Verschiedene Blickwinkel auf Männlichkeit: Prof. Dr. Toni Tholens „Gespräche über Männlichkeit“

Montag, 24. November 2025 um 07:42 Uhr

In der durch Prof. Dr. Toni Tholen initiierten und im Literaturhaus St. Jakobi Hildesheim ausgerichteten Reihe „Gespräche über Männlichkeit“ spricht der Professor in regelmäßigen Abständen über Geschlecht und Männlichkeit in Literatur, Wissenschaft und Gesellschaft. In der fünften Auflage dieser Reihe am Freitag, 05. Dezember, ist ab 19.30 Uhr der Autor Linus Giese zu Gast; im Anschluss an das Gespräch stehen beide für Fragen aus dem Publikum bereit.

Im Rahmen der Reihe vermitteln Tholen und immer wechselnde Gesprächspartner*innen den Diskurs über Männlichkeit an ein größeres Publikum. Die Grundlage bildet wissenschaftliches Wissen in literarisch-ästhetischer Komplexität. Dabei bringt Tholen als Moderator stets unterschiedliche konzeptuelle Impulse ein, mit denen vor allem literarisch markierte Erfahrungen und Denkmöglichkeiten gerahmt und diskutierbar werden. Die Gespräche sind erfahrungsorientiert und damit bewusst auch subjektiv, sie beziehen das Auditorium mit ein. Die angestrebte Botschaft dahinter: Veränderung von Männlichkeit, Transformation der Geschlechter- und damit auch der Gesellschaftsverhältnisse – vermittels informierter, das Selbst hinterfragender Reflexionen und attraktiver Vorschläge für eine andere Form des Zusammenlebens.

Im fünften Teil der Reihe spricht Literaturexperte Tholen mit Linus Giese. Der Autor wurde mit seinem Debüt Ich bin Linus, in dem er seine eigene Transition zum Mann literarisch aufbereitet, über Nacht bekannt. Sein aktuelles Werk Lieber Jonas oder der Wunsch nach Selbstbestimmung im Rahmen der Briefe an die kommende Generation des Kjona-Verlags richtet sich an einen Jungen, der ihm im echten Leben begegnet ist. Dessen Fragen inspirierten Giese zu Erzählungen über sein Outing, das Ziel, der männlichste aller Männer zu werden, und die Magie, den selbst gewählten Namen zu hören. „Ein idealer Gast, um gemeinsam über Männlichkeit nachzudenken“, freut sich Tholen.

Für ihn haben die Gespräche über Männlichkeit vor allem aktuelle Brisanz: „Männer stehen Fragen von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen nicht länger abwehrend oder gleichgültig gegenüber, sie begeben sich aktiv und selbstreflexiv in den Dialog. Auch die neuerliche Tendenz nach rechts und die damit wiederauflebenden patriarchal geprägten Weltbilder, die viele beunruhigen, werden in den Gesprächen zum Thema gemacht.“ Dabei können Männer nach wie vor von Frauen lernen: „Der von Männern geführte unterscheidet sich von dem von Frauen geprägten Diskurs in der zeitlichen Länge und Nachträglichkeit. Frauen denken schon viel länger patriarchatskritisch als Männer. Hier haben die Männer einiges nachzuholen. Es ist wichtig und bedeutsam für den Diskurs, dass sich Männer bei ihrem Nachdenken substanziell mit feministischen und queeren Erkenntnissen und Positionen auseinandersetzen. Dazu müssen sie in wesentlich größerem Ausmaß als bisher geschehen auch Texte von Frauen und nicht-binären Personen lesen. Es geht darum, einen nachhaltigen Dialog über Geschlecht und Männlichkeiten zu etablieren, und dazu bedarf es vieler, unterschiedlicher Positionen, die die komplexe Gemengelage auch angemessen abbilden.“

Die Gespräche werden als Podcast zur Verfügung gestellt und auf der Webseite des Zentrums für Geschlechterforschung der Universität Hildesheim hochgeladen: https://www.uni-hildesheim.de/zentrum-fuer-geschlechterforschung/audio-und-video/

 


Toni Tholen Foto: Jana Schütze

Linus Giese Foto: Sophia Emmerich