompetent mit den Herausforderungen der Zukunft umzugehen. Dazu gehören das fachübergreifende Studienprogramm FOKUS.Zukunft, das von allen Studierenden der Universität Hildesheim belegt werden kann. Darüber hinaus ist ab kommendem Jahr ein Zukunfts.ZERTIFIKAT KI für Alle geplant. „In allen Teilprojekten verfolgen wir mit den unterschiedlichen Angeboten das gemeinsame Ziel, Studierende auf die komplexen Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft vorzubereiten und sie in ihrer Entwicklung zu Gestalter*innen von Zukunft zu unterstützen“, hebt Projektkoordinatorin Verena Häseler hervor.