„Sprache und Kultur sind eng miteinander verknüpft“

Mittwoch, 22. August 2018  / Alter: 85 Tage

Sprache ist kulturell geprägt, sagt Professorin Beatrix Kreß. Die Sprachwissenschaftlerin bildet in einem Masterstudiengang Experten aus, die die deutsche Sprache und Kultur unterrichten, etwa in Sprachkursen und an Universitäten weltweit. „Wer sich ein internationales berufliches Leben vorstellen kann, ist bei uns am Bühler-Campus genau richtig“, sagt Kreß.

Professorin Beatrix Kreß leitet das Institut für Interkulturelle Kommunikation der Universität Hildesheim. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

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Prof. Dr. Beatrix Kreß forscht und lehrt als Professorin für Interkulturelle Kommunikation an der Universität Hildesheim. In der Forschung befasst sie sich mit Pragmatik (Diskursforschung) und politischer, Medien- und Werbesprache im kulturkontrastiven Vergleich. Sie forscht zu Migration und Mehrsprachigkeit, ein Schwerpunkt sind Slawische Länder. Die Sprachwissenschaftlerin befasst sich zum Beispiel mit mehrsprachigen Bildungsbiografien in Niedersachsen und untersucht, welche Zusammenhänge zwischen Herkunftssprachen und Identitätsentwicklung bei Kindern mit Migrationshintergrund bestehen.

Beatrix Kreß hat Slavische Philologie und Germanistik in Frankfurt am Main und Prag studiert. Sie ist Leiterin des Instituts für Interkulturelle Kommunikation und Studiengangsleiterin des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“.

Im Interview spricht Professorin Beatrix Kreß über den Zusammenhang von Sprache und Kultur und das Studium am Bühler-Campus in Hildesheim.

„Wer sich ein internationales Leben vorstellen kann, für den ist dieser Masterstudiengang eine Option. Absolventinnen und Absolventen arbeiten zum Beispiel als Deutschlehrer an Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen im Ausland. Sie organisieren aber auch Sprachangebote im Inland.“

Beatrix Kreß

Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Beatrix Kreß

Frau Prof. Kreß, Sie sind Expertin für interkulturelle Kommunikation. Kultur und Sprache sind untrennbar miteinander verknüpft?

Sprache und Kultur sind so eng miteinander verknüpft, das wir selbst in der Forschung oft Schwierigkeiten haben, herauszufinden, ob eine wahrgenommene Differenz sprachliche oder kulturelle Gründe hat. Sprache ist kulturell geprägt und geformt. Wie wir täglich sprachlich handeln, baut auf unserer Sozialisation und unserer kulturellen Prägung auf.

Die Bedeutung interkultureller Kommunikation in Unternehmen und Behörden oder im Alltag wird spätestens dann deutlich, wenn Konflikte entstehen. Wie kann denn die Kommunikation heute gelingen, was sind entscheidende Faktoren für gelingende interkulturelle Kommunikation?

Ein Konflikt an sich ist noch kein Problem, auch in intrakultureller Kommunikation tauchen häufig Konflikte und Missverständnisse auf. Was hilft, ist ein Bewusstsein von sprachlichen Normen. Wenn wir kommunizieren, besteht oft die Neigung, Missverstehen zu bewerten. Besser wäre es, wenn man einfach akzeptiert: Das Gegenüber kommuniziert anders als ich, dann ist Dialog möglich.

Sie haben mit weiteren Professorinnen und Professoren des Instituts für Interkulturelle Kommunikation und des Instituts für deutsche Sprache und Literatur den Studiengang „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“ entwickelt. Mit welchen Themen befassen sich Studentinnen und Studenten im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“?

