Prosanova-Literaturfestival: „Mitlesen, wie geschrieben wird“

Dienstag, 13. Juni 2017  / Alter: 131 Tage

In diesem Jahr lud das studentische Team von Prosanova wieder zum Festival für junge deutschsprachige Gegenwartsliteratur ein. Tatjana von der Beek und Lasse Kohlmayer erzählen im Interview, warum sie junge Autorinnen und Autoren nach Hildesheim einladen. Zum Beispiel gibt das Festival Einblicke in den Schreibprozess, man kann mitlesen, wie geschrieben wird.

Tatjana von der Beek und Lasse Kohlmayer studieren an der Universität Hildesheim Literarisches Schreiben und gehören zum Organisationsteam des Festivals. Das Prosanova-Team auf dem Weg vom Bischofskamp zu einem weiteren Veranstaltungsort, der Dieselhalle in der Rudolf-Diesel-Straße. Fotos: Isa Lange, Jasmin Osmanovic

Prosanova – Festival für junge deutschsprachige Gegenwartsliteratur

Nachgefragt bei Tatjana von der Beek und Lasse Kohlmayer

Vom 8. bis 11. Juni 2017 ist Hildesheim wieder Treffpunkt für junge Autorinnen und Autoren. Was entsteht gerade in der Stadt?

Tatjana: Wir sind gerade auf dem Festivalgelände in einer alten Lagerhalle und auf einem alten Supermarktgelände tätig, am Bischofskamp in der Nordstadt. Wir sorgen dafür, dass der Leerstand überwunden und das Gelände wieder belebt und genutzt wird.

Wie wichtig ist der Ort, das Zusammenkommen für ein junges Literaturfestival?

Tatjana: Der letzte Festivalort war eine ehemalige Schule, wir saßen inmitten des Schulhofes, davor waren wir in einer alten Kaserne – nun ein Supermarkt. Wir haben wenig Geld, der Ort darf nahezu nichts kosten und wir nutzen die Räumlichkeiten zur Zwischenmiete. Der Ort verändert auch das Festivalprogramm. Dass das Festival an außergewöhnlichen Orten stattfindet, ist aus Geldnot erwachsen.

Lasse: Gerade streichen wir noch die letzten Räume, bauen wir ein Podest, das zur Sofalandschaft wird.

Was erwartet die Gäste auf dem Festivalgelände?

Tatjana: Das Programm ist sehr vielfältig und dicht, Lesungen und Workshops laufen parallel und man kann sich entscheiden, wohin man geht. Wir haben Insellesungen, dabei versammeln sich wenige für kurze Lesungen umd den Autor oder die Autorin, kommen ins Gespräch. Wer beim Prosanova dabei ist, ist nahe dran und kann erfahren, wie ein Autorenleben aussieht.

Lasse: Wir zeigen den Schreibprozess. Im Format „Die Maschine“ kann man mitlesen, wie geschrieben wird.

Wie finden Sie die Autorinnen und Autoren?

Tatjana: Wir wenden uns an Verlage, stöbern und lesen, lesen, lesen. Wir haben uns gerade durch einen riesigen Berg von Büchern durchgelesen, viele findet man in Buchhandlungen nicht einmal. In der Bella-Redaktion, die auch von Studierenden geleitet wird, stapeln sich Bücher und Postsendungen, locker 200. Das aktuelle Bella-Team – Helene Bukowski, Zoë Martin, Marina Schwabe, Ole Schwabe und ich – hat die Autorinnen und Autoren in diesem Jahr ausgewählt. Es sind viele Namen, die nicht bekannt sind, das ist auch ein Risiko, klar. Mit dem Prosanova-Festival entsteht ein Raum für junge Stimmen, Autorinnen und Autoren unter 35 Jahren, die am Anfang ihrer Karriere stehen und vielleicht gerade ihr Debüt herausgebracht haben. Das Festival ist eine Möglichkeit, jenen eine Stimme zu geben, die noch wenig bekannt sind. Unser Kriterium bei der Auswahl der Autorinnen und Autoren: sehr gute Bücher, die einen dazu bringen, weiterlesen zu wollen und hineinziehen in die Geschichte. Bei uns kann man Romane entdecken, die man noch nie gelesen hat.

A propos Bücher....

Tatjana: Wir machen uns keine Sorgen um das gedruckte Buch. Bücher wird es gedruckt so lange geben, wie es Leuten gefällt - und die sind nicht nur im virtuellen Raum unterwegs.

Lasse: Das Netz bietet für das Schreiben auch Chancen. Es gibt Programme, die dem Schreiber vorschlagen, welche Wörter man als nächstes benutzen kann. Das Entscheidende dabei: Man muss die Wörter nicht benutzen, die eine Maschine vorschlägt.

Sie stehen kurz vor dem Festival: Wie groß ist nun die Anspannung, was ist schon an Vorbereitungen geschafft?

Tatjana: Die Anspannung aktuell ist natürlich groß, es gibt noch einiges zu organisieren, jetzt ist man viel mit Feinheiten beschäftigt. Man hofft, dass alles klappt und wir an alles wichtige gedacht haben. Die Räumlichkeiten sind beinahe fertig gestellt, jetzt werden vorallem noch die genauen Programm- und Schichtabläufe auf dem Festival organisiert.

Ihr Geheimtipp für Neulinge: Was sollte man, wenn man nicht aus dem Fach kommt und nicht Literatur studiert, auf keinen Fall verpassen?

Tatjana: Mein Geheimtipp für Prosanova-Neulinge ist als erste Anlaufstelle der Infokiosk im Kassenhaus. Dort kann man sich ein Leporello mit dem Programm besorgen. Dann erstmal eine kleine Erkundungstour, ein Getränk an der Bar und ein Besuch im Buchladen. Für jede°n interessant sind sicherlich unsere Gesprächsformate wie "Wie sich unsere Sprache verändert", "Die sogenannte Wahrheit" oder "Trendscout: Autofiktion".

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person

Tatjana von der Beek, 24, aus Düsseldorf, studiert Literarisches Schreiben und Lektorieren an der Universität Hildesheim, hat ihren Bachelor in Hildesheim im Studiengang Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis absolviert, im Prosanova-Team macht sie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Lasse Kohlmayer, 25, aus Kassel, studiert im Bachelor Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus auf dem Kulturcampus in Hildesheim, hat vorher Informatik studiert, im Prosanova-Team vor allem für die Teamkoordination zuständig.

Kurz notiert: Prosanova sagt Danke!

Prosanova sagt Danke! Die Förderer des Prosanova-Literaturfestivals sind die VGH Stiftung, Stiftung Niedersachsen, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Friedrich Weinhagen Stiftung, Fachbereich 2 der Universität Hildesheim, Kulturstiftung Sparkasse Hildesheim, Stadt Hildesheim, Deutscher Literaturfonds, Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, Universitätsgesellschaft Hildesheim e.V., Bürgerstiftung Hildesheim, Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim.

Von: Pressestelle, Isa Lange [aktualisiert 13.06.2017]

Tatjana von der Beek und Lasse Kohlmayer studieren an der Universität Hildesheim Literarisches Schreiben und gehören zum Organisationsteam des Festivals. Das Prosanova-Team auf dem Weg vom Bischofskamp zu einem weiteren Veranstaltungsort, der Dieselhalle in der Rudolf-Diesel-Straße. Fotos: Isa Lange, Jasmin Osmanovic