Wie in Hildesheim Verständlichkeit erforscht wird

Sonntag, 27. Mai 2018  / Alter: 122 Tage

Fachliche Kommunikation kann mehr oder weniger gut gelingen. Verständliche Fachkommunikation zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass Dokumente übersichtlich strukturiert sind. Ein Gastbeitrag von Dr. Franziska Heidrich vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim.

Franziska Heidrich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim. Sie lehrt und forscht in den Bereichen Technischen Redaktion, Fachübersetzen und Verständlichkeitsforschung. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Fachliche Kommunikation hat ihren festen Platz im Alltag von Unternehmen. Denn Fachkommunikation findet immer dann statt, wenn Menschen über Fachliches kommunizieren – sei es in Ausübung ihrer beruflichen Aufgaben untereinander, mit Experten anderer Fachgebiete oder mit Personen, die keine Experten sind. Damit findet sich fachliche Kommunikation auch in unserem Alltag wieder – im Gespräch mit Fachleuten oder beim Lesen von Bedienungsanleitungen.

Diese fachkommunikativen Handlungen können mehr oder weniger gut gelingen. Gerade bei der Kommunikation zwischen Experten und Laien kommt es häufig vor, dass Texte – ob schriftlich oder mündlich – zu komplex sind, zu kompliziert, zu mehrdeutig, zu uneinheitlich. Diese Texte sind also für die vorgesehenen Adressaten nicht verständlich genug. Dies ist ärgerlich für den Leser, der Texte nicht oder nur sehr mühsam versteht. Dies kann aber darüber hinaus auch schwerwiegende Folgen haben. Wenn Dokumente der Fachkommunikation nicht verstanden werden, können schwere Verletzungen die Folge sein (wenn zum Beispiel der Nutzer schlichtweg nicht verstanden hat, dass er den Strom ausschalten muss, bevor er das Gerät öffnet...). Daraus folgen dann wiederum Haftungsansprüche und möglicherweise hohe Zahlungen der Unternehmen an die Geschädigten.

Verständliche Fachkommunikation zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass Dokumente übersichtlich strukturiert sind, dass für denselben Gegenstand immer derselbe Fachbegriff verwendet wird, dass Satzstrukturen einfach und eindeutig sind und zum Beispiel auch dadurch, dass der Leser auf den ersten Blick erkennt, ob es sich bei einem Satz um eine Handlungsaufforderung oder eine bloße Hintergrundinformation handelt. Unverständlich oder schwer verständlich gerät Fachkommunikation entsprechend, wenn etwa der fachliche Inhalt für die Zielleserschaft zu komplex ist, der sprachliche Ausdruck zu kompliziert, der Text nicht angemessen strukturiert ist und die Funktionen von kommunikativen Handlungen unklar bleiben.

Die Erforschung der Verständlichkeit ist ein Kernthema der Fachkommunikationswissenschaft. Diese integrative Disziplin umfasst die traditionellen Forschungszweige der Fachsprachenforschung, der Terminologielehre und der Fachübersetzungswissenschaft. Die Fachkommunikationswissenschaft ist ein Schnittbereich aus den Wissensgebieten Sprache, Technik, Kommunikationsmedien und Arbeitsprozessorganisation.  Die Fachkommunikationswissenschaft ist am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim in Forschung und Lehre präsent – im Master-Studiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprache und Technik“ werden die Studentinnen und Studenten zu professionellen Fachkommunikatoren, auch in Hinblick auf eine mögliche wissenschaftliche Laufbahn, ausgebildet.

Fachkommunikation: Internationale und nationale Experten tauschen sich in Hildesheim aus

Regelmäßig kommen Expertinnen und Experten am Institut zusammen, um sich über ihre Disziplin auszutauschen – jüngst während einer Tagung im Frühjahr 2018. Dabei berichten erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit Doktorandinnen und Doktoranden – also dem wissenschaftlichen Nachwuchs – aus ihrem Wissenschaftsalltag.  Die Referentinnen und Referenten kommen aus Universitäten und Fachhochschulen national und international. Neben Gästen aus Hildesheim, Hannover, Gießen, Köthen, Duisburg-Essen, Würzburg, Köln, München, Eichstätt-Ingolstadt, Merseburg, Mainz, Berlin, Aalen, Darmstadt, Flensburg, Heidelberg und Dillingen/Saar waren internationale Fachwissenschaftler aus Genf, Rapperswil, Winterthur (Schweiz), Krems (Österreich) und Antwerpen (Belgien) in diesem Jahr in Hildesheim zu Gast.

In seinem Grußwort zur Tagung begrüßte Universitätspräsident Professor Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich die Zusammenarbeit des Hildesheimer Institutes für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation mit den einschlägigen Fachhochschulen. Die Kooperation soll in der neu gegründeten Kooperationsstelle Fachkommunikation fortgeführt und die Anbahnung von Forschungskooperationen und kooperativen Promotionen mit den Fachhochschulen ausgebaut werden.

Zur Person: Dr. Franziska Heidrich

Dr. Franziska Heidrich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation. Ihre Lehrtätigkeit umfasst vor allem die Bereiche Technische Redaktion, Fachübersetzen und Verständlichkeitsforschung in den Studiengängen „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ (B.A.) und „Internationale Fachkommunikation – Sprache und Technik“ (M.A.) sowie ab dem Wintersemester 2018/2019 im neuen Master-Studiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der Kommunikationsoptimierung von Fachkommunikation, hier insbesondere im Bereich der Gestalteten Sprache. Gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus Schubert hat sie in diesem Jahr die „Kooperationsstelle Fachkommunikation“ gegründet, die vor allem der Anbahnung von Forschungskooperationen und kooperativen Promotionen mit den fachlich einschlägigen Fachhochschulen dienen soll.

[erstveröffentlicht am 09.05.2018]

Von: Gastbeitrag aus dem Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation

Franziska Heidrich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim. Sie lehrt und forscht in den Bereichen Technischen Redaktion, Fachübersetzen und Verständlichkeitsforschung. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim