Warum wir einfach nicht aufhören können, zu klicken

Donnerstag, 13. November 2025 – 07:51 Uhr
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Prof. Dr. Bettina Kluge, Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft an der Universität Hildesheim, forscht zu unterschiedlichen Clickbait-Strategien. Im Gespräch erzählt sie von den Wirkungsweisen von Clickbait und warum wir einfach nicht aufhören können, zu klicken.

Was ist Clickbait?

„Clickbait nutzt den sogenannten curiosity gap aus, indem in der Überschrift oder durch ein vorhandenes Bild Neugier erzeugt wird, die nur durch das Anklicken und den Besuch der verlinkten Webseite zu stillen ist. Das ist kein neues Phänomen. Vor allem in den sozialen Medien ist es ein immer wiederkehrendes Mittel, um Aufmerksamkeit zu generieren. Polarisierende Überschriften oder Teasertexte begegnen Nutzer*innen im Netz sehr häufig, mittlerweile auch in Printmedien. Weil die Überschrift oft das Einzige ist, das beim Scrollen durch den Nachrichtenfeed rezipiert wird, kann Clickbait Desinformation und ideologisierte Diskurse fördern.“

 Warum funktioniert Clickbait so gut?

„Clickbait-Schlagzeilen werden oft auch bewusst gelesen. Zum einen kann dies zum Zeitvertreib geschehen, zum anderen aber auch aus Neugierde. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Drang nach Selbstbestätigung: ‚Ich wusste ja gleich, dass es sich um Clickbait handelt‘.

Das große Problem entsteht, wenn man wirklich auf der Suche nach Informationen ist und sich auf Clickbait-Schlagzeilen verlässt, die aber überzogen oder sogar desinformierend sind. Zum Schutz vor Clickbait ist es wichtig, Lücken in der eigenen Medienkompetenz zu füllen. Dazu sollte das Wissen über den strukturellen Aufbau von Internetseiten ausgebaut und eine Sensibilisierung für die persuasive Wirkung von Sprache entwickelt werden.“

Clickbait ist somit eine schlechte Sache?

„Vor allem dann, wenn es Verbindungen zu polarisierenden Diskursen ermöglicht oder Desinformation fördert, ist Clickbait kritisch zu sehen. Allerdings darf man dabei nicht aus den Augen verlieren, dass Clickbait teils durchaus ein legitimes Mittel zur Aufmerksamkeitsgenerierung ist. Für klassische Medien, wie beispielsweise die Onlineauftritte von Zeitungen, ist es in Zeiten des Social-Media-Aufstiegs elementar, Leser*innen bei Laune zu halten und zum Verweilen auf den eigenen Seiten zu bewegen. Dafür wird Clickbait strategisch eingesetzt. Clickbait ist gewissermaßen eine Grauzone und lässt sich nicht pauschal bewerten. Gerade deshalb ist Forschung in diesem Bereich so wichtig.“

Mehr Informationen über das Thema Clickbait gibt Kluge in ihrem Vortrag am 04. Dezember 2025 im Rahmen der 13. Ringvorlesung Digitale Lebenswelten mit dem Jahresthema Wissen(schaft)skommunikation. Weitere Gäste der Folgeveranstaltungen sind unter anderem Prof. Dr. Lena Ulbricht, Professorin für Politikwissenschaften. In Ihrem Vortrag geht es um die Frage, ob Plattformen, die von der Zivilgesellschaft betrieben werden, eine Lösung für die demokratischen Probleme heutiger digitaler Plattformen sein können. Der Vortrag wird zeigen, dass sowohl private als auch zivilgesellschaftliche Plattformen politische Öffentlichkeit jeweils auf ihre eigene Weise beeinflussen. Außerdem wird es auch einen Vortrag von dem auf Social-Media als Fußballlinguist bekannte Prof. Dr. Simon Meier-Vieracker geben. Er spricht dabei über Short-Video-Wissenschaftskommunikation in den Sozialen Medien.

Alle Details und Termine gibt es hier.

Madeleine Popielas

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