„Wer mehrsprachig lebt, stellt vielfältige Querbezüge zwischen Sprachen her“

Montag, 06. August 2018  / Alter: 129 Tage

An der Universität Hildesheim bildet die Sprachwissenschaftlerin Professorin Elke Montanari Experten für den Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ aus. Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ sind an Schulen und in Verlagen tätig, unterrichten in Sprachkursen weltweit die deutsche Sprache und Kultur oder arbeiten in internationalen Unternehmen – die Berufswege sind vielfältig.

Professorin Elke Montanari forscht und lehrt am Institut für deutsche Sprache im Bereich Deutsch als Zweitsprache. Foto: Daniel Kunzfeld/Uni Hildesheim

Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

Jetzt bewerben bis zum 1. September 2018.

Prof. Dr. Elke Montanari forscht und lehrt seit 2012 als Professorin für Deutsch als Zweitsprache am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Sie ist Mitglied im Vorstand des „Zentrums für Bildungsintegration“. Die Sprachwissenschaftlerin befasst sich in ihrer Forschung mit der Sprachaneignung in unterschiedlichen Lebensphasen. Die Wissenschaftlerin untersucht zum Beispiel, wie Mehrsprachigkeit in Schulkonzepten verankert werden kann und wie Kinder und Erwachsene eine zweite Sprache erlernen.

Elke Montanari bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus. und ist die stellvertretende Studiengangsleiterin des Studiengangs „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“, der von Professorinnen und Professoren des Instituts für Interkulturelle Kommunikation und des Instituts für deutsche Sprache und Literatur entwickelt wurde.

Im Interview spricht Professorin Elke Montanari über die Inhalte des Studiengangs und Sprachforschung.

Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Elke Montanari

Die Universität bildet Experten für den Bereich Deutsch als Zweitsprache aus. Warum haben Sie das Studienangebot gemeinsam mit Ihren Kolleginnen und Kollegen vom Institut für Interkulturelle Kommunikation und vom Institut für deutsche Sprache und Literatur entwickelt?

Die interkulturelle Kommunikation und das Sprachlernen stehen gemeinsam im Zentrum unseres Studiengangs – es reicht nicht, nur eine Sprache zu erlernen. Wir untersuchen: Wie werden die sprachlichen Mittel eingesetzt, um etwas zu erreichen – etwa in der Schule, in der Kindertagesstätte, in einem Unternehmen oder im Fremdsprachenunterricht.

Was ist besonders an dem Masterstudiengang in Hildesheim?

Wir haben unter anderem einen Alphabetisierungsschwerpunkt. In diesem Studienschwerpunkt beschäftigen wir uns damit, wie Kinder und Erwachsene schnell lernen, in deutscher Sprache zu schreiben; von der ersten Alphabetisierung – wie lernen sie die Buchstaben? – bis zur Textebene. Wenn ein Kind in der Schule in der 8. Klasse ist, reicht es nicht, die Buchstaben zu können, das Kind muss die Aufgabe bewältigen, die Klassenarbeit oder den Aufsatz schreiben können. Wie kommt man da hin? Die Absolventinnen und Absolventen unseres Studiengangs erwerben auch die Quailifikation, in Sprachkursen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zu unterrichten, das heißt sie dürfen ohne weitere Zusatzqualifikation in Alphabetisierungskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) lehren.

„Die interkulturelle Kommunikation und das Sprachlernen stehen gemeinsam im Zentrum unseres Studiengangs“

Aus welchen Bereichen kommen die Studentinnen und Studenten? Gibt es unterschiedliche Wege in das Studium?

Wir nehmen pro Jahr nur 25 Studentinnen und Studenten auf, es ist eine Gruppe, die sich gut kennt.. Wir sind interessiert an den vielfältigen Erfahrungen und Kenntnissen unserer internationalen Studentinnen und Studenten. Wir bemühen uns sehr, am Bühler-Campus ein Studium in persönlicher Atmposphäre zu ermöglichen. Wir haben Studierende aus aller Welt, aus Asien, aus Südamerika, die Deutsch als Fremdsprache zum Beispiel in China studiert haben und auf ihrem Studium mit dem Master in Deutschland aufbauen. Dann haben wir Studierende im Lehramt, die den Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache“ zusätzlich zum Lehramtsstudium „Master of Education“ im Fach Deutsch studieren und sich damit besser vorbereitet fühlen auf ihre zukünftige Arbeit an Schulen. Es ist möglich, die beiden Masterstudiengänge Lehramt und DAZ zu kombinieren, wir haben einen Kombinationsplan mit umfangreichen Anrechnungsmöglichkeiten ausgearbeitet. Außerdem lernen hier Studierende, die zum Beispiel Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen oder andere sprachnahe Studiengänge im Bachelor studiert haben und die sich stärker und qualifiziert mit dem Masterstudium „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ auf gesellschaftliche Fragestellungen rund um Sprachen vorbereiten wollen.