Zunächst setzen sie sich mit den Bedingungen des Spracherwerbs auseinander. Wie erlernt jemand, der nicht im Land ist, eine Fremdsprache, in diesem Fall die deutsche Sprache? In Hildesheim haben wir weitere Schwerpunkte, wir berücksichtigen zum Beispiel die wissenschaftliche Kommunikation und ihre kulturelle Gebundenheit. Die Studentinnen und Studenten befassen sich während ihres Studiums mit authentischer Kommunikation und untersuchen das Unterrichtsgeschehen in der Praxis. Wir bleiben nicht auf der Oberfläche stehen und beschreiben landeskundliche Besonderheiten, vielmehr geht es um ein Verständnis der Verflechtung von kulturellen Prägungen und sprachlich-kommunikativer Praxis. Ein Schwerpunkt in der Sprachpraxis am Bühler-Campus sind die Sprachen Spanisch, Serbisch-Kroatisch, Russisch und Türkisch. Auch Arabisch nehmen wir zunehmend in den Blick.

Wo absolvieren die Studierenden im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ zum Beispiel ihre Praktika im Rahmen des Masterstudiums?

In der Praxisphase absolvieren unsere Studentinnen und Studenten Auslandspraktika an Partnerhochschulen weltweit, wir haben enge Beziehungen zu Universitäten in Miskolc in Ungarn und Siauliai in Litauen, zur Universität Modena in Italien, zur Universität Zhejiang in Hangzhou in China und Toluca in México. Einige Studierende unterrichten die deutsche Sprache an Hochschulen, andere sind zum Beispiel an internationalen Schulen und bei Goethe-Instituten tätig. Sie sammeln und reflektieren Erfahrungen im Bereich der Sprachvermittlung, der Unterrichtsplanung und der Sprachstandsdiagnose und Förderung.

Welche Berufsperspektiven stehen Studentinnen und Studenten im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ offen, welche Wege gehen Ihre Absolventen zum Beispiel?

Wer sich ein internationales Leben vorstellen kann, für den ist dieser Masterstudiengang eine Option. Absolventinnen und Absolventen arbeiten zum Beispiel als Deutschlehrer an Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen im Ausland. Sie organisieren aber auch Sprachangebote im Inland. Andere gehen in das Verlagswesen und entwickeln Lehrmaterialien – das mediale Spektrum ist riesig, zum Beispiel können sie Apps zur Unterstützung des Spracherwerbs entwickeln.

Sie lehren am Bühler-Campus, dem Sprachen-Campus der Universität. Wie kann man sich den Studienalltag in Hildesheim vorstellen?

Wir können aufgrund unserer räumlichen Gegebenheiten und der Größe des Studiengangs ein Studium der kurzen Wege, der engen Betreuung und der familiären Atmosphäre bieten. Lehrende und Studierende sind sehr gut miteinander vernetzt und immer im Gespräch. Das ermöglicht es den Studierenden auch, sich frühzeitig in die Forschung und die Praxis einzubringen, indem sie in die vielfältigen Projekte der beiden am Studiengang beteiligten Institute eingebunden werden können.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt:

Studium „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Fachleute im Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ aus. Absolventinnen und Absolventen können an Schulen und Hochschulen im Ausland arbeiten oder in international vernetzten Betrieben die deutsche Sprache und Kultur vermitteln. Sie können sich für die Sprachförderung in Schulen spezialisieren, in der Bildungsplanung in Behörden oder in der Schulbuchherstellung arbeiten und Erwachsene in Integrationskursen unterrichten. Der Studiengang kann auch berufsbegleitend und in Teilzeit studiert werden, zum Beispiel begleitend zu einer Lehrtätigkeit.

Wer sich für ein Studium interessiert, findet online Informationen über den Aufbau des Studiums, die Bewerbung und Erfahrungsberichte (mehr Informationen).

Kontakt bei Fragen

Bei Fragen rund um den Studienschwerpunkt „Deutsch als Fremdsprache“ (DaF) wenden Sie sich gerne an Prof. Dr. Beatrix Kreß (kressb(at)uni-hildesheim.de) und Prof. Dr. Stephan Schlickau (stephan.schlickau(at)uni-hildesheim.de) vom Institut für Interkulturelle Kommunikation.

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Von: Pressestelle, Isa Lange

Professorin Beatrix Kreß leitet das Institut für Interkulturelle Kommunikation der Universität Hildesheim. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim