„Wer gründet, braucht eine klare Idee und Entschlossenheit“

Dienstag, 13. November 2018  / Alter: 30 Tage

Schon einmal darüber nachgedacht, zu gründen? Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche können sich während einer Themenwoche über Gründungen informieren mit Gründerinnen und Gründer austauschen und Netzwerke ausbauen. „Eine klare Idee, Entschlossenheit und ein Netzwerk an Partnern ist wichtig für eine Gründung“, sagt der Hildesheimer Absolvent Patrick Gericke. Er arbeitet heute als freischaffender Regisseur und spricht im Interview über seine Gründungserfahrungen.

Aus dem Arbeitsalltag des Regisseurs Patrick Gericke: Mit Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg im Studio, mit Weltmeister Wladimir „Dr. Steelhammer“ Klitschko im Studio, mit Heino vor seinem Studio. Mit Russian Arm, einem Kamerakran, auf dem Hockenheimring: Schärfe-Assistent, Stunt-Driver, Regiesseur und Kameramann, der den Kran bewegt. Damit kann man sehr präzise Fahraufnahmen machen, in diesem Fall von Formel-1-Boliden, sagt Gericke. Fotos: Patrick Gericke

Während einer Themenwoche an der Universität Hildesheim können sich Studentinnen und Studenten und Lehrende über Gründungen informieren. In kostenlosen Workshops und Diskussionsrunden entwickeln sie vom 12. bis 17. November 2018 eigene Geschäftsideen, informieren sich über die Chancen und Möglichkeiten einer Unternehmensgründung und erweitern ihr Netzwerk. Studentinnen und Studenten können eigene Geschäfts- oder Projektideen mit Fachleuten der Gründungsszene diskutieren und weiterentwickeln. Gründer und Gründerinnen berichten in der Aktionswoche zudem aus ihrem Unternehmensalltag und diskutieren über die Bedeutung von Lehrerinnen und Lehrern, die bei Jugendlichen und Kindern das Interesse und den Gründergeist wecken können.

Die Universität Hildesheim unterstützt mit der Themenwoche die Gründerinnen und Gründer der Zukunft. Der Hildesheimer Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Athanassios Pitsoulis und die Wirtschaftspsychologin Dr. Astrid Lange gehören gemeinsam mit den Studenten Lukas Sontheimer und Robert Rathke zu dem Team, das die Aktionswoche in Hildesheim seit 2015 einmal im Jahr organisiert. Studierende und Lehrende aller Fachbereiche sowie Interessierte aus der Stadt können kostenlos teilnehmen.

Die „Gründerwoche Deutschland“ ist bundesweit die größte Aktion, um Unternehmertum und Gründergeist zu stärken. Die Universität arbeitet dabei mit der HAWK, der IHK und HI-REG, der Gemeinschaftsinitiative „Mittelstand: Fit für die Zukunft!“ und weiteren Partnern zusammen.

Gründergeist wecken: Themenwoche an der Universität

„Wer gründet, braucht eine klare Idee, Entschlossenheit und ein Netzwerk an Partnern“

Interview mit dem Gründer Patrick Gericke

Patrick Gericke, 47, studierte „Kulturwissenschaften und ästhetische Kommunikation“ an der Universität Hildesheim. „Während des Studiums waren Professor Jan Berg und Professor Hanns-Josef Ortheil meine Leuchttürme“, sagt Gericke. Heute arbeitet er als freischaffender Regisseur, Autor und Producer für TV und Werbung. Im Kern arbeitet er die meiste Zeit alleine. In den diversen Projektphasen schließt man sich dann aber mit unterschiedlichen Spezialisten zusammen, etwa Designer, Cutter, Kameraleute, Sprecher und Redakteuren. Im Interview spricht er über Unternehmertum und Selbstständigkeit.

Kurz und kompakt: Was haben Sie wann gegründet? Was bewirken Sie mit Ihrer Gründung heute?

Nach dem Studium war ich sieben Jahre in einer Festanstellung in der Marketing-Agentur der Mediengruppe RTL als Producer. Nachdem ich das Gefühl hatte den Markt ein wenig zu kennen und mich sicher genug fühlte, habe ich 2007 gekündigt, um mich selbstständig zu machen. Persönlich fühle ich mich freier, habe mehr Zeit, mehr Spaß, mehr Abwechslung, mehr Verantwortung. Es fühlt sich nicht mehr wie ein Job an.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Gründer aus?

Ich arbeite jetzt seit elf Jahren auf eigene Rechnung. Fazit der letzten Jahre: es gibt keinen typischen Arbeitstag. Was auch der Hauptgrund ist, warum ich mich selbstständig gemacht habe. Einen typischen Arbeitsalltag hatte ich in der Festanstellung. Heute sitze ich den einen Tag am Rechner, arbeite an Konzepten und Treatments, einen anderen Tag laufe ich am Set herum, sitze im Schnitt, in Meetings, bei Sprachaufnahmen, im Studio mit Musikern, beim Casting, Präsentationen beim Kunden, am Telefon, bin auf der Suche nach Locations, sitze beim Motiondesigner im Keller.

Bitte erinnern Sie sich an die Anfänge: Wie entstand die Idee, zu gründen?

Ich hatte keine Lust mehr auf starre Strukturen, Absehbarkeit, auf Sicherheit bedachte Chefs und Zeiterfassung.

Und wie haben Sie den Übergang geschafft, von der Idee zur tatsächlichen Gründung? Welche Schritte gehörten dazu?

Eine klare Idee, Entschlossenheit, ein wenig finanzielle Rücklage nimmt den Druck aus der Sache und wichtig: ein großes Netzwerk an Partnern, sowie potentiellen Kunden.

Gab es Unterstützer, wer hat Ihnen mit Ratschlägen oder Erfahrungen geholfen?

Das Arbeitsamt hatte ein Angebot für Gründer. Man war aus dem Anspruch auf Arbeitslosenhilfe heraus, bekam dafür aber ein zweistündiges Seminar und ein paar Monate finanzielle Unterstützung. Ansonsten habe ich mit meinem Arbeitgeber offen gesprochen und dann im gegenseitigen Einvernehmen den Status gewechselt.

Was möchten Sie mit Ihrer Arbeit in der Gesellschaft bewirken?

Welchen Nutzen hat Werbung? Welchen Auftrag hat Fernsehen in unserer Gesellschaft? Das sollen andere bewerten. Ich habe Spaß an meinem Job. Und wenn mir ein Film gelingt, hoffe ich, dass er auch andere Menschen unterhält.

Welche Chance ergeben sich aus der Gründung, wenn man etwas völlig neu aufbaut und entwickelt?

Man bleibt wach.

Und mit welchen Risiken leben Sie?

Meine Planung geht oft nur ein paar Tage, maximal ein paar Wochen in die Zukunft, die Projekte sind meist nur mündlich fixiert, in der TV-Branche ist es oft unverbindlich. Ich habe keine Rahmenverträge oder ähnliches. Es kann jederzeit vorbei sein. Die Maxime lautet: „Du bist immer nur so gut, wie dein letzter Film.“ Ist ein Projekt schlecht gelaufen, aus welchem Grund auch immer, ist der Kunde weg.

Wie sind Ihre Erinnerungen an den Studienort Hildesheim? Gab es Kommilitonen, die damals auch an eine Unternehmensgründung dachten?

In meinem kulturwissenschaftlichen Umfeld hatte ich nicht das Gefühl, das eine Festanstellung das oberste Ziel war. Im Prinzip waren wir alle mehr oder weniger „Künstler“ und „Freigeister“ und wollten es auch bleiben. Wie man das Leben nach dem Studium weiter führen könnte, darüber haben wir uns wenig konkrete Gedanken gemacht. Alle haben ja neben dem Studium bereits ihre eigenen Projekte realisiert, Förderungen beantragt, kleine Aufträge an Land gezogen, in Bands gespielt. Der Übergang in das Berufsleben war fließend. Meine erste (und einzige) Anstellung war Zufall. Ein Kommilitone, der bereits in Köln arbeitete, hat mich auf das Jobangebot aufmerksam gemacht. Mit meinem breiten Portfolio passte ich ganz gut in die TV-Landschaft, die ja aus zahlreichen Quereinsteigern besteht.

Letzte Frage – wie viel Zeit steckt in einer Gründung und im Unternehmensaufbau?

Die komplette Lebenszeit. Ich habe kein klassisches Unternehmen, ich habe keine Angestellten, keine Firmenstruktur im klassischen Sinne. Es gibt bei mir keine Trennung zwischen Beruf und Person, zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Ich mache Filme, weil ich Filme machen will. Somit arbeite ich täglich an meinem Unternehmensaufbau und an meinem Profil, meinem Image.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Aufruf: Jung gründen – erzähl deine Geschichte!

Was sie antreibt, welche Geschäftsideen sie haben und wie junge Leute im kulturellen und sozialen Bereich ein Unternehmen gründen: In einer Serie berichtet die Universität Hildesheim über junge Gründerinnen und Gründer.

Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche, die bereits Gründungserfahrungen gesammelt haben, können sich in der Pressestelle melden (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de). In der Serie geht es nicht nur um klassische Unternehmen, sondern auch um kulturelles Unternehmertum.

Wer Fragen rund um das Thema Gründungen hat, kann sich auch an die Wirtschaftspsychologin Dr. Astrid Lange wenden (E-Mail astrid.lange@uni-hildesheim.de).

Von: Pressestelle, Isa Lange [erstveröffentlicht 12.11.2018]

Aus dem Arbeitsalltag des Regisseurs Patrick Gericke: Mit Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg im Studio, mit Weltmeister Wladimir „Dr. Steelhammer“ Klitschko im Studio, mit Heino vor seinem Studio. Mit Russian Arm, einem Kamerakran, auf dem Hockenheimring: Schärfe-Assistent, Stunt-Driver, Regiesseur und Kameramann, der den Kran bewegt. Damit kann man sehr präzise Fahraufnahmen machen, in diesem Fall von Formel-1-Boliden, sagt Gericke. Fotos: Patrick Gericke