DFG-Kolleg-Forschungsgruppe GloPhi öffnet globale Perspektiven aufs Denken

Montag, 29. Juni 2026 - 08:49 Uhr

Die Kolleg-Forschungsgruppe Philosophieren in einer globalisierten Welt an der Universität Hildesheim untersucht Philosophie aus globalen, mehrsprachigen und kulturübergreifenden Perspektiven. Internationale Workshops, Vortragsreihen und Summer Schools machen die Universität Hildesheim zu einem internationalen Treffpunkt für Forschende aus aller Welt. Ein Überblick über Themen und Veranstaltungen im Sommer und Herbst 2026.

Was zählt als Philosophie? Wer kommt in philosophischen Traditionen vor? Wer wurde lange übersehen? Und wie kann philosophisches Denken dazu beitragen, die großen Herausforderungen einer globalisierten Gegenwart besser zu verstehen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die DFG-geförderte Kolleg-Forschungsgruppe Philosophieren in einer globalisierten Welt (kurz GloPhi) an der Universität Hildesheim.

„Im Projekt geht es nicht darum, die europäische Philosophie als untauglich zu denunzieren, sondern darum, die Praxis des Philosophierens in globaler Perspektive im Zusammenhang mit ihren vielfältigen Geschichten und Stimmen zu transformieren und gemeinsam neu zu denken“, erklärt Prof. Dr. Rolf Eberfeld, Principal Investigator der Forschungsgruppe. Im Zentrum stehe die Frage, wie philosophische Begriffe, Praktiken und Traditionen über Kontinente, Sprachen und historische Kontexte hinweg entstehen, wie sie zwischen verschiedenen Orten des Denkens wandern und sich verändern. „Die Forschungsgruppe untersucht Philosophie nicht als rein europäisches Unterfangen, sondern als ein weltweites, mehrsprachiges und kulturell vielfältiges Feld des Denkens“, erklärt Dr. Leon Krings, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Kolleg-Forschungsgruppe.

Damit reagiert GloPhi auf eine Entwicklung, die nicht nur Universitäten betrifft: In einer Zeit globaler Krisen, technologischer Umbrüche und politischer Polarisierung wird die Frage dringlicher, wie Menschen aus unterschiedlichen Weltregionen gemeinsam über Themen wie Gerechtigkeit, Freiheit, Wissen, Natur, Erinnerung und Zukunft nachdenken können. Ein zentrales Anliegen der Kolleg-Forschungsgruppe ist es, den philosophischen Kanon zu erweitern und zugleich die Grundlagen philosophischer Bildung neu zu befragen. Die Forschungsgruppe bietet zudem Methoden an, um über neue Ordnungen des Wissens und globale Vernetzungen nachzudenken. 

Sommersemester 2026
Vortragsreihe Transatlantic Resonances: Philosophical Entanglements between Africa and the Americas

Die derzeit laufende Vortragsreihe Transatlantic Resonances: Philosophical Entanglements between Africa and the Americas nimmt die Geschichte und Gegenwart der Beziehungen zwischen Afrika und Lateinamerika in den Blick „Das Verhältnis zwischen Afrika und den Amerikas, das zumeist nur unter der Perspektive von Kolonialismus und Sklaverei betrachtet wird, ist ein besonders interessantes Beispiel für eine philosophische Verflechtungsgeschichte. Denn mit den aus Afrika entführten Menschen reisten auch philosophisch relevante Ideen und Begriffe, deren Fortwirken in den Amerikas erst seit kurzer Zeit genauer untersucht wird“, erklärt Prof. Dr. Anke Graneß, ebenfalls Principal Investigator der Forschungsgruppe. Themen der Vortragsreihe sind unter anderem Négritude, dekoloniales Denken, Ubuntu, indigene Philosophien, Feminismus, Ökologie und die Rolle mündlicher Traditionen für die Geschichte der Philosophie. Mehr hier.