Mit welchen Themen beschäftigen sich die Studentinnen und Studenten in den zwei Jahren zum Beispiel?

Wir befassen uns im Orientierungssemester mit der Sprachbeschreibung – wie kann man eigentlich die deutsche Sprache beschreiben, wie viele Fälle hat die Sprache, flektiert sie oder nicht? Ab dem ersten Semester setzen wir uns mit dem Unterricht in mehrsprachigen Lerngruppen auseinander. Neben dem didaktischen Schwerpunkt, dem Unterricht in ganz unterschiedlichen Lernkonstellationen in Deutschland und in aller Welt, geht es um die Forschung im Bereich Mehrsprachigkeit und interkultureller Kommunikation, wir verzahnen Praxis und Theorie. Im Aufbausemester wird die Kommunikationsanalyse eingeführt, die Studierenden beobachten authentische Diskurse und analysieren diese. Sie setzen sich darüber hinaus mit Lehrmitteln und Medien für den Unterricht auseinander und befassen sich mit der Diagnose und Überprüfung von Sprachständen: Wie wird eigentlich festgestellt, wie gut jemand Deutsch kann, welche unterschiedlichen Verfahrensweisen gibt es und welche Vor- und Nachteile haben diese? Daran schließt sich ein Praxissemester an. Eine Studentin geht zum Praktikum nach Zypern, ein Student geht nach Vietnam, die Studentinnen und Studenten absolvieren ihre Praktika an Sprachschulen, im Goethe-Institut oder bei Verlagen, das ist ganz unterschiedlich und orientiert sich an den Interessen der Studierenden.

Wie arbeiten Sie international mit Kooperationspartnern zusammen?

Wir pflegen viele internationale Kontakte, ich greife einmal ein Beispiel heraus. Wir kooperieren mit der deutschen Abteilung der Ain-Shams-Universität in Kairo in Ägypten. Die Universität mit 220.000 Studierenden ist sehr groß, an der deutschen Abteilung in Kairo gibt es einen wissenschaftlichen Schwerpunkt, den es in Hildesheim so auch gibt. Wir beschäftigen uns in der Kooperation zum Beispiel mit Handlungsmustern in Bewerbungsgesprächen, im Unterricht, wie wird die Sprache angewendet? Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützt unser Forschungsprojekt, wir setzen uns mit Mehrsprachigkeit in der Lehrerbildung in Deutschland und Ägypten auseinander. Eine Delegation aus Hildesheim war im Frühjahr in Ägypten, eine Delegation aus Kairo wird uns im Oktober in Hildesheim besuchen.

„Wenn man eine neue Sprache erlernt, entnimmt man viel aus anderen Sprachen, die man schon kennt“

Die Studierenden befassen sich auch mit dem Thema Multikompetenz. Wie können denn Mehrsprachige besondere Fähigkeiten einsetzen, ob im Beruf, in der Ausbildung und Schulzeit oder im Alltag?

