Verschiedene Blickwinkel auf Männlichkeit: Prof. Dr. Toni Tholens „Gespräche über Männlichkeit“

Montag, 06. Mai 2024 um 16:03 Uhr

In der durch Prof. Dr. Toni Tholen initiierten und in dem Literaturhaus St. Jakobi ausgerichteten Reihe „Gespräche über Männlichkeit“ spricht der Professor in regelmäßigen Abständen über Geschlecht und Männlichkeit in Literatur, Wissenschaft und Gesellschaft. In der zweiten Auflage dieser Reihe am 15. Mai ist ab 19.30 Uhr Schriftsteller Christian Dittloff zu Gast; im Anschluss an deren Gespräch stehen beide für Fragen aus dem Publikum bereit.

In dieser Reihe vermitteln Toni Tholen und immer wechselnde Gesprächspartner*innen den Diskurs über Männlichkeit an ein größeres Publikum. Die Grundlage bildet wissenschaftliches Wissen in literarisch-ästhetischer Komplexität. Dabei bringt Tholen als Moderator stets unterschiedliche konzeptuelle Impulse ein, mit denen vor allem literarisch markierte Erfahrungen und Denkmöglichkeiten gerahmt und diskutierbar werden. Die Gespräche sind erfahrungsorientiert und damit bewusst auch subjektiv, sie beziehen das Auditorium mit ein. Die angestrebte Botschaft dahinter: Veränderung von Männlichkeit, Transformation der Geschlechter- und damit auch der Gesellschaftsverhältnisse – vermittels informierter, das Selbst hinterfragender Reflexionen und attraktiver Vorschläge für eine andere Form des Zusammenlebens.

Der zweite Gesprächspartner Christian Dittloff gehört zur jüngeren Generation männlicher Autoren, die in ihren Büchern vermehrt ihr eigenes Mannsein zum Thema machen, von männlicher Seite aus Verhältnisse kritisch beleuchten und schreibend zu einer Transformation des Geschlechterverhältnisses beitragen wollen. So hat Christian Dittloff 2023 ein autobiographisches Buch mit dem Titel „Prägung. Nachdenken über Männlichkeit“ veröffentlicht. Darin geht er seinem eigenen männlichen Aufwachsen nach und den lange Zeit unbewusst gebliebenen Einflüssen, die ihn als Mann geprägt haben; gleichzeitig sucht er nach einer neuen Poetik, durch die sich Männlichkeit zukünftig anders schreiben kann.

Für Moderator Toni Tholen hat die Reihe vor allem aktuelle Brisanz: „Männer stehen Fragen von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen nicht länger abwehrend oder gleichgültig gegenüber, sie begeben sich aktiv und selbstreflexiv in den Dialog. Auch die neuerliche Tendenz nach rechts und die damit wiederauflebenden männlich geprägten Weltbilder, die viele beunruhigen, werden in den Gesprächen zum Thema gemacht“. Dabei können Männer nach wie vor von Frauen lernen: „Der von Männern geführte unterscheidet sich von dem von Frauen geprägten Diskurs in der zeitlichen Länge und Nachträglichkeit. Frauen denken schon viel länger patriarchatskritisch als Männer. Hier haben die Männer einiges nachzuholen. Es ist wichtig und bedeutsam für den Diskurs, dass sich Männer bei ihrem Nachdenken substanziell mit feministischen und queeren Erkenntnissen und Positionen auseinandersetzen. Dazu müssen sie in wesentlich größerem Ausmaß als bisher geschehen auch Texte von Frauen und nicht-binären Personen lesen. Es geht darum, einen nachhaltigen Dialog über Geschlecht und Männlichkeiten zu etablieren, und dazu bedarf es vieler, unterschiedlicher Positionen, die die komplexe Gemengelage auch angemessen abbilden.“

Tickets können im Literaturhaus erworben werden. Der Link zur Veranstaltung lautet: stjakobi.de/veranstaltungen/dittloff

Die Gespräche werden als Podcast zur Verfügung gestellt und auf der Webseite des Zentrums für Geschlechterforschung der Universität Hildesheim hochgeladen. Das erste Gespräch der Reihe mit Fikri Anıl Altıntaş ist über nachfolgenden Link verfügbar: www.uni-hildesheim.de/zentrum-fuer-geschlechterforschung/aktuelles/artikel/das-zfg-zum-hoeren-und-fuehlen/


Christian Dittloff; Foto: Rebecca Kraemer

Toni Tholen; Foto: Jana Schuetze