Stadtansichten

Mittwoch, 20. Januar 2016 um 15:40 Uhr

Eigentlich eindeutig: Das ist Hannover. Bei Tag. Oder doch bei Nacht? Wer die Fotografien einer Hildesheimer Studentin genauer betrachtet, stolpert – über die Spiegelungen am Maschsee, über das Licht am Bahnhof. Eine Ausstellung zeigt ab 25. Januar 2016 Stadtansichten.

Die Fotoreihe der Hildesheimer Studentin Fabienne Brenig zeigt Hannover bei Tag und Nacht. Foto: Fabienne Brenig

Wer die Fotografien von Fabienne Brenig genauer betrachtet, stolpert – über die Spiegelungen am Maschsee, über das Licht der Straßenbahn am Hauptbahnhof. Die Aufnahmen sind alle in Hannover entstanden. Die Studentin Fabienne Brenig hat prominente Orte des öffentlichen Lebens zu unterschiedlichen Tageszeiten fotografiert und die Bilder passgenau ineinander geschnitten. Jedes Foto zeigt Nacht- und Tagaufnahmen im selben Bild.

„Die Bilder von Fabienne Brenig irritieren beim genauen Hinsehen“, sagt Michael Leibbrand vom Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft der Universität Hildesheim. „Die Arbeit spielt mit den unterschiedlichen Atmosphären, die ein Ort haben kann, was stark mit Licht und Beleuchtung zusammenhängt, also tageszeitgebunden ist.“ Brenig hat ihren Wohnort unter die Lupe genommen, die Stadt Hannover einmal in neues, ungewohntes Licht gerückt.

Die Fotoserie ist Teil einer Ausstellung, die am 25. Januar 2016 in Hildesheim eröffnet wird. In einem alten Fabrikgebäude zeigen Studentinnen und Studenten ihre Sicht auf „Stadt“. Im Wintersemester haben sich Studierende in Seminaren von Manfred Lauschke und Michael Leibbrand mit Stadtansichten befasst.

„Stadt vereinigt alle Bereiche des menschlichen Lebens, der Kultur und Gesellschaft“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter der Uni Hildesheim. In Städten finden sich „Entwicklungen des menschlichen Lebens seit der Moderne“ verdichtet wieder. „Es gibt nicht die eine Auffassung von Stadt“, sagt Leibbrand. Stadt ist zum Beispiel Lebensraum, der zur aktiven Mitgestaltung auffordert. „Es sind vor allem die Vorstellungen der Menschen, welche das städtische Leben, aber auch die physische Form des Stadtraums bestimmen. Nur durch diese verschiedenen Vorstellungen wird die Stadt mehr als die Steine, die sie bilden. Das macht sie zum Ort vieler, teilweise auch konkurrierender, Wünsche, Ideen und Ziele“, sagt Leibbrand.

Etwa in Hildesheim: In der niedersächsischen Großstadt mit etwa 100.000 Einwohnern tritt der Marktplatz als historisches Zentrum auf – als Treffpunkt, der dem städtischen Leben Qualität verleiht und als Tourismusargument funktioniert, so Leibbrand. Die Stadt habe ihre Geschichte entdeckt, aufgedeckt, wieder sichtbar gemacht. Der Hildesheimer Kunstpädagoge spricht von einer „Re-Historisierung des Platzes“, der „mit einer kritischen Leseart auch als reine Simulation verstanden werden kann“.

Die angehenden Kunstlehrerinnen und Kunstlehrer zeigen in der Hildesheimer Ausstellung ihren Blick auf Stadt, sie setzen sich mit der Stadt als Gedächtnis, mit der Stadt als Gemeinschaftsprojekt, der Stadt als Bildmotiv und der Stadt als Verkaufsargument auseinander. Die einen arbeiten fotografisch, andere mit Drucktechniken oder Markierungssystemen. So hat zum Beispiel Saskia Raulf die die Blindenleitsysteme der Stadt Hildesheim kritisch untersucht. „Die Lehramtsstudierenden schließen ihre künstlerische Praxis mit diesem Ausstellungsprojekt ab. Arbeiten in der Stadt statt in der Universität zu zeigen, ist eine Chance, Erkenntnisse und Sichtweisen zu teilen", sagt Manfred Lauschke vom Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft.

Bewohner stellen zu ihrer Stadt auch „individuelle Bezüge“ her, meist geschieht dies über Erinnerung: „der Ort an dem ich zum ersten Mal...." oder „hier haben wir immer…“. Welche Bezüge Studentinnen und Studenten zu Hildesheim, Hannover und anderen Städten herstellen und sichtbar machen, zeigt die Ausstellung.

Ausstellung „Stadt“

Fabienne Brenig, Kunststudentin an der Uni Hildesheim, zeigt den Maschsee bei Tag und Nacht. Foto: Brenig

Die Ausstellung „Stadt“ wird mit einer Vernissage am Montag, 25. Januar 2016, um 18:00 Uhr eröffnet. Veranstaltungsort ist „Rasselmania“ (Bischofskamp 18, 31137 Hildesheim). Weitere Öffnungszeiten der Ausstellung sind am Freitag, 29. Januar 2016 (17:00 bis 19:00 Uhr), Samstag, 30. Januar (15:00 bis 18:00 Uhr) und Sonntag, 31. Januar (14:00 bis 17:00 Uhr). Außerdem ist die Ausstellung am Dienstag, 2. Februar (18:30 bis 20:00 Uhr und am Mittwoch, 3. Februar (15:00 bis 17:00 Uhr) geöffnet.

Werkschauwoche Finale

Wer weitere Einblicke in studentische Arbeiten erhalten möchte, sollte die Werkschauwoche „Finale“ nicht verpassen. Der Fachbereich Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation der Universität Hildesheim stellt vom 1. bis 5. Februar 2016 Ergebnisse der forschenden künstlerischen Praxis vor. Zu den Ausstellungen, Theateraufführungen, Kurzfilmen und Lesungen sind Interessierte herzlich auf den Kulturcampus Domäne Marienburg eingeladen.