Wie gehen Studierende mit der Masse der Informationen um?

Montag, 08. Mai 2017  / Alter: 200 Tage

Der Informationswissenschaftler Thomas Mandl untersucht die Informationskompetenz von Studierenden. Vielen jungen Erwachsenen fällt es schwer, mit Fundstellen im Web kritisch umzugehen, so der Professor. Gemeinsam mit Universitäten aus Graz, London, Barcelona, Frankfurt, Zadar und Ljubljana hat der Datenschutzbeauftragte der Universität Hildesheim das Projekt „Information Literacy Online“ entwickelt.

Häufig setzen Studierende bei der Suche nach wissenschaftlichen Quellen die allgemeine Websuche ein, sagt der Informationswissenschaftler Professor Thomas Mandl. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim

Finden Studentinnen und Studenten heute immer die Quellen, die sie benötigen? Kennen sie die Fachdatenbanken? Können sie mit Fundstellen im Web kritisch umgehen? Mit diesen Fragen befasst sich Professor Thomas Mandl in einem aktuellen Forschungsprojekt. „Leider zeigt die Realität in der Lehre, dass Studierende mit der Masse der Informationen überfordert sind, obwohl sie glauben, sehr gut und erschöpfend zu suchen. Informationskompetenz stellt heute eine Kernkompetenz in der Wissensgesellschaft dar. Das Niveau der Informationskompetenz von Studierenden ist oft niedrig. Dieses Phänomen bestätigen Kollegen auch aus anderen Ländern.“

Bei der Suche nach wissenschaftlichen Quellen kennen Studierende oft nicht die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Suchdienste. So wird häufig die allgemeine Websuche für wissenschaftliche Informationsbedürfnisse eingesetzt und die Beurteilung der Qualität der Fundstellen gelingt nicht. 

Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, startet der Informationswissenschaftler nun gemeinsam mit weiteren Partneruniversitäten ein internationales Projekt. „Wir haben uns an der Universität Hildesheim vorgenommen, diese Situation zu verbessern und die Studierenden zu unterstützen“, so der Hildesheimer Informationswissenschaftler.

Gemeinsam mit Universitäten aus Graz, London, Barcelona, Frankfurt, Zadar und Ljubljana hat Thomas Mandl das Projekt „Information Literacy Online“ entwickelt. Das von der EU geförderte Projekt ist 2016 gestartet und läuft bis 2018. „Wir entwickeln einen Massive Open Online Course (MOOC), den Studierende und andere Interessenten online bearbeiten können. MOOCs sind ein neuer Trend, der die Hochschulen erfasst hat“, so Mandl. Noch stehen die meisten Kursangebote in Englisch zur Verfügung. Im gemeinsamen Forschungsprojekt wollen die Partneruniversitäten ihre Studierenden aber in den jeweiligen Landessprachen erreichen, also Englisch, Slowenisch, Kroatisch, Spanisch und Deutsch. Eine Herausforderung: Die Universitäten müssen die Inhalte rund um das Thema Informationskompetenz an die nationalen Gegebenheiten anpassen. „Beispiele können nicht einfach von anderen Ländern übernommen werden“, erläutert Thomas Mandl. „Für die Suche in Spanisch und Kroatisch werden natürlich unterschiedliche Dienste genutzt. Bei der Suche zu einem Thema ergeben sich in jeder Sprache andere Ergebnisse, so dass praxisorientierte Szenarien im MOOC für jede Sprache selbst entwickelt werden müssen.“ Der Online-Kurs wird derzeit erarbeitet und soll ab 2018 verfügbar sein.

Professor Thomas Mandl arbeitet am Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie der Universität Hildesheim und befasst sich dort unter anderem mit „Information Retrieval“ sowie der Interaktion zwischen Mensch und Maschine.  Er lehrt auch im Bereich Informationsethik. Derzeit unterrichtet der Informationswissenschaftler etwa im Seminar „Information and Society: Information Ethics“. „Die Anwendung neuerer Technologien sollte durch ethische Richtlinien begleitet werden. Wir diskutieren, wie unsere ethischen Standards mit der Digitalisierung kollidieren und ob die Informationstechnologie eine neue Informationsethik erfordert“, so Mandl. Die Studierenden der Informationswissenschaft befassen sich mit Fragen des Copyright und Datenschutz  – aber auch mit Zensur und Einschränkungen des Zugangs zu Wissen.

Professor Thomas Mandl wurde im April erneut als Datenschutzbeauftragter der Universität Hildesheim bestellt.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

Von: Pressestelle, Isa Lange

Häufig setzen Studierende bei der Suche nach wissenschaftlichen Quellen die allgemeine Websuche ein, sagt der Informationswissenschaftler Professor Thomas Mandl. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim