„Sie blicken mit einer großen Portion Mut und Zuversicht in die Zukunft“
Mittwoch, 13. August 2025 – 08:18 Uhr
Ein sonniger Morgen am Strand von Rantum auf Sylt. Eine Gruppe Kinder und Jugendlicher im Alter von acht bis 18 Jahren tobt im warmen Sand. Dazwischen Sport-Studierende der Universität Hildesheim, die sich vielfältige Aktivitäten für die Kinder überlegt haben. Die erste Surf-Session fand bereits um 6.30 Uhr statt, die Strandolympiade am Nachmittag ist absolviert und danach geht es zur zweiten Einheit Surfen bevor am Abend gegrillt wird. Für den entspannten Teil am Lagerfeuer haben die Kinder eine musikalische Vorführung einstudiert.
Bereits seit über zehn Jahren organisieren der Hildesheimer Sportwissenschaftler Prof. Dr. Nicolas Kurpiers und seine Studierenden ein Skicamp im österreichischen Pitztal. Die Mission: An Krebs erkrankten Kindern und ihren Familien über den Wintersport Zugang zum Aktivsein ermöglichen und dabei Erkenntnisse über den Beitrag von Sport zum Gesundheitszustand erlangen. Nun fand in diesem Rahmen erstmals ein Angebot im Sommer statt. Für eine Woche trafen sich Familien, Therapeut*innen und Studierende auf Sylt. Auf dem Sport-Programm: Wellenreiten und Stand-Up-Paddling.
Für die Familien nach der akuten Krankheitsphase eine Chance: „Insbesondere nach einer Zeit der Ruhe und Isolation ist es wertvoll für die Kinder, zurück in die Aktivität zu kommen,“ betont Kurpiers. „Sie sehen: ‚Ich bin wieder belastbar‘, können um die Wette laufen und neue Bewegungen entdecken, wie Kinder es natürlicherweise tun wollen. Das ermöglicht ihnen Zutrauen in Körper und eigene Leistungsfähigkeit nach der langen Behandlung.“ Beim Angebot der Universität steht neben dem Bewegungserlebnis das Gemeinschaftsgefühl im Fokus. Die Gruppe wohnt gemeinsam im Schullandheim, trifft sich zum Essen, organisiert Spieleabende. „Sich unter Leute zu begeben, kann für Familien mit Krankheitsgeschichte eine Herausforderung sein. Hier sitzen aber alle in einem Boot.“ Das erleichtere den Zugang, da die Familien sich nicht erklären müssten, so der Wissenschaftler. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass es dann später auch einfacher wird, sich wieder in eine heterogene Gruppe zu integrieren.“
Die Sylter-Gruppe bestand diesmal aus 45 Personen „Dabei sind alte Bekannte, die bereits am Winterangebot teilgenommen haben und neue Teilnehmende.“ Aber auch unter den Studierenden ist das Interesse groß, obwohl die Unterstützung des Sommerangebots auf rein freiwilliger Basis erfolgte. „Im Winter können die Studierenden ihre Teilnahme als Praktikum oder Exkursion anrechnen lassen,“ erzählt Kurpiers. „Langfristig ist dies auch für das Sommerangebot geplant, für dieses Mal sind wir aber sehr dankbar, dass aktuelle und ehemalige Studierende in ihrer Freizeit beim Aufbau des Angebots unterstützt und das Projekt zu ihrer Herzensangelegenheit gemacht haben.“
Am Ende der Woche ist die Gruppe eng zusammengewachsen „Der letzte Abend am Strand war für alle Beteiligten emotional,“ sagt Kurpiers. „Viele neue Freundschaften sind entstanden. Gleichzeitig ist die Woche der Aufbruch zu einer aktiveren Zeit. Die Teilnehmenden blicken mit einer großen Portion Mut und Zuversicht in die Zukunft. Und das ist das Wichtigste.“