Verschiedene Blickwinkel auf Männlichkeit: Prof. Dr. Toni Tholens Gespräche über Männlichkeit
Montag, 22. Juni 2026 - 07:23 Uhr
In der durch Prof. Dr. Toni Tholen initiierten und im Literaturhaus St. Jakobi Hildesheim ausgerichteten Reihe „Gespräche über Männlichkeit“ spricht der Professor in regelmäßigen Abständen über Geschlecht und Männlichkeit in Literatur, Wissenschaft und Gesellschaft. In der sechsten Auflage dieser Reihe am Mittwoch, 01. Juli, ist ab 19.30 Uhr erstmals ein schreibendes Paar zu Gast: Die Autor*innen Julia Weber und Heinz Helle.
Im Rahmen der Reihe vermitteln Tholen und immer wechselnde Gesprächspartner*innen den Diskurs über Männlichkeit an ein größeres Publikum. Die Grundlage bildet wissenschaftliches Wissen in literarisch-ästhetischer Komplexität. Dabei bringt Tholen als Moderator unterschiedliche konzeptuelle Impulse ein, mit denen vor allem literarisch markierte Erfahrungen und Denkmöglichkeiten gerahmt und diskutierbar werden. Die Gespräche sind erfahrungsorientiert und damit bewusst auch subjektiv, sie beziehen das Auditorium mit ein. Die angestrebte Botschaft dahinter: Veränderung von Männlichkeit, Transformation der Geschlechter- und damit auch der Gesellschaftsverhältnisse – vermittels informierter, das Selbst hinterfragender Reflexionen und attraktiver Vorschläge für eine andere Form des Zusammenlebens.
Im sechsten Teil der Reihe spricht Literaturexperte Tholen mit dem schreibenden Paar Julia Weber und Heinz Helle. „Durch den Besuch von gleich zwei Gäst*innen können wir eine Doppelperspektive ermöglichen,“ freut sich Tholen. „Elternschaft, Partnerschaft und literarisches Arbeiten im Alltag werden in den Blick genommen und das Spannungsfeld zwischen Elternschaft und künstlerischer Selbstverwirklichung auf verschiedenen Ebenen eröffnet.“
Weber widmet sich Fragen des Mutterwerdens und der Suche nach einem Gleichgewicht zwischen Fürsorge, Kunst und dem Selbst. Ihr Roman Die Vermengung beschreibt das Gefühl, sich selbst zu verlieren und es niemandem recht machen zu können. Helles Roman Wellen erzählt von gesellschaftlichen Erwartungen an das Vatersein und setzt sich mit Selbstzweifeln und Überforderung auseinander. Dabei werden alte Rollenbilder infrage gestellt und neue Formen des Zusammenlebens vorgeschlagen.
Für Tholen haben die Gespräche über Männlichkeit vor allem aktuelle Brisanz: „Männer stehen Fragen von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen nicht länger abwehrend oder gleichgültig gegenüber, sie begeben sich aktiv und selbstreflexiv in den Dialog. Auch die neuerliche Tendenz nach rechts und die damit wiederauflebenden patriarchal geprägten Weltbilder, die viele beunruhigen, werden in den Gesprächen zum Thema gemacht.“ Dabei können Männer nach wie vor von Frauen lernen: „Der von Männern geführte unterscheidet sich von dem von Frauen geprägten Diskurs in der zeitlichen Länge und Nachträglichkeit. Frauen denken schon viel länger patriarchatskritisch als Männer. Hier haben die Männer einiges nachzuholen. Es ist wichtig und bedeutsam für den Diskurs, dass sich Männer bei ihrem Nachdenken substanziell mit feministischen und queeren Erkenntnissen und Positionen auseinandersetzen. Dazu müssen sie in wesentlich größerem Ausmaß als bisher geschehen auch Texte von Frauen und nicht-binären Personen lesen. Es geht darum, einen nachhaltigen Dialog über Geschlecht und Männlichkeiten zu etablieren, und dazu bedarf es vieler, unterschiedlicher Positionen, die die komplexe Gemengelage auch angemessen abbilden.“
Die Gespräche werden als Podcast zur Verfügung gestellt und auf der Webseite des Zentrums für Geschlechterforschung der Universität Hildesheim hochgeladen: https://www.uni-hildesheim.de/zentrum-fuer-geschlechterforschung/audio-und-video/