„Wenn wir nicht gestalten, gestaltet jemand anderes“

Dienstag, 19. Mai 2026 - 07:39 Uhr

Es ist ein warmer Tag, auf dem Tisch stehen frisch gepflückte Tomaten aus dem Garten, als Uni-Präsidentin Prof. Dr. May-Britt Kallenrode sich zum Interview setzt. Um das System Universität soll es heute gehen, um Demokratiebildung, Chancengleichheit und Zuversicht. Bevor das Gespräch startet, wäre noch zu klären: Dürfen während des Interviews Fotos gemacht werden? Wofür natürlich die Tomaten aus dem Bild müssten. „Nein,“ sagt Kallenrode augenzwinkernd. „Ich brauche die Tomaten als Meinungsverstärker zum Werfen.“ Womit direkt das Thema Gestaltungsfreiheit auf dem Tisch liegt. Es darf also losgehen.

„Die Universität als Stiftungsuniversität bietet ein Maß an Autonomie und Freiheit, das sich gut mit meinem Willen zur Gestaltung deckt.“ Das haben Sie zu Beginn Ihrer Amtszeit in einem Interview gesagt. Wie sehen Sie das denn heute? 

„Das würde ich immer noch so sagen. Allerdings stelle ich fest, dass es manchmal nicht einfach ist, tatsächlich zu gestalten. Dabei kommen äußere Einflüsse zu tragen, die wir nicht absehen und nicht kontrollieren können. Die Corona-Pandemie hat vieles erschwert und auch aktuell merken wir, wie der Gestaltungsspielraum kleiner wird, zum Beispiel durch Sparmaßnahmen, Strukturdebatten und immer engere rechtliche Rahmensetzungen. Das zu vermitteln, damit jetzt umzugehen und trotzdem weiter zu gestalten, ist die neue, große Herausforderung.“

Als Präsidentin dieser Universität müssen Sie ja zwischen vielen unterschiedlichen, auch widersprüchlichen Interessenlagen vermitteln. Aber wem fühlen Sie sich am meisten verpflichtet: dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur? Dem Stiftungsrat? Der Universität? Oder am Ende des Tages vor allem immer noch sich selbst und Ihrem Gewissen?

„Also das sind in erster Linie den Menschen der Universität. Gute Arbeits- und Studienbedingungen sind das Wichtigste, das wir hier schaffen und das wir uns hier alle wünschen. Damit sorgen wir dafür, dass wir etwas Sinnstiftendes tun können und auch Morgen noch gerne herkommen wollen. Diese Verpflichtung anzunehmen, sagt mir auch mein Gewissen.“

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