10. bis 14. August
Summer School Practices of Epoché: A Phenomenological Retreat

Neben Vortragsreihen organisiert GloPhi auch Formate, die philosophische Forschung mit Erfahrung, Praxis und gesellschaftlicher Reflexion verbinden. Die Summer School Practices of Epoché: A Phenomenological Retreat, die vom Montag, 10. bis Freitag, 14. August 2026 in Hildesheim stattfindet, fragt nach, wie eine phänomenologische Schulung der Aufmerksamkeit nicht nur theoretisch verstanden, sondern praktisch eingeübt werden kann. Im Mittelpunkt steht die Epoché – eine Form der Unterbrechung gewohnter Sichtweisen, durch die die Beziehung zwischen Welt und Selbst neu erfahren werden könne. „Ansätze zur Epoché finden sich nicht nur in der europäischen Tradition von der antiken Skepsis bis zur Phänomenologie, sondern auch in außereuropäischen Philosophien, etwa in buddhistischen Konzepten der Leerheit, meditativen Übungsformen oder daoistischen Vorstellungen eines Handelns durch Nicht-Handeln“, erklärt Krings. Mehr hier.

24. bis 28. August
Summer School Healing as a Philosophical Practice

Die Summer School Healing as a Philosophical Practice von Montag, 24. bis Freitag, 28. August 2026 richtet den Blick auf Philosophie als lebendige Praxis. Sie untersucht, wie Gemeinschaften weltweit auf Verletzlichkeit, Gewalt, Verlust oder soziale Brüche reagieren. Etwa durch Erzählungen, Zeugenschaft, Dialog, Sprichwörter oder empathisches Zuhören. Damit wird Philosophie als eine Praxis sichtbar, die nicht nur abstrakte Begriffe entwickelt, sondern auch zur ethischen und sozialen Neuorientierung beitragen kann. Mehr hier

10. September
Workshop Forests and Rivers: Rethinking Relation and Representation in Philosophy

Ein weiteres Format verbindet Philosophie mit Umweltfragen: Der internationale Workshop Forests and Rivers: Rethinking Relation and Representation in Philosophy am Donnerstag, 10. September 2026 untersucht Wälder und Flüsse nicht nur als natürliche Ökosysteme, sondern auch als symbolische Räume und Figuren des Denkens. Dabei geht es um die Frage, wie das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt neu gedacht werden kann, jenseits starrer Gegensätze von Natur und Kultur, Menschlichem und Nicht-Menschlichem. Mehr hier

22. und 23. September
Workshop Haunted by Language

Ergänzend widmet sich der geplante zweitägige Workshop Haunted by Language am 22. und 23. September 2026 in Hildesheim einer Grundbedingung globalen Philosophierens: der Mehrsprachigkeit. Ausgangspunkt ist die Frage, welche Sprache Philosophie eigentlich spricht — die jeweilige Muttersprache, eine globale lingua franca, eine mehrsprachige Sprache der Übersetzung, oder vielleicht eine Sprache, die sich nicht vollständig an existierende Grammatiken, Herkünfte und Kontexte binden lässt. Der Workshop untersucht, wie philosophische Traditionen historisch mit bestimmten Sprachen der Macht verbunden waren — etwa Griechisch, Chinesisch oder Sanskrit — und wie koloniale Kontexte sprachliche Hierarchien weiter verstärkt oder neu geformt haben. Geplant ist unter anderem ein Beitrag des senegalesischen Philosophen Prof. Souleymane Bachir Diagne, der mit seinem Begriff der Übersetzung als Gastfreundschaft den internationalen Diskurs mitgeprägt hat.

5. und 6. Oktober
11. Jahrestagung der North American Korean Philosophy Association (NAKPA): Korean Philosophy from a Comparative and Intercultural Perspective

Einen internationalen Höhepunkt bildet im Oktober die elfte Jahrestagung der North American Korean Philosophy Association (NAKPA), die am 5. und 6. Oktober 2026 unter dem Titel Korean Philosophy from a Comparative and Intercultural Perspective an der Universität Hildesheim stattfindet. Mit über 50 aktiv Vortragenden aus Nordamerika, Asien und Europa wird sie die größte Konferenz in der Geschichte der NAKPA sein und etabliert den Diskurs erstmals in Europa. Mehr hier

7. und 8. Oktober
Workshop Modern Korean Thinkers

Unmittelbar im Anschluss beleuchtet der Workshop Modern Korean Thinkers am 7. und 8. Oktober 2026 das moderne koreanische Denken vom späten 19. Jahrhundert bis 1945 – eine Zeit tiefgreifender Umbrüche, in der Denkerinnen und Denker in Korea Tradition und Moderne neu zusammenführten. Die Auseinandersetzung mit ihren Ideen trägt zugleich zum Verständnis des gegenwärtigen Erfolgs Koreas in Kultur und Wirtschaft bei. 

Weitere Informationen 

Zur Homepage der Forschungsgruppe GloPhi geht es hier.