Das ist ein Begriff von Vivian Cook. Ein sehr einfaches Verständnis von Mehrsprachigkeit ist das additive Konzept: Man lernt eine Sprache, dann kommt noch eine Sprache hinzu, oder vielleicht nur eine halbe Sprache – als würden Sprachen nebeneinander stehen. Dem ist natürlich nicht so. Multikompetenz bedeutet, dass Menschen, die in mehreren Sprachen leben, vielfältige Querbezüge herstellen. Wenn man eine neue Sprache erlernt, entnimmt man viel aus anderen Sprachen, die man schon kennt. Wir beobachten Wirkungen der Sprachen untereinander. Aus dem sprachlichen Wissen werden diejenigen Begriffe und sprachlichen Mittel herausgesucht, die in dem Moment für die sprachliche Handlung besonders wertvoll sind. In der wissenschaftlichen Kommunikation ist das üblich, dass italienischsprachige und spanischsprachige Personen in einer Diskussion miteinander alle sprachlichen Mittel einsetzen, ohne dass jemand sagt: „Halt, das Wort darf man nicht verwenden.“ Kann man das für die Schule nutzbar machen? Wir haben gerade in Deutschland die Situation, dass ältere Jugendliche in die Schule kommen, und noch während sie in die Schule kommen, schon Fachlernen bewältigen müssen. Da stellt sich die Frage: Wie kann ich fachlich anspruchsvoll unterrichten, wenn die sprachlichen Mittel zwar schon erworben sind, aber noch nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, um komplexe Themen in der Sekundarstufe I zu bearbeiten. Es geht mir darum, die spezifische Kompetenz mehrsprachiger Kinder und Erwachsener zu begreifen. Ich beschäftige mich zum Beispiel mit der Frage, wie man die Sprachenvielfalt in den Unterricht einbinden kann, welchen Sinn das hat und wo es vielleicht nicht funktioniert.

Einige Absolventen gehen ins Ausland, um die deutsche Sprache und Kultur zu unterrichten

Wie sind die bisherigen Erfahrungen, welche beruflichen Perspektiven stehen den Absolventinnen und Absolventen Ihres Studiengangs offen? Welche Wegen können nach dem Studium folgen?

Die Aussichten sind sehr gut – uns werden die Absolventinnen und Absolventen zum Teil abgeworben, bevor sie ihr Masterverfahren beendet haben, also einige haben schon Arbeitsverträge, während sie noch ihre Masterarbeit schreiben. Die Berufsfelder, in denen unsere Absolventen tätig sind, sind vielfältig – einige gehen im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ ins Ausland, um dort die deutsche Sprache und Kultur zu unterrichten. Ein weiteres Berufsfeld sind die Verlage und Bildungsinstitutionen, in denen unsere Absolventen Lehrwerke und Lehrmittel weiterentwickeln. Ein weiteres großes Arbeitsfeld ist der Bildungssektor, einige Absolventen sind beim Land Niedersachsen tätig. Unsere Lehramtsstudierenden sind sehr gefragt als Lehrkräfte an öffentlichen Schulen. Und einige lehren und forschen an Universitäten, gerade habe ich eine Promotionsstelle ausgeschrieben.

Bis wann ist eine Bewerbung möglich? Wann beginnt das Studium? Und können Berufstätige das Masterstudium mit dem Beruf kombinieren?

Eine Bewerbung um einen Masterstudienplatz ist bis zum 1. September 2018 möglich. Bewerbungen sind willkommen! Das Masterstudium kann auch im Teilzeitstudium studiert werden, wir bieten Lehrveranstaltungen berufsbegleitend am Nachmittag oder in Blockphasen an. Zudem können Lehramtsstudierende des „Master of Education“ den Master „Deutsch als Zweitsprache“ auch im Parallelstudium studieren, es gibt umfangreiche Möglichkeiten der Anrechnung, das Schulpraktikum wird zum Beispiel angerechnet.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt

Studium „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Fachleute im Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ aus. Absolventinnen und Absolventen können an Schulen und Hochschulen im Ausland arbeiten oder in international vernetzten Betrieben die deutsche Sprache und Kultur vermitteln. Sie können sich für die Sprachförderung in Schulen spezialisieren, in der Bildungsplanung in Behörden oder in der Schulbuchherstellung arbeiten und Erwachsene in Integrationskursen unterrichten. Der Studiengang kann auch berufsbegleitend und in Teilzeit studiert werden, zum Beispiel begleitend zu einer Lehrtätigkeit.

Wer sich für ein Studium interessiert, findet online Informationen über den Aufbau des Studiums, die Bewerbung und Erfahrungsberichte: Weitere Informationen.

Kontakt bei Fragen

Wer Fragen zum Masterstudiengang hat, kann Prof. Dr. Elke Montanari kontaktieren via elke.montanari@uni-hildesheim.de.

Von: Pressestelle, Isa Lange [erstveröffentlicht 10.08.2018, aktualisiert 13.08.2018]

Professorin Elke Montanari forscht und lehrt am Institut für deutsche Sprache im Bereich Deutsch als Zweitsprache. Foto: Daniel Kunzfeld/Uni Hildesheim