Wie kann ein gutes Klassenklima entstehen?

Mittwoch, 13. Februar 2019 um 14:21 Uhr

Seit über 20 Jahren bietet die Universität Hildesheim in Kooperation mit der Landesschulbehörde Fortbildungen für Klassenlehrkräfte aller Schulformen an. „Die wissenschaftliche Evaluation zeigt, dass das Klassenklima durch unsere Fortbildung nachhaltig verbessert und die Lehrerzufriedenheit erhöht werden konnte“, sagt Professorin Claudia Mähler. Ihr Team setzt die Arbeit fort: Derzeit nehmen rund 80 Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Niedersachsen an der eineinhalbjährigen Fortbildung teil.

Schulpsychologische Fachdezernentinnen und Fachdezernenten der Landesschulbehörde bilden unter der wissenschaftlichen Leitung des Instituts für Psychologie der Universität Hildesheim Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer aller Schulformen fort. Seit mehr als 20 Jahren wird die KIK-Fortbildung zu Klassenführung und Klassenklima unter dem Motto „Kompetent soziales Miteinander gestalten“ im Auftrag des Niedersächsischen Kultusministeriums in Kooperation mit der niedersächsischen Landesschulbehörde als schulpsychologische Fortbildung angeboten. KIK steht für „Kommunikation – Interaktion – Kooperation“.

Fortbildung im Auftrag des Niedersächsischen Kultusministeriums ist eine Mischung aus Theorie, praktischer Erprobung und Hospitation

Wie kann ein gutes Klassenklima entstehen? „Jährlich beginnen rund 40 Lehrkräfte eine eineinhalbjährige Fortbildung zur Kompetenzerweiterung hinsichtlich psychologischer Klassenführung“, berichtet Professorin Claudia Mähler.

Themen sind hierbei unter anderem die Entwicklung von Gruppen, die Evaluation des Klassenklimas und der Umgang mit Konflikten. Schule ist ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche lernen können, wie sie mit anderen umgehen und wie sie Konflikte gewaltfrei lösen können.

Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer befassen sich während der Fortbildung etwa mit der Entwicklung von Gruppen und dem Umgang mit Konflikten

In einer Mischung aus Theorie, praktischer Erprobung und gegenseitiger Hospitation tauschen sich die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer in Gruppen von etwa 12 Personen unter der Leitung von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen an 21 Fortbildungstagen und drei Halbwochenkursen aus und erweitern ihre Kompetenzen im Bereich der Klassenführung. „Die stetige wissenschaftliche Evaluation der Fortbildung konnte zeigen, dass das Klassenklima durch unsere Fortbildung nachhaltig verbessert und die Lehrerzufriedenheit erhöht werden konnte“, sagt Mähler.

Jährlich richtet das Institut für Psychologie der Universität Hildesheim auch einen „KIK-Kongress“ aus, an dem Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Niedersachsen teilnehmen. In diesem Jahr (8. Februar 2019) nahmen an der Konferenz rund 140 Lehrkräfte, die an der schulpsychologischen Fortbildung für Klassenlehrkräfte bereits seit einem Jahr teilnehmen, diese gerade begonnen oder schon vor längerem abgeschlossen haben, teil. In seinem Grußwort hob David Haschke, der als Referent für Schulpsychologie und Gender im Niedersächsischen Kultusministerium arbeitet, die Bedeutung einer gelungenen Klassenführung in Zeiten zunehmender Diversität hervor.

Professorin Mähler: „Klassenlehrkräfte können dazu beitragen, Ausgrenzung zu vermeiden “

„Kinder mit Lernschwierigkeiten oder Lernstörungen stehen vor Schwierigkeiten und Herausforderungen“, sagt Professorin Claudia Mähler, wissenschaftliche Leiterin der Fortbildung. „Da Kinder und Jugendliche mit dieser Symptomatik häufig unter einem niedrigen Selbstkonzept eigener Fähigkeiten leiden und in erhöhtem Maße Gewalterfahrungen durch die eigene Peer-Group ausgesetzt sind, stellen diese Schülerinnen und Schülern eine Gruppe dar, der besondere Beachtung bei der Bildung der Klassengemeinschaft geschenkt werden sollte. Klassenlehrkräfte könnten einer Ausgrenzung vermeiden, indem sie positives Feedback einsetzen und die ein kooperatives Lernklima schaffen, in dem alle voneinander lernen und am Unterricht teilhaben können.“ Auch die Aufklärung über die Problematik von Kindern mit Lernschwierigkeiten in Form von Psychoedukation spiele hierbei eine entscheidende Rolle, so Mähler.

Lehrkräfte, die bereits seit einem Jahr an der Fortbildung teilnehmen, haben im Vorfeld der Konferenz Themen zur Verbesserung des Klassenklimas erarbeitet und in ihren jeweiligen Klassen erprobt. Für die Neuankömmlinge bot sich die Gelegenheit, die Themen, die sie in den nächsten eineinhalb Jahren in der KIK-Fortbildung begleiten werden, kennenzulernen und einen Eindruck von der praktischen Umsetzung der Inhalte zu bekommen. Auch rund 20 Lehrkräfte, die die pädagogisch-psychologische Fortbildung bereits abgeschlossen haben, konnten sich in den insgesamt 23 Workshops über ihre Arbeit als Klassenlehrkraft austauschen und erhielten eine thematische Vertiefung, so Claudia Mähler.

Wer Fragen zu der Forschung und Fortbildung hat, erreicht Prof. Dr. Claudia Mähler vom Institut für Psychologie der Universität Hildesheim unter maehler@uni-hildesheim.de.