Vielfalt erleben

Dienstag, 15. Juni 2010 um 00:00 Uhr

Das Institut für Geographie auf Exkursionen im Ostseeraum/Südskandinavien und Polen/Tschechien/Ost-Sachsen

In der Exkursionswoche um Pfingsten brachen zwei Exkursionsgruppen des Instituts für Geographie zu jeweils zehntägigen Exkursionen auf, um vor Ort geographische Phänomene zu erkunden und von lokalen Experten erläutert zu bekommen.

So befanden sich ab dem Pfingstwochenende 2010 28 Studenten der Geographie und Umweltsicherung auf dem Weg zum Meer, um insgesamt zehn Tage Küstenlandschaften, Glazialmorphologie, ökologie und Kulturgeschichte im Ostseeraum und in Südskandinavien zu studieren. Die Exkursionsroute führte unter der Leitung von Dr. Reiko Liermann und Dipl.-Geogr. Lars Germershausen über den Darß und Rügen nach Südschweden, öland und Dänemark. Neben den zahlreichen physisch-geographischen Themen waren von besonderem anthropogeographischen Interesse die Stadtexkursionen in Lund, Kalmar, Roskilde und Kolding. Mit zu den interessantesten Exkursionsstandorten zählte der Aufenthalt im Store Mosse Nationalpark, im Einzugsgebiet der größten Hochmoorlandschaft Südschwedens. Wie auch schon auf dem Darß und in Lund konnte den Studenten eine ausgewogene Mischung aus studentischen Referaten und Vorträgen von Wissenschaftlern der Region angeboten werden. Mit Dipl.-Forstwirtin Cornelia Rentsch von der Nationalparkverwaltung konnte eine wissenschaftliche Führung organisiert werden, die den Studenten nicht nur die botanische Vielfalt, sondern auch die ökologischen Aspekte dieser einzigartigen Moorlandschaft erklärte.

Die zweite Gruppe 25 Studierender des Geographielehramtes und der Umweltsicherung reiste unter der Leitung von Dr. Kim Philip Schumacher ins östliche Sachsen, nach Tschechien und Polen ins frühere Schlesien. Für viele Studierende eine gänzlich unbekannte Region, die nicht auf ihrer Agenda möglicher Urlaubsziele steht. Diese anfängliche Zurückhaltung wich jedoch bald einer Begeisterung insbesondere für die schön restaurierten Städte wie Bautzen, Görlitz oder Wroclaw (Breslau). In den Tagebaufolgelandschaften des Lausitzer Reviers wurden Probleme des Umweltschutzmanagements diskutiert und im verschlafenen örtchen Chelmsko Slaskie (Schömberg) an der polnisch-tschechischen Grenze in den Sudeten Potentiale und Hemmnisse für die Tourismusentwicklung erkundet. Höhepunkt der Reise war die Wanderung auf die 1602 m hohe Schneekoppe mit guter Fernsicht nach Tschechien und ins Riesengebirgsvorland. Von besonderem Interesse waren der Formenschatz, den die letzte Eiszeit dort geschaffen hat und die einzigartige Vegetation der Riesengebirgstundra, die aus der letzten Eiszeit überdauern konnte, weil in den Hochlagen des Riesengebirges in 1500 m Höhe ein Klima herrscht wie z.B. in den Alpen über 2000 Meter. Einzigartig sind auch die besuchten Weltkulturerbestätten in Polen z.B. die Friedenskirche in Swidnica (Schweidnitz) oder die Jahrhunderthalle in Wroclaw. Spannend zu sehen ist die enorme Dynamik der Veränderungen in Stadt und Land auch noch 20 Jahre nach dem politischen und wirtschaftlichen Systemwechsel in der Exkursionsregion. Unbehagen bereitet der Gruppe nur die Frage: Wie hoch steht das Oderhochwasser? Denn schließlich liegt die vorgesehene Unterkunft in Wroclaw auf einer Oderinsel. Zum Schluss Entwarnung: Höherer Pegel ja und sicherheitshalber Sandsäcke vor der Universitätsbibliothek aber keinerlei überschwemmungen in der Innenstadt. So konnte die Exkursion planmäßig fortgeführt werden.

Die wichtigsten Ergebnisse der Exkursionen, die selbst erarbeiteten Referate, die Tagesprotokolle und der Routenverlauf werden in einem Exkursionsband zusammengefasst. Jeder Exkursionsteilnehmer hat damit eine umfangreiche Materialiensammlung zur Prüfungsvorbereitung, aber auch zur Erinnerung an die zehn Tage "Große Exkursion".

Als Fazit der Studierenden blieb: "Eine solche Vielfalt hätten wir nicht erwartet."